Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäische Unternehmen sind deutlich effektiver als amerikanische

13.12.2005


Schweiz hat die besten Organisationsstrukturen / Deutschland gehört in Europa zu den Schlusslichtern / Weltweit überrascht China mit hohem Anteil gut organisierter Unternehmen / Japan ist am schlechtesten aufgestellt

Weltweit leiden insgesamt 54% der Unternehmen unter beachtlichen organisatorischen Funktionsstörungen. Dies ist das Ergebnis der zweiten OrgDNA-Umfrage der internationalen Strategie- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton, untersucht wurden dabei 50.000 Online-Profile von Unternehmen aus 24 Branchen und 100 Ländern. Bewertungskriterien sind Struktur, Informationsfluss, Verteilung und Abgrenzung von Entscheidungskompetenzen sowie Motivatoren für die Mitarbeiter. Zwischen einzelnen Unternehmensgruppen, Industrien sowie Ländern und Regionen lassen sich deutliche Unterschiede erkennen.

Gesunde Organisationsstruktur als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor Nur 31% der befragten Firmen weltweit weisen eine gesunde Organisationsstruktur auf: Diese Unternehmen reagieren schnell auf Marktveränderungen, treffen rasch Entscheidungen und setzen diese auch um. "Das zahlt sich aus. Gesunde Unternehmen weisen im Vergleich zu ungesunden doppelt so oft eine höhere Profitabilität aus als der Branchendurchschnitt", erklärt Dr. Irmgard Heinz, Geschäftsführerin von Booz Allen Hamilton. Aufgrund guter Organisationsstrukturen sind die Verantwortlichkeiten in den gesunden Unternehmen genau definiert. So geben hier 78% der Mitarbeiter an, dass in ihrer Organisation jeder genau weiß, wofür er zuständig ist. In schlecht organisierten Firmen sind das nur 23%. Dort gehen auch 77% der Befragten davon aus, dass Entscheidungen rückwirkend in Frage gestellt werden. Ein weiteres Ergebnis: Große Unternehmen mit Umsätzen über 10 Mrd. US-Dollar verfügen zu 73% über schwache Organisationsstrukturen. Bei kleinen Unternehmen (bis zu 500 Mio. US-Dollar Jahresumsatz) weisen hingegen nur 59% ungesunde Strukturen auf.

Deutschland ist mit 57% ungesunden Strukturen neben den Niederlanden (62%) und UK (64%) das Schlusslicht innerhalb Europas. Insbesondere bei den Motivatoren hat Deutschland einen großen Nachholbedarf. Die Schweiz ist am besten aufgestellt (64% gesunde Organisationsstrukturen), es folgen Italien (55%), Finnland (46%), Frankreich (45%) und Schweden (44%). Kennzeichnend für das gute Abschneiden der Schweiz ist, dass dort klare Zuständigkeiten bestehen, Informationsflüsse klar vordefiniert sind und somit Strategien schnell umgesetzt werden können. Insgesamt schneidet jedes europäische Land besser ab als die USA (33% gesund). Heinz: "Die Mitarbeiter von US-Firmen kritisieren, dass zu viele Manager nur an die nächsten Quartalszahlen und eigene Zielvereinbarungen denken und keine Langfristplanung betreiben."

"Vitales" China, "kränkelndes" Japan

Das aufstrebende China schneidet gegenläufig zum Welttrend ab: Mehr als die Hälfte (54%) aller dort befragten Unternehmen verfügt über eine gesunde Organisationsstruktur - hingegen nur 19% der japanischen Firmen, die in der Untersuchung Berücksichtigung fanden. Chinas gutes Ergebnis geht unter anderem darauf zurück, dass es einen überdurchschnittlich hohen Anteil an jungen Unternehmen gibt. Diese sind kleiner und dynamischer, außerdem werden Entscheidungen schneller getroffen als bei sehr großen oder älteren Organisationen. Japan hingegen weist im weltweiten Vergleich das schlechteste Ergebnis dieser Untersuchung auf. Die Gründe für das negative Abschneiden der japanischen Unternehmen sehen Experten einerseits in starren Strukturen und hierarchischem Denken, andererseits im Personalabbau zu Zeiten der Wirtschaftskrise.

Immobiliensektor am gesündesten - Energiekonzerne sind schlecht aufgestellt

Auch in den einzelnen Branchen lassen sich Unterschiede erkennen. Die Versorgerindustrie weist beispielsweise den größten Anteil schwacher Organisationstypen aus (gesund: 24%), gefolgt von Gesundheitswesen (30%), Investitionsgüterindustrie (31%) und der Hardware-Branche (32%). Oftmals ist dies eine Folge der langjährigen Regulierung, die mangels Marktdrucks zur Entwicklung großer Verwaltungsapparate und wenig optimaler Prozesse geführt hat. Am besten schnitten hingegen der Immobiliensektor (45%), Industrie-Dienstleistungen und Nahrungs- und Genussmittel sowie der Handel ab (jeweils 42%). Aufgrund des großen Margendrucks mussten sich viele Unternehmen in den letzten Jahren in einem schwierigen Markt behaupten und haben ihre Lektion in Sachen effizienter Organisation gelernt.

Rosarote Brille im Top-Management

Gravierende Unterschiede gibt es auch in der Einschätzung des Status quo innerhalb der verschiedenen Unternehmensebenen. Insgesamt sehen 54% der Senior Manager ihre Unternehmen als organisationsstark an, während dies nur 33% des mittleren Managements und rund 30% der übrigen Mitarbeiter tun. Vor allem Führungskräfte beurteilen die Situation oft positiver, als sie tatsächlich ist, da sie zu weit vom operativen Geschäft entfernt sind. Wie die Untersuchung darüber hinaus zeigt, ist in gesunden Unternehmen der Informationsfluss deutlich besser (61%), Mitarbeiter fühlen sich in Entscheidungen einbezogen, während nur 16% in ineffektiven Unternehmen glauben, dass offen kommuniziert wird. Dies wiederum hat auch Auswirkungen auf die Außendarstellung: Eine gesunde Struktur schützt 78% der Firmen davor, widersprüchliche Nachrichten am Markt zu platzieren.

OrgDNA Profiler - die Methodik

Für die Auswertung, die Aufschluss über die Grundausrichtung und die organisatorische Effizienz von Unternehmen gibt, wurden 50.000 Unternehmensprofile aus 23 Branchen und rund 100 Ländern berücksichtigt. Der für die Umfrage verwendete OrgDNA ProfilerSM analysiert Struktur, Entscheidungswege, Motivatoren und Informationsflüsse eines Unternehmens durch die Online-Befragung von Personen, die bestimmte organisatorische Funktionen ausüben. Die Unternehmen werden anhand der Ergebnisse sieben Profilen zugeordnet.

Sabine Bayer | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.boozallen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr nahe Null
18.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht WSI-Tarifarchiv: Tariflöhne und -gehälter 2016: Reale Steigerungen von 1,9 Prozent
05.01.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise