Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Standort Indien hat großes Potenzial - Infrastruktur derzeit aber noch Investitionsbremse

01.08.2005


Ein heute von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG vorgelegter Bericht zeigt, dass Indien als Standort für ausländische Investoren immer attraktiver wird. Dringend notwendig sind aber Verbesserungen im Bereich der Infrastruktur.


KPMG-Partner Stephan Kinne, Leiter des neu aufgebauten India Desk bei KPMG in Deutschland: „Die Kritik der befragten Unternehmen am Zustand der Straßen, Häfen und Vertriebsnetze ist groß. Für ausländische Investoren ist die Infrastruktur heute noch eine Investitionsbremse. Hier muss mit mehr Tempo auf eine rasche Verbesserung hingearbeitet werden.“ Vor allem die unzuverlässige Stromversorgung gibt immer wieder Anlass zu Kritik. Kinne: „Im Durchschnitt kommt es in Indien pro Monat zu 17 größeren Stromausfällen, mehr als dreimal so oft wie in China – obwohl die Kilowattstunde in Indien drei US-Cent teurer ist.“

Der Verfall der Schienenwege hat dazu geführt, dass Firmen den Transport von Gütern auf die Straße verlegt haben. „Das Straßennetz gewinnt zunehmend an Bedeutung“, bestätigt Indranil Chowdhury, CFO von Volvo Indien. Ein weiteres Problem sind die Transportverzögerungen durch die Zollabwicklung. Kinne: „Unternehmen aus nahezu allen Regionen berichten von erheblichen Transportverzögerungen durch die Zollabwicklung – in Karnataka dauert es durchschnittlich sieben Tage, in Delhi sogar über neun Tage.“


Dagegen schneidet Indien im Hinblick auf Bildungsniveau, Rechtssystem und Unternehmensvorschriften gut ab. Auch gibt es deutlich weniger Klagen über Korruption als in anderen aufstrebenden Volkswirtschaften. Und beim Abbau von Bürokratie wurden bemerkenswerte Fortschritte erzielt. Außerdem unterstreicht der Bericht den demografischen Vorteil: Die indische Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird, anders als in China, mindestens in den nächsten beiden Jahrzehnten weiter wachsen.

Attraktiv ist auch die steigende Zahl wohlhabender indischer Konsumenten mit höherem verfügbarem Einkommen. Jüngste Erhebungen zeigen, dass es bis zum Ende des Haushaltsjahrs 2005/06 schätzungsweise sechs Millionen Hauhalte geben wird, die als „reich“ eingestuft werden (Einkommen von mehr als 215.000 Rupien); dies ist eine Verdoppelung im Vergleich zum Jahr 2000.

Auch im Hinblick auf die von den Unternehmen erzielten Kapitalrenditen steht Indien gut da: Der Verband der indischen Industrie berechnet die Durchschnittsrendite auf 19 Prozent, verglichen mit 14 Prozent für China. Die höhere Rendite ist auf die höhere Wertschöpfung der Produktionsinvestitionen, die Indien anzieht, zurückzuführen.

Die Unternehmenssteuern wurden in den letzten Jahren deutlich reduziert. Der Höchststeuersatz fiel von 48 Prozent auf 35 Prozent. Die indirekten Steuern, die zum Teil von Bundesstaat zu Bundesstaat noch stark variieren, sollen nach dem Willen der Zentralregierung mit der Einführung von zwei Mehrwertsteuersätzen (4 und 12,5 Prozent) vereinheitlicht werden. 20 der 29 Bundesstaaten haben sich bereits bis April 2005 dem neuen Mehrwertsteuersystem angeschlossen, dadurch können Betriebskosten erheblich reduziert werden.

„Ein Vorteil für potenzielle Investoren liegt in den großzügigen Steuervergünstigungen, die oft auch aus dem bestehenden Wettbewerb zwischen den einzelnen Bundesstaaten resultieren“, so Kinne. Zu den möglichen Steuervergünstigungen für die Industrie zählen: zeitlich begrenzte Steuerfreiheit, 100%iger Abzug von Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sowie Kapitalkosten, höhere Abschreibungsraten und Befreiung bzw. Stundung der staatlichen Umsatzsteuer.

Kinne: „Indien erlebt eine enorme wirtschaftliche Dynamik. Für ausländische Investoren ist dieser Standort auch deshalb interessant, weil es hier genügend qualifizierte Arbeitskräfte gibt und die rechtlichen Rahmenbedingungen wie etwa der Schutz des geistigen Eigentums vergleichsweise gut sind. Wenn die noch bestehenden Mängel in der Infrastruktur rasch beseitigt werden, hat Indien gute Chancen, aus dem Schatten Chinas herauszutreten und für ausländische Investoren eine attraktive Alternative zu werden.“

Ute-Matianne Koglin | KPMG-Pressestelle
Weitere Informationen:
http://www.kpmg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt niedrig
19.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten