Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Standardwerk zur Arbeitslosigkeitsforschung

17.12.2001


Wer sich selbst beruflich etwas zutraut, hat beruflichen Erfolg und ein geringeres Erwerbslosigkeitsrisiko. Welche Faktoren stellen jedoch den Erfolg von Existenzgründungen aus der Erwerbslosigkeit sicher? Welche Rolle spielen Modelle wie Outplacement, Arbeitsstiftungen oder Zeitarbeit bei der Bewältigung von Erwerbslosigkeit? Fragen und Erkenntnisse, die Forscher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg und anderer Einrichtungen in einem neuen interdisziplinären Standardwerk zur Arbeitslosigkeit untersucht und ausgewertet haben. Angesichts steigender Arbeitslosenzahlen beschäftigt sich der Sammelband mit den Ursachen, den psychosozialen und gesellschaftlichen Folgen der Arbeitslosigkeit und deren Bewältigung. Neben möglichen Maßnahmen und deren Wirkung steht aber auch die Frage nach neuen Perspektiven in der Forschung und der Arbeitsmarktpolitik im Mittelpunkt des Sammelbandes.

Bandbreite an Themen abgedeckt
Ein äußerst weit gefächertes Themenspektrum mit solider Datenbasis und praxisbezogener Recherche bietet dem Leser eine Vielfalt an einprägsamen Erkenntnissen. Reichel (WiSo-Fakultät) untersucht in seinem Beitrag makro-ökonomische Ursachen der Arbeitslosigkeit. Aufgrund seiner theoretischen und empirischen Analyse ergeben sich drei Ursachen: geringe Investitionsquote, inflexible Löhne und Wachstum der Erwerbsbevölkerung. Mittel- und langfristig ist es daher seiner Ansicht nach vor allem wichtig, Anreize für Nettoinvestitionen zu schaffen. Lohnzurückhaltung dagegen ist eine defensive Maßnahme, die Reichel allerdings in Deutschland für notwendig hält.

Neben diesen gesamtwirtschaftlichen Maßnahmen werden im Sammelband eine Reihe von "alten" und "neuen" Einzelmaßnahmen und Maßnahmenpaketen geschildert. Bacher, Michael Müntnich, Dr. Frank Wießner, Voigt und Zempel untersuchen Existenzgründungen von Arbeitslosen, wobei Voigt die betriebswirtschaftliche, Zempel die psychologische und Bacher (alle WiSo-Fakultät) die soziologische Sichtweise einbringen. Empirische Daten steuern Müntnich und Wießner (beide IAB) bei. Die Ergebnisse machen deutlich, dass arbeitslose Existenzgründer erfolgreich sein können, wobei dieses Instrumentarium sicherlich kein Allheilmittel darstellt.

Dass etwas getan werden sollte, folgt aus Schachtschneiders (WiSo-Fakultät) grundlegender rechtswissenschaftlicher Analyse. Ein Recht auf Arbeit ergibt sich beispielsweise aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 oder aus der Europäischen Sozialcharta 1961. Nach Schachtschneider besteht aber auch eine Verpflichtung zur Arbeit.

Auch die Forschungsarbeiten von Paul und Moser (WiSo-Fakultät) unterstreichen die Notwendigkeit von Maßnahmen und widerlegen das immer wieder geäußerte Vorurteil, dass Arbeitslose es sich auf Kosten der Allgemeinheit gut gehen ließen. Die Autoren haben hierzu über 100 Forschungsarbeiten zur Arbeitslosigkeit reanalysiert.

Interdisziplinarität ist ein wichtiges Profilmerkmal der WiSo-Fakultät und stellt ein anspruchsvolles Programm dar, da es Verständigung über die Fachgrenzen einer Disziplin hinaus erfordert. Dass Interdisziplinarität möglich und für die Analyse von sozialen Problemen nutzbringend ist, verdeutlicht eine vor kurzem erschienene Veröffentlichung zur Erwerbslosigkeit: Herausgegeben wurde sie von Jeannette Zempel, Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialpsychologie, Prof. Dr. Johann Bacher, Inhaber des Lehrstuhls für Soziologie, und Prof. Dr. Klaus Moser, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Sozialpsychologie. Weitere Autoren von der WiSo-Fakultät sind Prof. Dr. Karl Albrecht Schachtschneider (Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht), Prof. Dr. Kai-Ingo Voigt (Inhaber des Lehrstuhls für Industriebetriebslehre), Nathalie Galais (Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialpsychologie), Dr. Lutz Hagen (Lehrstuhl für Kommunikations- und Politikwissenschaft), Karsten Paul (Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialpsychologie) und Dr. Richard Reichel (Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre).

Als Autoren konnten ebenso weitere namhafte Experten der Erwerbslosigkeitsforschung wie beispielsweise Christian Brinkmann (IAB, Nürnberg), Prof. Dr. Thomas Kieselbach (Universität Bremen), Prof. Dr. Gisela B. Mohr (Universität Leipzig) und Prof. Dr. Alois Wacker (Universität Hannover) aus Deutschland oder Prof. Dr. David Fryer aus Großbritannien (Universität Styrling) gewonnen werden.

-----------------------------------
Zempel, Jeannette, Johann Bacher & Klaus Moser (Hrsg.): Erwerbslosigkeit. Ursachen, Auswirkungen und Interventionen. Psychologie sozialer Ungleichheit, Band 12. Opladen (Leske+Budrich), 2001.

Heidi Kurth | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index weiter aufwärts gerichtet
23.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht RWI erhöht Konjunkturprognose für 2017 leicht auf 1,3 Prozent
15.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise