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Aktienmarkt: US-Konjunkturskepsis bleibt virulent

04.09.2001


An den Aktienbörsen rund um den Globus herrscht anhaltende Baissestimmung. Negative Unternehmens- und Konjunkturmeldungen setzen die Märkte sporadisch immer wieder unter Druck. Monetäre Erleichterungen wie zuletzt die der amerikanischen Notenbank vom 21. August oder der EZB vom 30. August werden zwar sehnlichst erwartet, zündende Impulse gehen davon aber nicht aus. Nach den massiven Satzreduktionen der Fed von insgesamt 3 Prozentpunkten seit Jahresbeginn wollen die Investoren nun endlich überzeugende positive Signale in der US-Realwirtschaft sehen. Vorerst bleiben die transatlantischen Rezessionsängste allerdings virulent, so dass eine durchgreifende Klimabesserung an den internationalen Börsen weiter in die Zukunft zu vertagen ist.

Geschürt hat die neuerlich wieder verstärkte Skepsis nicht zuletzt Notenbankchef Alan Greenspan, der anlässlich der letzten Leitzinssenkung explizit auf bestehende wirtschaftliche Abwärtsrisiken hinwies. Mit Erleichterung wurde zwar zur Kenntnis genommen, dass im zweiten Quartal ein Abgleiten in die Rezession vermieden werden konnte (BIP-Wachstum hochgerechnet auf das Gesamtjahr plus 0,2 nach plus 1,3 Prozent im ersten Vierteljahr), ein rascher Aufschwung scheint jedoch äußerst unwahrscheinlich. Schwachpunkt bleibt die vermutlich andauernde gedämpfte Investitionsneigung nach dem vorangegangenen exzessiven Kapazitätsaufbau vor allem im Technologiesektor. Zudem hat der unerwartete Rückgang des US-Verbrauchervertrauens im August auf 114,3 nach revidiert 116,3 Indexpunkten Befürchtungen aufkommen lassen, nun gerate auch der private Konsum als letzter Stützpfeiler der Konjunktur angesichts steigender Erwerbslosenquoten doch noch ins Wanken.

In Europa verschlechtert der deutlich länger als ursprünglich prognostiziert währende transatlantische Anpassungsprozess die Chancen für eine baldige wirtschaftliche Erholung. Gleichwohl zeigten die in Deutschland zuletzt veröffentlichten Daten einige Hoffnungsschimmer. Im zweiten Quartal hat das Wachstum gegenüber dem Vorquartal zwar stagniert (plus 0,6 Prozent im Jahresabstand), mit plus 1,0 Prozent entwickelte sich der private Verbrauch jedoch wesentlich günstiger als bislang vermutet. Offensichtlich findet die Steuerreform doch positiven Niederschlag. Dieser Effekt könnte sich im weiteren Jahresverlauf im Zuge niedrigerer Inflationsraten noch verstärken. Erste Lichtblicke lieferte auch der Ifo-Geschäftsklimaindex für Westdeutschland im Juli. Er legte überraschend von 89,5 auf 89,8 Punkte zu, wobei die Verbesserung einzig der gestiegenen Erwartungskomponente (plus 1,4 auf 95,0 Punkte) zu verdanken war. Allerdings ist es viel zu früh, dies schon als konjunkturelle Wende zu interpretieren. Am deutschen Aktienmarkt sollten sich die Anleger per saldo auf eine nervöse Seitwärtsbewegung bis in den Spätherbst hinein einstellen.

Hans Beth | otw

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