Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltweites M&A-Geschäft weiter im Abwärtssog

10.12.2001


Schwere Einbußen im Mittelstand und bei grenzüberschreitenden Transaktionen

Das weltweite M&A-Geschäft ist nach einem Einbruch im ersten Halbjahr in der zweiten Jahreshälfte 2001 noch einmal drastisch zurückgegangen; der Transaktionswert ist um 30 Prozent (von 836 Milliarden Euro auf 582 Milliarden Euro) gesunken. Insgesamt fiel der Wert weltweiter Unternehmenstransaktionen im Jahr 2001 gegenüber dem Vorjahr um 52 Prozent zurück. Das entspricht einem Rückgang von 2.929 Milliarden Euro auf 1.419 Milliarden Euro. Die Zahl der Transaktionen sank in 2001 um 26 Prozent (von 25.152 auf 18.476). Das ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse von KPMG Corporate Finance1.

In Deutschland hat sich der Transaktionswert in 2001 gegenüber dem Vorjahr sogar um 59 Prozent (von 321 Milliarden Euro auf 135 Milliarden Euro) reduziert. Dies ist allerdings vor allem auf die Rekord-Transaktion Mannesmann Vodafone (153 Milliarden Euro) im ersten Halbjahr 2000 zurückzuführen. Die Anzahl der Transaktionen verringerte sich um 32 Prozent (von 2.031 auf 1.372). Im zweiten Halbjahr 2001 wurde in Deutschland mit 49 Milliarden Euro weniger als die Hälfte des Transaktionswerts des ersten Halbjahres 2001 erreicht, der bei 108 Milliarden Euro lag. Die Anzahl der Unternehmenstransaktionen ging in der zweiten Jahreshälfte um mehr als 40 Prozent (von 850 auf 510) zurück. Starke Einbußen erlitt auch der westeuropäische Markt. Im Jahr 2001 ging der Transaktionswert im Vergleich zum Vorjahr um 57 Prozent (von 1.386 Milliarden Euro auf 592 Milliarden Euro) zurück. Die Anzahl der Unternehmenstransaktionen fiel um 24 Prozent (von 11.263 auf 8.585). Thomas Ehren, Leiter KPMG Corporate Finance in Deutschland: "Der Markt für Unternehmenstransaktionen befindet sich in einem Abwärtssog. Einen Einfluss auf diesen Rückgang hatten sicher auch die Ereignisse des 11. September 2001. In erster Linie ist dieser Trend aber auf negative Entwicklungen der Kapitalmärkte zurückzuführen. Bisher gibt es noch keine Anzeichen für eine Erholung der Märkte in naher Zukunft."

Interesse an mittelständischen Unternehmen lässt deutlich nach

Der weltweite Markt für Unternehmenstransaktionen im mittelständischen Bereich - mit Transaktionswerten zwischen 50 Millionen Euro und 1 Milliarde Euro - verzeichnete mit einem Minus von 46 Prozent im zweiten Halbjahr 2001 seinen bislang stärksten Einbruch seit 1997. Der gesamte Transaktionswert fiel von 267 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2001 auf 145 Milliarden Euro im zweiten Halbjahr 2001. Gleichzeitig sank die Anzahl der Transaktionen in diesem Bereich um 40 Prozent (von 1.331 auf 801).

Erstmals Rückgang grenzüberschreitender Transaktionen

Im Jahr 2001 brach der Markt für weltweite grenzüberschreitende Unternehmenstransaktionen erstmals seit fünf Jahren ein. Der Transaktionswert reduzierte sich gegenüber dem Jahr 2000 um 54 Prozent (von 1.150 Milliarden Euro auf 532 Milliarden Euro). In Westeuropa und insbesondere in Deutschland ist der Anteil grenzüberschreitender Transaktionen an dem Wert der gesamten Transaktionen weiterhin größer als der Anteil inländischer Transaktionen. Bei grenzüberschreitenden Unternehmenstransaktionen mit Beteiligung deutscher Unternehmen lag dieser Anteil im Jahr 2001 bei 76 Prozent (102 Milliarden Euro) gegenüber 87 Prozent (278 Milliarden Euro) im Jahr 2000. Der US-Markt ist nach wie vor auf inneramerikanische Transaktionen fokussiert.

Deutschland weltweit Zielmarkt Nummer drei

Als Zielmarkt für Unternehmenstransaktionen liegt Deutschland in diesem Jahr auf Platz drei. Mit einem Transaktionswert von 53 Milliarden Euro im Jahr 2001 ist Deutschland der attraktivste Zielmarkt für Unternehmenstransaktionen (390 Transaktionen) nach den USA und Großbritannien. Deutsche Unternehmen haben im weltweiten M&A-Markt in diesem Jahr für 49 Milliarden Euro (442 Transaktionen) eingekauft. Damit konnte sich Deutschland als Bieter und Zielmarkt um einen Platz gegenüber 2000 verbessern; Frankreich wurde auf den vierten Platz verdrängt. Thomas Ehren: "Dieser Trend zeigt, dass der deutsche M&A-Markt für ausländische Unternehmen auch unter schwierigen Marktbedingungen interessant ist. Zu dieser Entwicklung haben sicher auch die eingeleiteten Reformmaßnahmen beigetragen wie die Ermöglichung der steuerfreien Veräußerung von Beteiligungen an Kapitalgesellschaften, das gerade verabschiedete Wertpapierübernahmegesetz, die Delisting-Regeln für den Neuen Markt, die Überarbeitung des Finanzmarktförderungsgesetztes sowie die Veränderung des Aktienindices."

M&A-Transaktionen pro Industriesektor

Der Abschwung im M&A-Geschäft zieht sich in Westeuropa und Deutschland durch alle Branchen. Der Technologiesektor ist in Westeuropa (123 Milliarden Euro) und auch in Deutschland (42 Milliarden Euro) der transaktionsstärkste Sektor. Das entspricht einem Anteil von 21 Prozent am Gesamttransaktionswert aller Sektoren in Europa (592 Milliarden Euro) und 31 Prozent am Gesamttransaktionswert aller Sektoren in Deutschland (135 Milliarden Euro). Rang zwei belegt 2001 der Bereich Banken & Versicherungen, in Westeuropa mit einem Transaktionsvolumen von 124 Milliarden Euro und in Deutschland mit 40 Milliarden Euro. Einen signifikanten Einbruch verzeichnet der Sektor Industrie mit einem Rückgang des Transaktionswertes in Westeuropa von 467 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf 115 Milliarden Euro im Jahr 2001 (75 Prozent) und einem Rückgang des Transaktionswertes in Deutschland von 199 Milliarden Euro auf 36 Milliarden Euro (82 Prozent).

Ausblick

Thomas Ehren, Leiter KPMG Corporate Finance in Deutschland: "Fraglich ist, ob das Tief des M&A-Marktes bereits erreicht ist. Die gegenwärtig weit auseinandergehende Preisvorstellungen bei Käufern und Verkäufern von Unternehmen haben einen negativen Einfluss auf den Markt für Unternehmenstransaktionen. Unter den derzeitigen Marktbedingungen konzentrieren sich Käufer von Unternehmen vorwiegend auf Unternehmen, die sich in finanziell kritischen Situationen befinden oder Unternehmen, die eine defensive Konsolidierung betreiben, um am Markt bestehen zu können. Finanziell gut ausgestattete Käufer können unter diesen Bedingungen Preisvorteile erzielen. Unter solchen Voraussetzungen kann man davon ausgehen, dass die Bewertungen von Unternehmen oft nicht die Realität des Marktes widerspiegeln. Weitere Korrekturen der Unternehmenswerte werden deshalb folgen. Für das kommende Jahr rechnen wir mit einer leichten Zunahme der deutschen M&A-Aktivitäten, nicht zuletzt auf Grund eingeleiteter Reformmaßnahmen wie der Steuerreform." KPMG Corporate Finance geht davon aus, dass für eine Erholung des Marktes von Unternehmenstransaktionen zwei Grundvoraussetzungen bestehen: Erstens muss es zu einer Stabilisierung und Erholung der Kapitalmärkte kommen und zweitens zu einer Klarheit über die unmittelbaren Entwicklungsperspektiven der Weltwirtschaft. Die Langzeiteffekte von Globalisierung und von Konsolidierungsaktivitäten einzelner Industriesektoren werden einen positiven Einfluss auf die Entwicklung des Marktes von Unternehmenstransaktionen haben.


1Die umfassende Studie über Trends bei Fusionen, Akquisitionen und strategischen Investitionen basiert auf Datenmaterial des Marktforschungsunternehmens Dealogic.

Marita Reuter | Pressemitteilung

Weitere Berichte zu: Transaktionswert Unternehmenstransaktion

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Der Dauerläufer: Starke Binnennachfrage macht diesen Aufschwung robuster als seine Vorgänger
17.10.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Positiv für die Volkswirtschaft: Die Zahl der Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen steigt weiter
12.10.2017 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie