Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dot-com´s sterben langsam - Untersuchung über Marktaustritte und Insolvenzen

28.05.2001


In einer ersten Längsschnitt-Untersuchung hat das Projekt e-Startup.org an der EUROPEAN BUSINESS SCHOOL (ebs) das Schicksal von 676 Venture Capital finanzierten Internet/E-Commerce Unternehmen über einen Zeitraum von zehn Monaten (1. Juli 2000 bis 1. Mai 2001) verfolgt. Die ermittelten Ausfallraten zeigen, dass die Konsolidierung im betrachteten Segment bisher stetig und mit vergleichsweise moderatem Tempo erfolgt ist.
In den kommenden Monaten wird aufgrund der akuten Finanzierungsprobleme vieler Startups jedoch mit einer weiteren Zunahme der Zahl scheiternder Unternehmen zu rechnen sein. Die Zurückhaltung potentieller Käufer bei Akquisitionen könnte diesen Trend weiter verstärken. Bereits heute konsolidiert das Segment stärker durch das Scheitern von Unternehmen als durch Firmen-Übernahmen.Die Ergebnisse der Untersuchung sind im Internet unter www.e-startup.org als Download verfügbar.

... mehr zu:
»Akquisition »Insolvenz »Konsolidierung »VC

Gescheiterte Unternehmen
Von den 676 VC-finanzierten Unternehmen in der Stichprobe scheiterten im betrachteten Zehnmonats-Zeitraum insgesamt 52 Unternehmen oder 7,7%. Davon haben 11 Firmen oder 1,6% bereits in der Aufbauphase aufgegeben , 41 Unternehmen oder 6,1% sind erst nach dem Markteintritt gescheitert. Als Scheitern betrachtet wurde die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens oder die Aufgabe bzw. Schließung des Unternehmens durch die Eigner.Hochgerechnet auf die Gesamtzahl von aktuell etwa 900 VC-finanzierten Unternehmen dürften damit in den letzten 12 Monaten im Durchschnitt etwa 7 Firmen gescheitert sein. Diese Zahl ist als Folge schlechterer Marktbedingungen in den vergangenen Monaten stetig angestiegen. Insbesondere diejenigen Unternehmen, deren Geschäftsideen sich am Markt nicht durchsetzen konnten, haben, oft nach dem Ausstieg von Investoren, aufgeben müssen.
Übernahmen

Beunruhigend niedrig fällt im Vergleich die Zahl der Übernahmen aus. Nur 25 Unternehmen oder 3,8% wurden im betrachteten Zeitraum akquiriert, 5 Firmen oder 0,7% fusionierten mit anderen Anbietern.
Nach hoher Aktivität im ersten Halbjahr 2000 aufgrund von Markteintritten internationaler Anbieter und "Einkaufstouren" börsennotierter Unternehmen ist die Zahl der Übernahmen deutlich zurückgegangen. Sie liegt derzeit bei hochgerechnet etwa 4-5 pro Monat.
Zwar erhöhen die aktuellen Finanzierungsprobleme die Bereitschaft der Gründer und Investoren zum Verkauf des Unternehmens, potentielle Käufer sind jedoch zunehmend schwieriger zu finden. Die Unternehmen der "New Economy", auf die bisher zwei Drittel der Übernahmen entfielen, sind angesichts sinkender Börsen-Werte und gescheiterter Auslandsengagements akquisitionsmüde geworden. Die "Old Economy" ist weiterhin zurückhaltend und beschränkt sich auf wenige strategische Akquisitionen.Betroffene Geschäftsmodelle
Mit zunehmender Reife des Internet-Marktes gewinnt auch die Konsolidierung bei den Anbietern an Fahrt. Das höchste Tempo weisen dabei die Internet-Service-Provider (ISPs) auf, die das "entwicklungsgeschichtlich" älteste Anbieter-Segment stellen. Von 24 VC-finanzierten Anbietern ist die Hälfte bereits übernommen worden oder gescheitert.Auch bei den B2C-Anbietern (Business-to-Consumer) haben sich die Reihen gelichtet. 21 Unternehmen sind gescheitert, 25 wurden übernommen. Damit ist über ein Viertel der VC-finanzierten Anbieter nicht mehr selbständig oder vom Markt verschwunden. Im Vergleich dazu sind die B2B-Anbieter (Business-to-Business) von der Konsolidierung noch weitgehend verschont geblieben. Von den Unternehmen, die in der Mehrzahl erst in 1999 oder 2000 gegründet wurden, sind 4% gescheitert, 3% wurden übernommen.
Mit 207 Unternehmen stellen die Anbieter von Internet-Software das zahlenmäßig größte Segment in der Stichprobe. Die geringe Ausfall-Rate von nur 3% resultiert aus der Erfahrung mit dem Geschäftsmodell und einem vergleichsweise späten Einstieg der VC-Gesellschaften. Zum Zeitpunkt der ersten Finanzierungsrunde existiert meist bereits ein vermarktbares Produkt oder ein Prototyp, so dass die Marktchancen abgeschätzt werden können. Dies macht die Firmen auch zu interessanten Übernahmekandidaten. Immerhin 7% der Firmen wurden bereits akquiriert oder mit anderen Unternehmen fusioniert.
Investoren
Erwartungsgemäß tragen VC-Gesellschaften, die erst mit dem Start des Neuen Marktes in 1997 oder später entstanden sind, das höchste Risiko. 9,6% der Beteiligungen dieser "jungen Spezialisten" sind in den vergangenen 10 Monaten gescheitert, gegenüber 5,9% im Durchschnitt und 5,3% bei den bereits vor 1997 gegründeten "etablierten Spezialisten".
Dieser Unterschied liegt in der Struktur der Portfolios begründet. Junge Spezialisten sind stärker in der Frühphase engagiert, in der einem höheren Risiko auch ein größeres Wertsteigerungspotential gegenübersteht. Übernahmekandidaten in der Frühphase sind jedoch weniger gefragt. Während die etablierten Spezialisten 12,4% ihrer Beteiligungen in Akquisitionen oder Fusionen einbringen konnten, gelang dies den jungen Spezialisten nur in 6,4% der Fälle.

Über die Untersuchung
Die 767 betrachteten Unternehmen wurden im ersten Halbjahr 2000 durch ein sechsköpfiges Rechercheteam identifiziert und durch eine Befragung, an der 116 VC-Gesellschaften teilgenommen haben, qualifiziert und ergänzt. Alle Unternehmen hatten vor dem Stichtag 1. Juli 2000 eine Finanzierungszusage erhalten.Der Status der Unternehmen wurde quartalsweise aktualisiert. Neben Webseiten wurden hierzu auch Suchmaschinen, Newsfeeds und Pressemitteilungen auf die Unternehmen, bezogen nach Übernahmen, Insolvenzen und Firmenaufgaben aus-gewertet. Die definierte Stichprobe (VentureCapitalist-finanzierte Unternehmen) und ein hoher Erfassungsgrad (geschätzt: ~75%) lassen eine hohe Aussagekraft der Ergebnisse erwarten. Alle Ergebnisse beziehen sich auf den Stichtag 1. Mai 2000.
Über das Projekt
E-Startup.org ist das Forschungsprojekt zu Internet/E-Commerce Gründungen in Deutschland. Ziel des Projektes ist es, das aktuelle Gründungsverhalten in Deutschland zu erheben und auszuwerten. Auf Basis der erhobenen Daten wird empirisch das Phänomen der Bildung von Technologie-Regionen für die neu entstehende Industrie untersucht. Damit sollen neue Ansatzpunkte für die regionale Standortpolitik und die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland gefunden werden.
Das Projekt wird bearbeitet am DtA-Stiftungslehrstuhl für Gründungsmanagement und Entrepreneurship der EUROPEAN BUSINESS SCHOOL (ebs) in Oestrich-Winkel. Leiter des von der Deutschen Ausgleichsbank finanzierten Lehrstuhls ist Prof. Dr. Heinz Klandt. Projektleiter von e-Startup.org ist Lutz Krafft, der seit 1993 als Berater bei der Boston Consulting Group tätig ist.

6624 Zeichen
Weitere Informationen über das Projekt und über den Lehrstuhl erhalten Sie über die Pressestelle der Hochschule oder auf folgender Internetseite: www.e-startup.org.

Wiebke Schöpper | idw
Weitere Informationen:
http://www.e-startup.org/

Weitere Berichte zu: Akquisition Insolvenz Konsolidierung VC

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Wert fest „im grünen Bereich“ - IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr sinkt auf nur 5,1 Prozent
14.09.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Konjunkturprognose: Deutsche Wirtschaft nähert sich der Hochkonjunktur
07.09.2017 | Institut für Weltwirtschaft (IfW)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie