Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Zinsbereinigte Gewinnsteuer" als Unternehmensteuer der Zukunft

07.02.2006


Mit der "Zinsbereinigten Gewinnsteuer" präsentieren der Heidelberger Steuerkreis und das RWI Essen ein alternatives Modell zur Unternehmensbesteuerung. Grundidee ist es, Unternehmensgewinne über die Zeit nur einmalig zu belasten, um die derzeit bestehende Mehrfachbelastung - Kernproblem des deutschen Steuersystems - zu beseitigen. Das Konzept ließe sich schrittweise umsetzen, so dass abrupte Veränderungen im Steuerrecht und im Steueraufkommen vermieden werden könnten. Dabei könnte das Reformtempo je nach Steueraufkommen angepasst werden.



In jüngster Zeit sind insbesondere zwei Konzepte in die öffentliche Diskussion getreten, das einer "Allgemeinen Unternehmensteuer" der Stiftung Marktwirtschaft und das der "Dualen Einkommensteuer" des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Der "Heidelberger Steuerkreis" der Alfred Weber-Gesellschaft und das RWI Essen präsentieren mit der "Zinsbereinigten Gewinnsteuer" eine Alternative zu diesen Vorschlägen, die relativ kurzfristig und ohne allzu großen administrativen Aufwand umgesetzt werden könnte. Diese soll der Einstieg zu einer umfassenden Steuerreform sein.



Heidelberger Steuerkreis und RWI Essen teilen die weitgehend anerkannten grundlegenden Ziele, die eine Reform der Unternehmensbesteuerung verwirklichen sollte: Die Steuer sollte einfach zu erheben, fair in der Verteilung von Lasten, neutral hinsichtlich der Rechtsform eines Unternehmens und hinsichtlich der Investitions- und Finanzierungsentscheidung sein sowie dazu beitragen, dass Deutschland mehr binnenwirtschaftliche Dynamik entwickelt und als Investitionsstandort international wettbewerbsfähiger wird.

Gewinne und Einkommen werden steuerlich nur einmal belastet

Die zugrunde liegenden Vorstellungen von "Fairness" und "Effizienz" der Besteuerung unterscheiden sich dabei deutlich von den anderen Konzepten: Leitbild der jährlichen Besteuerung des Einkommens ist es, die Leistungsfähigkeit von Bürgern über deren gesamte Lebenszeit zu erfassen. Im derzeitigen System wird Leistungsfähigkeit auch durch die zeitliche Verwendung von Einkommen und Gewinn bestimmt. Investitionen und Sparen werden auf diese Weise diskriminiert. Daran wollen die Stiftung Marktwirtschaft und der Sachverständigenrat im Prinzip nichts ändern. Im Konzept der Zinsbereinigten Gewinnsteuer, das sich an der Einfachsteuer des Heidelberger Steuerkreises orientiert, ist die Bemessungsgrundlage der Gewinn- und Einkommensbesteuerung aber so definiert, dass eine steuerliche Mehrfachbelastung - Kernproblem des deutschen Steuersystems - vermieden wird.

Hierzu ist keine Revolution des Steuerrechts nötig. Vielmehr wird die im gegenwärtigen Steuerrecht bereits teilweise verwirklichte Besteuerung des Lebenseinkommens konsequent weitergeführt. Technisch wird dies dadurch umgesetzt, dass Unternehmensgewinne "zinsbereinigt" besteuert werden: Bei der Definition der Bemessungsgrundlage der Gewinnsteuer wird eine marktübliche Verzinsung des Eigenkapitals abgezogen. Langfristig soll im übrigen auch bei der Einkommensteuer eine marktübliche Verzinsung bei Erträgen aus einem verzinslich angelegten Sparkapital abzugsfähig sein. Alle darüber liegenden Renditen werden voll besteuert. Neben den gesetzlichen sollen die freiwillig angesparten Renten verstärkt nachgelagert besteuert werden. Die hier angewandte Methode der Sparbereinigung garantiert - wie die Zinsbereinigung - die Einmalbelastung von Markteinkünften in lebenszeitlicher Sicht. Die Besteuerung persönlicher Einkommen und der Unternehmensgewinne wird damit zu einem vollständig aufeinander abgestimmten System, was auch unter dem Gesichtspunkt der Kosten der Steuerhebung nur zu begrüßen wäre.

Einführung von "Durchreichgesellschaften"

Der Weg vom theoretischen Konzept zur praktischen Umsetzung ist entscheidend für jede Reform. Eine wesentliche Herausforderung ist im vorliegenden Fall die gleichmäßige Belastung der Unternehmensgewinne. Letztendlich wird die Steuerlast immer von natürlichen Personen getragen, entweder direkt oder als Anteilseigner der besteuerten Unternehmen. Eine Besteuerung von Unternehmen, die diese grundsätzliche Erkenntnis nicht berücksichtigt, verzerrt die Wahl der Rechts- und Finanzierungsform von Unternehmen. Die Einfachsteuer löst dieses Problem weitgehend durch die neuartige Konstruktion so genannter "Durchreichgesellschaften", mit denen nicht nur wie bisher die Gewinne der Personengesellschaften, sondern auch die Gewinne kleiner Kapitalgesellschaften direkt den Gesellschaftern zugerechnet werden.

Deutschland würde ein attraktiverer Standort für Investitionen

Die Reform der Unternehmensteuer muss bei gleichzeitiger Konsolidierung öffentlicher Haushalte erfolgen. Allerdings kann sie nur dann einen Wachstumsschub induzieren, wenn Unternehmen netto entlastet werden. Eine entsprechende "Gegenfinanzierung" sollte durch weitere Reduzierungen der Staatsausgaben möglich sein. Noch nicht umgesetzte Maßnahmen der "Koch-Steinbrück-Liste" zum Abbau von Subventionen in Deutschland können hierfür die Grundlage sein.

Mit der hier vorgeschlagenen marktorientierten Form der Unternehmensbesteuerung dürfte Deutschlands Attraktivität als Investitionsstandort steigen. Zunächst hätte Deutschland dann gemeinsam mit Belgien, das ab 2007 eine zinsbereinigte Körperschaftsteuer einführt, die niedrigste Steuerbelastung in Europa.

Ihre Ansprechpartner dazu:

Prof. Dr. Manfred Rose, Heidelberger Steuerkreis Tel.: (06221) 54 50 91
Prof. Dr. Hans-Georg Petersen, Heidelberger Steuerkreis Tel.: (0331) 977 33 94
Dr. Rainer Kambeck, RWI Essen Tel.: (0201) 81 49-235
Sabine Weiler (Pressestelle RWI Essen) Tel.: (0201) 81 49-213

Joachim Schmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de
http://www.rwi-essen.de/presse

Weitere Berichte zu: Gewinnsteuer RWI Unternehmensgewinn Unternehmensteuer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitslosigkeit sinkt verhaltener
27.07.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet
20.07.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie