Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Brauchen wir überhaupt einen modernen Staat?

01.08.2001


Kanzlerberater und Wissenschaftler skizzieren die elektronische Zukunft eines modernen Deutschlands

Würde man den Staat Bundesrepublik wie ein Unternehmen führen, wäre es in vielen Bereichen nicht geschäftsfähig bzw. konkursanfällig. Haushaltssperren, Erhöhung der Dienstleistungsqualität und fehlendes qualifiziertes Personal sind nur einige der derzeitigen Probleme. Hoffnungen kommen jetzt durch die neuen Internettechnologien bei der Verwaltungsmodernisierung auf: "Electronic Government", so die Bezeichnung dieser neuen Entwicklung. Electronic Government, d.h. z.B. Virtuelle Rathäuser für bessere und schnellere Dienstleistungen, elektronische Wahlen für eine direktere Demokratie oder auch die elektronische Beschaffung für die Sanierung der Haushalte.
Doch auch bei der Modernisierung ist Deutschland im internationalen Vergleich weit abgeschlagen. Zu dieser Feststellung gelangen die Wissenschaftler der Universität Witten/Herdecke, Stephan A. Jansen und Birger P. Priddat, in ihrem gerade veröffentlichten Buch "Electronic Government - Neue Potentiale für einen modernen Staat": Länder wie Singapur und Kanada, aber auch unsere europäischen Nachbarn Italien, Dänemark und vor allem England haben bereits einen Vorsprung von gut zwei bis drei Jahren. In der Verwaltung kein nennenswerter Zeitraum - im Internet eine Ewigkeit. Ein weiteres Ergebnis dieser ersten umfassenden Untersuchung: Deutschland ist ein Projekt der Piloten - nahezu ohne Passagiere. Überall entstehen Einzellösungen, die hinterher nicht verwendbar bzw. vernetzbar sind. Schätzungen zu folge, werden in den kommenden Jahren allein in den Kommunen 23 Mrd. DM für Electronic Government-Anwendungen ausgegeben. Im internationalen Vergleich ein unvergleichlich hoher Betrag.
Die beiden Autoren prognostizieren, künftig werde "die Politik vermehrt mit privaten Organisationen kooperieren, weil ihre eigene Verwaltung einzusetzen zu riskant" sei. Denn wenn politische Entscheidungen erfolgreich umgesetzt werden sollen, würde am "public private partnership" kein Weg vorbeiführen. Wo der politische Erfolg durch eine behäbige Verwaltungsnormalität gefährdet werde, müssten sich die Staatslenker fragen, ob es nicht sinnvoller sei, ihre Politik durch privatwirtschaftliche Institutionen realisieren zu lassen. "Die gesamte Wertschöpfungskette vom Entstehen eines Bürgerbedürfnisses bis hin zu seiner Befriedigung" müsse optimiert werden. Das eGovernment kann bei einer intelligenten Kooperation von Privatwirtschaft und Verwaltung eine "ökonomische Dimension" erfahren, so sind die Autoren überzeugt.
Vor dem Hintergrund stellen der Kanzlerberater Priddat und der Gründungsgesellschafter der ersten spezialisierten Electronic Government-Firma, Cosinex, die provokante Frage: Wollen wir Bürger überhaupt einen modernen und effizienten Staat, wenn die Kosten dafür höher und die Geschwindigkeit niedriger ist als zuvor? Ihr Buch gibt erste Antworten.
Jansen und Priddat nennen konkrete Beispiele für ihre Theorien: Die amerikanische Regierung machte im ersten Quartal des Jahres erstmalig mehr Umsatz als Amazon im Internet. In Deutschland werden jährlich knapp 500 Mrd. DM für Güter und Dienstleistungen ausgegeben, die der Staat einkauft. Allerdings trotz aller Vorteile und Kostensenkungen noch immer nicht elektronisch - im Gegensatz zu England oder Frankreich. Ein anderes Beispiel sind virtuelle Rathäuser: "Wenn anstelle der Bürger Bits zwischen den Ämtern rennen, wäre es uninteressant, ob sich in jeder Kommune eine KfZ-Zulassungsstelle vor Ort befindet". Aber hier wird eine für die Verhältnisse der öffentlichen Hand ungeheure organisationale Veränderung notwendig - die Technologie ist dabei nicht die Restriktion. Vielmehr der Bürger, der mit durchschnittlich 2,1 Amtsgängen im Jahr kaum motiviert ist komplizierte und teure Technologien und digitale Signaturen einzusetzen.

Das Buch "Electronic Government - Neue Potenziale für einen modernen Staat" von Stephan A. Jansen und Birger P. Priddat ist im Verlag Klett-Cotta erschienen und kostet 39,50 DM. ISBN 3-608-94026-X

Kontakt:
Stephan A. Jansen und Birger P. Priddat
Forschungsgruppe "Electronic Government"
Universität Witten/Herdecke
Alfred-Herrhausen-Str. 50
58448 Witten
Telefon: 02302-926-521
Telefax: 02302-926-512
E-Mail: sjansen@uni-wh.com

Christiane Bensch | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Wie Blockchain die Finanzwelt verändert
28.09.2016 | HHL Leipzig Graduate School of Management

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: weiterhin positiver Ausblick
27.09.2016 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der perfekte Sonnensturm

Ein geomagnetischer Sturm hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Jahrzehnte rätselte die Forschung, wie hoch energetische Partikel, die auf die Magnetosphäre der Erde treffen, wieder verschwinden. Jetzt hat Yuri Shprits vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ und der Universität Potsdam mit einem internationalen Team eine Erklärung gefunden: Entscheidend für den Verlust an Teilchen ist, wie schnell die Partikel sind. Shprits: „Das hilft uns auch, Prozesse auf der Sonne, auf anderen Planeten und sogar in fernen Galaxien zu verstehen.“ Er fügt hinzu: „Die Studie wird uns überdies helfen, das ‚Weltraumwetter‘ besser vorherzusagen und damit wertvolle Satelliten zu schützen.“

Ein geomagnetischer Sturm am 17. Januar 2013 hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Der Sonnensturm ermöglichte einzigartige Beobachtungen, die...

Im Focus: New welding process joins dissimilar sheets better

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of light metals.
Scientists at the University of Stuttgart have now developed two new process variants that will considerably expand the areas of application for friction stir welding.
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH supports the University of Stuttgart in patenting and marketing its innovations.

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of...

Im Focus: Neuer Schalter entscheidet zwischen Reparatur und Zelltod

Eine der wichtigsten Entscheidungen, die eine Zelle zu treffen hat, ist eine Frage von Leben und Tod: kann ein Schaden repariert werden oder ist es sinnvoller zellulären Selbstmord zu begehen um weitere Schädigung zu verhindern? In einer Kaskade eines bisher wenig verstandenen Signalweges konnten Forscher des Exzellenzclusters für Alternsforschung CECAD an der Universität zu Köln ein Protein identifizieren (UFD-2), das eine Schlüsselrolle in dem Prozess einnimmt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Structural & Molecular Biology veröffentlicht.

Die genetische Information einer jeden Zelle liegt in ihrer Sequenz der DNA-Doppelhelix. Doppelstrangbrüche der DNA, die durch Strahlung hervorgerufen werden...

Im Focus: Forscher entwickeln quantenphotonischen Schaltkreis mit elektrischer Lichtquelle

Optische Quantenrechner könnten die Computertechnologie revolutionieren. Forschern um Wolfram Pernice von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie Ralph Krupke, Manfred Kappes und Carsten Rockstuhl vom Karlsruher Institut für Technologie ist es nun gelungen, einen quantenoptischen Versuchsaufbau auf einem Chip zu platzieren. Damit haben sie eine Voraussetzung erfüllt, um photonische Schaltkreise für optische Quantencomputer nutzbar machen zu können.

Ob für eine abhörsichere Datenverschlüsselung, die ultraschnelle Berechnung riesiger Datenmengen oder die sogenannte Quantensimulation, mit der hochkomplexe...

Im Focus: First quantum photonic circuit with electrically driven light source

Optical quantum computers can revolutionize computer technology. A team of researchers led by scientists from Münster University and KIT now succeeded in putting a quantum optical experimental set-up onto a chip. In doing so, they have met one of the requirements for making it possible to use photonic circuits for optical quantum computers.

Optical quantum computers are what people are pinning their hopes on for tomorrow’s computer technology – whether for tap-proof data encryption, ultrafast...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

EEHE 2017 – Strom statt Benzin. Experten diskutieren die Umsetzung neuester Fahrzeugkonzepte. Call vor Papers endet am 31.10.2016!

28.09.2016 | Veranstaltungen

Folgenschwere Luftverschmutzung: Forum zur Chemie der Atmosphäre

28.09.2016 | Veranstaltungen

European Health Forum Gastein 2016 beginnt

28.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EEHE 2017 – Strom statt Benzin. Experten diskutieren die Umsetzung neuester Fahrzeugkonzepte. Call vor Papers endet am 31.10.2016!

28.09.2016 | Veranstaltungsnachrichten

Wie Blockchain die Finanzwelt verändert

28.09.2016 | Wirtschaft Finanzen

Neue Plasmaanlage - Präzise und hoch entwickelte Chips

28.09.2016 | Physik Astronomie