Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wirtschaft ist auf alternde Belegschaften noch nicht eingestellt

02.03.2005


Institut Arbeit und Technik untersuchte die Beschäftigung Älterer in deutschen Betrieben



Die meisten Betriebe in Deutschland sind bislang weder bereit noch in der Lage, sich auf das Altern der Gesellschaft und ihrer Belegschaften einzustellen. Personalpolitische Strategien für Älteren - von Altersteilzeit über die Gestaltung der Arbeitsplätze und -abläufe bis zur Weiterbildung - sind überwiegend nicht existent. "Ursache dafür ist in der Mehrzahl der Betriebe nicht einmal eine Diskriminierung Älterer, sondern einfach Unwissenheit", stellt der Arbeitsmarktforscher Dr. Martin Brussig vom Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) fest. Den Betrieben bleibt heute die Wahl, sich an die Alterung des Erwerbspotenzials anzupassen und ältere Arbeitskräfte im Betrieb zu "pflegen" und neu einzustellen, oder sich vom demographischen Wandel abzukoppeln und künftig verstärkt um knapper werdende junge Arbeitskräfte zu konkurrieren.

... mehr zu:
»IAB-Betriebspanel


Das geht aus dem soeben erschienenen Altersübergangs-Report hervor, der die Beschäftigung Älterer im Lichte des IAB-Betriebspanels 2002 untersucht. Die Online-Publikationsreihe veröffentlicht in unregelmäßiger Folge Ergebnisse des Projektes "Altersübergangsmonitor", das die Hans-Böckler-Stiftung seit 2003 fördert und das vom IAT durchgeführt wird.

Die Betriebe beurteilen ältere Beschäftigte (ab 50 Jahre) sehr unterschiedlich: Einerseits schätzen die Personalchefs die Leistungsfähigkeit ihrer - schon beschäftigten - älteren Mitarbeiter, insbesondere deren Erfahrungswissen, andererseits ist ca. die Hälfte der Betriebe grundsätzlich nicht oder nur unter Bedingungen bereit, ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer neu einzustellen. Über die Hälfte aller Betriebe (54%) gab im IAB-Betriebspanel 2002 an, dass sie bereit seien, Ältere ohne Bedingungen einzustellen. Aber immerhin 15% aller Betriebe erklärten sich "grundsätzlich nicht" zur Einstellung Älterer bereit (immer noch 10% aller Betriebe ab 20 Mitarbeiter). Ein weiteres knappes Drittel (31% aller Betriebe) knüpfte an die Einstellung Älterer Bedingungen, von denen die wichtigsten waren, dass Beihilfen wie z.B. Eingliederungszuschüsse gezahlt werden (beispielsweise aus Mitteln der Arbeitsmarktpolitik oder von Kranken- bzw. Rentenversicherungen) und dass es keine jüngeren Bewerber gibt.

Das Angebot an personalpolitischen Maßnahmen speziell für Ältere hängt primär von der Betriebsgröße ab. Je größer ein Betrieb, desto mehr derartige Maßnahmen gibt es. Aber auch der Anteil Älterer an der Belegschaft spielt eine Rolle, denn Maßnahmen für Ältere haben wenig Sinn in Betrieben, in denen es wenig Ältere gibt. Rund 860 000 Betriebe bzw. 40,7 Prozent beschäftigen gar keine Älteren, wobei es sich bei diesen allerdings überwiegend um sehr kleine und kleine Betriebe handelt. Ab einer Größe von 50 Mitarbeitern hat die Mehrheit der Betriebe einen Anteil älterer Mitarbeiter, der zwischen 10 und 30 Prozent liegt und damit ihrem Anteil an der erwerbstätigen Bevölkerung von ca. 25% weitgehend entspricht.

Personalwirtschaftliche und arbeitsmarktpolitische Initiativen, die die Beschäftigung Älterer verbessern, sollten in zwei Richtungen zielen: die Erwerbstätigkeit im Betrieb zu verlängern und den Eintritt in ein Beschäftigungsverhältnis auch im höheren Erwerbsalter zu unterstützen. Es kann nicht allein darauf ankommen, die Verbleibsmöglichkeiten im Betrieb für die Älteren zu verbessern - durch betriebliche Gesundheitspolitik, Arbeitsorganisation und Weiterbildung über alle Lebensarbeitsphasen hinweg -, damit sie die zusätzliche Zeit bis zum Erreichen der angehobenen Ruhestandsgrenze erwerbstätig sind. Umstrukturierungen und Betriebsstilllegungen werden immer auch Ältere treffen. Angesichts der schrumpfenden Möglichkeiten des Vorruhestandes, einer maximalen Bezugsdauer von Arbeitslosengeld von 18 Monaten und der stärkeren Anrechnung von Abfindungen kommt es ebenso darauf an, die Barrieren, denen sich Ältere bei Neueinstellungen ausgesetzt sehen, abzusenken. Entsprechende arbeitsmarktpolitische Maßnahmen wie der Beitragsbonus, die Entgeltsicherung oder erleichterte Befristungsregelungen sind erst seit 2003 in Kraft und können derzeit noch nicht eingeschätzt werden.

Wie Betriebe auf die Alterung der Erwerbsbevölkerung reagieren, kann also heute noch nicht mit Sicherheit gesagt werden. Es ist möglich, dass sich Betriebe an veränderte Altersstrukturen in der erwerbstätigen Bevölkerung und insbesondere an die abnehmende Bereitschaft der älteren Mitarbeiter, angesichts von Rentenabschlägen aus dem Betrieb auszuscheiden, anpassen. "Verlassen sollten wir uns darauf nicht. Denn es ist ebenso möglich, dass die Betriebe das Potenzial der älteren Erwerbstätigen ausblenden. Angesichts der Einstellungsprobleme älterer Personen spricht einiges für dieses skeptische Szenario", vermutet der IAT-Experte Dr. Martin Brussig.

Für weitere Fragen steht Ihnen zur Verfügung:

Dr. Martin Brussig
Durchwahl: 0209/1707-132

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://www.iatge.de
http://www.iatge.de/auem-report/2005/auem2005-02.html

Weitere Berichte zu: IAB-Betriebspanel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Online-Quickcheck »Frugal Innovation Index« macht Unternehmen fit für Entry-Level Produkte
19.04.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

nachricht Innovationskraft stärken – IAT untersuchte öffentliche und private Innovationsaktivitäten in NRW
12.04.2017 | Institut Arbeit und Technik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten