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BGA-Unternehmerumfrage: Deutschland zwischen Konsumklemme und weltwirtschaftlichen Aufschwung

19.08.2004

"Mit einem Wachstum von 2,4 Prozent (preisbereinigt rund ein Prozent) im ersten Halbjahr 2004 erreichte der Großhandel sein bestes Ergebnis seit 2000. Da der Großhandel eng mit dem Außenhandel verflochten ist, bin ich optimistisch, dass wir mehr Schwung in unserer Branche behalten, als Deutschland insgesamt." Dies erklärt Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), bei Vorstellung der aktuellen Unternehmerumfrage in Berlin. "Lediglich im Schlepptau der globalen Wirtschaft gelang es Deutschland, die seit drei Jahren anhaltende konjunkturelle Stagnation zu überwinden. Binnenwirtschaftliche Wachstumsimpulse gibt es nicht. Von einem Aufschwung in Deutschland kann nicht gesprochen werden. In den kommenden Monaten wird die Dynamik des weltweiten Aufschwungs etwas nachlassen. Unsere Binnenwirtschaft hat dem nichts entgegen zu setzen", so Börner.

Für das Jahr 2004 erwartet der BGA ein Großhandelswachstum von nominal 2,2 und real 1,4 Prozent. Die Wachstumsimpulse gehen allein vom Produktionsgüterhandel aus. Das Bruttoinlandsprodukt wird nach Einschätzung des BGA im laufenden Jahr um höchstens 1,8 Prozent ansteigen.

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Der vom BGA ermittelte Großhandelsklima-Indikator überschritt erstmals seit dem zweiten Halbjahr 2001 wieder seine magische Grenze von 100 Punkten: Damit überwiegt der Optimismus innerhalb der Branche. Neu ist auch, dass jetzt beide Teilkomponenten des Indikators, also sowohl die aktuelle als auch die zukünftige Geschäftslage, den Sprung über 100 Punkte schafften. Dabei legte die aktuelle Geschäftslage zu während sich die Einschätzung der zukünftigen Geschäftslage eintrübte.

Der Stellenabbau im Großhandel hat sich weiter verlangsamt und wird im Laufe des Jahres zum Stillstand kommen. Aktuell sind die Kapazitäten der Unternehmen noch immer zu schwach ausgelastet. Das Bild für die zukünftige Einschätzung sieht ähnlich aus: Bei 93 Prozent der Großhandelsfirmen werden die bestehenden Kapazitäten in den kommenden sechs Monaten ausreichen. Bei einem Viertel davon herrschen tendenziell noch Überkapazitäten.

Als Beschäftigungshemmnis werden die Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft, arbeitsrechtliche Regelungen wie der Kündigungsschutz oder zu hohe Lohnnebenkosten genannt. Die geringe Investitionsneigung ist ein weiterer Hinweis auf die fehlenden binnenwirtschaftlichen Impulse. 93 Prozent der Großhandelsunternehmen spüren keine positiven Effekte der Wirtschaftsreformen im eigenen Betrieb. Die eher zuversichtliche Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung im ersten Halbjahr wird nun in Erwartung für das zweite Halbjahr von einer abwartenden Haltung geprägt. Knapp ein Viertel der Unternehmen fühlt sich vom Hin und Her verunsichert. Knapp 80 Prozent der Unternehmen der Großhandelsbranche glauben nicht, dass sich die Standortbedingungen in den kommenden 12 Monaten verbessern.

"Wir brauchen ein Umfeld, in dem sich Investitionen wieder rentieren. Ein Umfeld, in dem Wirtschaft und Staat freie Ressourcen für Forschung und Entwicklung schaffen können. Um dies zu erreichen, muss die Belastungs- und Umverteilungsquote des Staates zurückgeführt werden", so Börner.

73 Prozent der befragten Unternehmer befürchtet, dass die Regierung keine Kraft mehr hat, neue Reformen anzustoßen. Ein Teil befürchtet sogar, dass Reformen abgemildert und damit wirkungslos werden. Die Steuerpolitik der Bundesregierung schneidet bei den Unternehmern schlecht ab. Der Teil der Unternehmen, die den Großteil der Erwerbstätigen beschäftigt, wurde bisher kaum entlastet. Zusätzlich dämpfen Zukunftsängste die Ausgaben der privaten Haushalte und damit die private Nachfrage. Knapp die Hälfte der Unternehmen teilt diese Einschätzung. "Wird die dritte Stufe der Einkommensteuerreform jetzt nicht wie ursprünglich beschlossen vollständig umgesetzt, wäre dies gerade im Zusammenhang mit der herrschenden Unsicherheit absolut kontraproduktiv", warnt der BGA-Präsident.

"Die bisherigen Reformen sind richtig und sie müssen weitergehen. Jetzt heißt es den Bürgern die Maßnahmen zu erklären und nochmals zu erklären und nicht bei populistischen Einwänden einzuknicken. Der Handel unterstützt Regierung und Opposition, die notwendigen Reformen konsequent und beschleunigt fortzusetzen. Mit steigender Wettbewerbsfähigkeit und dem daraus resultierenden Wachstum werden wir Unternehmer endlich auch wieder neue Arbeitsplätze schaffen können", so der BGA-Präsident. Und weiter: "Wir brauchen ein Signal, dass die Regierung nicht damit zufrieden ist, was bisher passiert ist. Es gibt zu wenig Vertrauen, trotz der Agenda 2010, die wir in ihrer Ausrichtung unterstützen. Liest man die Berichte internationaler Organisationen von der EU-Kommission bis zur OECD, wird klar, dass Wirtschaft und Verbände weiter in der Pflicht stehen dazu beizutragen, dass die Politik den eingeschlagenen Weg auch weiter geht" so Börner abschließend.

André Schwarz | BGA
Weitere Informationen:
http://www.bga.de

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