Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutliches West-Ost-Gefälle bei Unternehmungsgründungen

05.12.2001


Start-Ups nicht repräsentativ


Bei den Gründungsaktivitäten besteht ein deutliches Gefällen zwischen West- und Ostdeutschland. Dabei zeigt sich, dass im Osten Deutschlands die Gründungsquote nicht nur geringer ist; vielmehr ist auch das dortige Gründungsklima ein wichtiger Erklärungsfaktor für das niedrige Niveau der Gründungsaktivitäten. Beispielsweise glauben deutlich weniger Personen in Ostdeutschland, dass sich in den nächsten sechs Monaten gute Gelegenheiten für eine Unternehmungsgründung ergeben. Zu diesen Ergebnissen gelangt eine Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialgeographischen Instituts der Universität zu Köln unter der Leitung von Professor Dr. Rolf Sternberg.

Ähnlich stellt sich die Situation dar, wenn die Beurteilung von Gründungschancen nach Bundesländern betrachtet wird. Hierbei belegt das Saarland die Spitzenposition, gefolgt von Hamburg und Schleswig Holstein. Nordrhein-Westfalen ist erst auf dem siebten Platz hinter Baden Württemberg und Bayern zu finden. Die ostdeutschen Staaten nehmen durchweg die letzten Plätze ein.


Die Angst zu scheitern ist eine der Gründe dafür, dass in Deutschland weit weniger Unternehmen gegründet werden, als in anderen Industrieländern. Auch wenn die Gründungsaktivitäten in Deutschland seit dem Jahr 2000, parallel zum Niedergang der New Economy in Deutschland, rückläufig sind, sind die typischen New-Economy-Start-Ups nicht repräsentativ für das Deutsche Gründungsgeschehen.

Während in Deutschland mehr als 50 Prozent der Bevölkerung die Gründung eines eigenen Unternehmens aus Angst vor dem Scheitern erst gar nicht in Betracht zieht, liegt dieser Prozentsatz in den übrigen westeuropäischen Industriestaaten nur bei ca. 35 Prozent, in den USA sind es sogar nur ca. 20 Prozent. Zu diesem Ergebnis passt, dass in Deutschland der Anteil derjenigen, die ein Unternehmen gründen, weil sie über keine Erwerbsalternative verfügen, weit höher ist, als in den anderen westeuropäischen Industriestaaten und in den USA. So kommen in Deutschland auf einen "Notgründer" lediglich 2,6 Gründer, die eine Geschäftsidee ausnutzen möchten. Die entsprechende Relation liegt in Westeuropa bei 1:5,3 und erreicht in den USA den Wert 1:8,3.

Auffallend ist auch, dass in Deutschland etwas mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen als Gründer aktiv werden. Das weibliche Gründerpotenzial ist nach Auffassung der Kölner Wirtschaftsgeographen bei weitem nicht ausgeschöpft. Im internationalen Vergleich ist der Anteil der Gründerinnen vor allem in den Ländern hoch, die gründungsaktiver sind.

Positiv bewerten die Kölner Wirtschaftsgeographen insbesonders die Finanzbedingungen sowie die physische Infrastruktur für Gründer. So bekommen öffentliche Förderprogramme in Deutschland eine bessere Bewertung als in anderen Industriestaaten. Deutlich schlechter schneidet Deutschland dagegen bei gründungsbezogenen Aus- und Weiterbildungsaktivitäten ab. Auch zeigt sich, dass die gesellschaftliche Bewertung von Selbständigkeit, Eigeninitiative und Unternehmertum in Deutschland deutlich ausgeprägt ist, als in den anderen westlichen Industriestaaten. Demgegenüber bewerten die Kölner Wirtschaftsgeographen die Gründungsförderungspolitik in Deutschland als hervorragend. Sie nimmt Platz eins unter den 26 untersuchten Staaten ein.

Nach Auffassung der Kölner Wirtschaftsgeographen können die Gründungsaktivitäten in Deutschland nur durch Verbesserung der Rahmenbedingungen nachhaltig erhöht werden. Der New-Economy-Boom der vergangenen Jahre hat nach ihrer Auffassung ein positives Unternehmer- und Gründerimage verfestigt und gleichzeitig den Attraktivitätsgewinn der Selbständigkeit als Alternative zur abhängigen Beschäftigung verdeutlicht. Diese positiven Effekte des New-Economy-Booms sollten Politik und Unternehmen nach Auffassung der Kölner Wirtschaftsgeographen nutzen, um langfristig ein gründungsfreundliches Klima in Deutschland zu schaffen.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Professor Dr. Rolf Sternberg unter der Telefonnummer 0221/470-2372, der Fax-Nummer 0221/470-5009 und unter der E-Mail-Adresse agj05@uni-koeln.de zur Verfügung.

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index tritt auf der Stelle
24.11.2016 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Lemgoer Wissenschaftler wollen smarte Banknote realisieren
08.11.2016 | Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie