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Stärkung der innovativen Kräfte in der Region: Kasseler Forscher suchen nach neuen Möglichkeiten

17.02.2005


Warum entwickeln sich Wirtschaftsregionen höchst unterschiedlich, obwohl sie scheinbar gleiche Ausgangsbedingungen haben? Was sind die Gründe dafür, dass häufig jeweils bestimmte Regionen zum "Mekka" der Entwicklung und Vermarktung spezifischer Technologien werden, während andere Regionen abgehängt werden? Und wie befruchten (oder behindern?) sich die einzelnen Akteure und Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Wissenschaft dabei? Ein Forschungsprojekt an der Universität Kassel unter der Leitung des Volkswirts Prof. Dr. Frank Beckenbach geht diesen "alten" Fragen mit "neuen" Methoden auf den Grund. Der Titel des Projektes lautet: "Brauchen wir eine Innovation der Innovationsbedingungen? Eine akteursbezogene Analyse der Wissens- und Institutionenentwicklung in regionalen Innovationssystemen". Beckenbach und seine Mitarbeiter schauen dafür zunächst auf die Region Nordhessen.

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Besseres Zusammenwirken und gezieltere Förderung

Sie wollen dabei nicht nur untersuchen, wie innovative Kräfte hier entstehen, sich verändern und miteinander zusammen arbeiten - oder auch nicht. Darüber hinaus ist es ihr Anliegen ein Instrumentarium zu entwickeln, das es ermöglicht, zusätzliche Wissenspotenziale in den vielfältigen Netzwerken der Region zu erschließen und für das Handeln der Akteure besser als bisher nutzbar zu machen. "Regionales Innovationssystem" nennt Beckenbach ein institutionalisiertes Zusammenwirken der regionalen innovativen Kräfte. Er zieht den Kreis damit ausdrücklich weiter als das Handeln, das durch staatliche Förderungen oder die Kräfte des Marktes ausgelöst wird. Wie solche "Regionalen Informationssysteme" funktionieren, ist ansatzweise in einer Reihe von Studien beschrieben; die Kasseler indes wollen mehr. Am Ende ihrer anspruchsvollen Untersuchungen soll u.a. eine Software stehen, die aufgrund der genauen Kenntnis vorhandener Beziehungsgeflechte Hinweise für sehr gezielt ausgerichtete Förderungen und Anstöße für eine bessere Zusammenarbeit der Akteure oder - wissenschaftlich formuliert - "Agenten" liefert. Aktuelle regionale Themen wie die Regionalreform, der weitere Ausbau der Region als Logistik-, Kultur- und Tourismusstandort oder als europaweit bedeutsames Zentrum erneuerbarer Energiesysteme könnten mit Hilfe dieser Software im Rahmen von Entwicklungsszenarien gezielter diskutiert werden.


Ein derartiges überregional einsetzbares "Multi-Agenten-System" mit seinen Daten wird nicht nur Erklärungen liefern über die Veränderung bestehender und Herausbildung neuer regionaler Innovationsnetzwerke, sondern soll nach entsprechenden Praxistests geeignet sein zur Entwicklung von Zukunftsszenarien in unterschiedlichsten Regionen. Erster Schritt der Kasseler Wirtschaftswissenschaftler ist deshalb eine Unternehmensbefragung, die Anfang nächsten Jahres in der nordhessischen Region gestartet werden soll.

Beckenbach und seinen Mitarbeitern Dipl.-Oec. Maria Daskalakis und Privatdozent Dr. Wolfgang Gerstlberger reicht es allerdings nicht, genaue Kenntnisse über die Netzwerke in und rund um Kassel zu gewinnen. Sie haben die Zusammenarbeit gesucht mit Forschern der Universitäten Jena und Nizza. Nordhessen, als eine - zumindest wirtschaftliche- "Problemregion" der alten Bundesländer kann dadurch verglichen werden mit einer der wenigen relativ erfolgreichen Ostregionen (Jena) und dem aus dem Boden gestampften, mittlerweile prosperierenden Hochtechnologiepark "Sophia Antipolis" in der Nähe von Nizza. Unter der Federführung des Kasseler Forschungsteams werden auf diese Weise vergleichende Daten in einem internationalen Forschungsprojekt gewonnen, das die Volkswagen-Stiftung für zwei Jahre mit 340.000 Euro finanziert.

Weitere Informationen

Universität Kassel
Dr. Wolfgang Gerstlberger
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
tel (0173) 2639208
e-mail Gerstlberger@wirtschaft.uni-kassel.de

Ingrid Hildebrand | idw
Weitere Informationen:
http://www.wirtschaft.uni-kassel.de

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