Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Duale Einkommensteuer: Modell für eine grundlegende Steuerreform

31.03.2004


Konferenz des Sachverständigenrats in Frankfurt/Main in Kooperation mit Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Steuerrecht und Prof. Christoph Spengel, Professur für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Justus-Liebig-Universität Gießen



Das deutsche Steuerrecht ist zu kompliziert und anfällig für Missbrauch, und die Steuerbelastung von Unternehmen ist in Deutschland im internationalen Vergleich zu hoch, so der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in seinem Jahresgutachten 2003/04. Darüber hinaus ergäben sich an der Schnittstelle von Einkommens- und Unternehmensbesteuerung zahlreiche Missstände, die die Finanzierungsentscheidungen und die Rechtsformwahl von Unternehmen steuerlich verzerren. Dass hier Reformbedarf besteht, zeigen die aktuellen Vorschläge aus dem politischen Lager von CDU/CSU und FDP, der Steuerjuristen Paul Kirchhof und Joachim Lang sowie der Vorschlag des Sachverständigenrats. In ihrem Jahresgutachten 2003/04 schlagen die "Fünf Weisen" den Übergang zu einer "dualen Einkommensteuer" nach dem Muster der nordischen Staaten Finnland, Norwegen und Schweden vor.



Der Sachverständigenrat führte am 26. März 2004 in Kooperation mit dem Münchener Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Steuerrecht und der Professur für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre an der Justus-Liebig-Universität (JLU)Gießen mit Unterstützung der Deutschen Bundesbank in Frankfurt/Main eine Konferenz zur Bewertung der Ausgestaltungsoptionen und der zu erwartenden Effekte einer dualen Einkommensteuer durch. Die duale Einkommensteuer würde die derzeit sieben Einkunftsarten zu den beiden Kategorien Arbeits- und Kapitaleinkommen zusammenfassen. Arbeitseinkommen, worunter insbesondere die Arbeitnehmereinkünfte fallen, sollen weiterhin progressiv besteuert werden, wohingegen das unternehmerische Gewinne umfassende Kapitaleinkommen einer niedrigeren proportionalen Besteuerung von höchstens 30% unterliegen würde.

Nach der Begrüßung der mehr als 150 geladenen Teilnehmer aus Wissenschaft, Ministerien, Behörden, Praxis und Verbänden durch den Präsidenten der Deutschen Bundesbank, Ernst Welteke nahmen Prof. Wolfgang Wiegard, Vorsitzender des Sachverständigenrats, Prof. Wolfgang Schön, Direktor des Max-Planck-Instituts, und Prof. Christoph Spengel von der JLU eine Einordnung der dualen Einkommensteuer aus der Sicht der drei Steuerwissenschaften vor. Prof. Spengel, der seit Frühjahr 2003 die Gießener Steuerprofessur am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften innehat, befasste sich dabei mit den betriebswirtschaftlichen Fragestellungen der dualen Einkommensteuer. Dahinter verbergen sich schwierige und komplexe Fragen wie die Möglichkeiten zur Integration der Unternehmens- und Einkommensteuer sowie zur Abgrenzung der beiden Einkunftsarten Kapital- und Arbeitseinkommen, welche die duale Einkommensteuer prägen. Prof. Spengel, der auch Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium ist, hatte hierzu im Vorfeld eine umfassende Expertise für den Sachverständigenrat angefertigt.

Im Anschluss diskutierten unter Vorsitz von Prof. Wiegard der Finanzpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Hermann Otto Solms, der Baden-Württembergische Finanzminister Gerhard Stratthaus, der Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank, Prof. Remsperger sowie die Steuerwissenschaftler Ulrich Schreiber (Mannheim), Kari Tikka (Helsinki) und Franz Wagner (Tübingen) über die Vorzüge und Nachteile der dualen Einkommensteuer. Nach dem übereinstimmenden Urteil der Experten zeichnet sich die duale Einkommensteuer im Vergleich zu den anderen Steuerreformvorschlägen vor allem durch eine größere Flexibilität im internationalen Wettbewerb um niedrige Steuerbelastungen und eine erhöhte Neutralität im Bereich der Unternehmensbesteuerung aus. Zudem fallen die zu erwartenden Steuerausfälle nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums spürbar geringer aus als bei den Alternativmodellen, was die duale Einkommensteuer auch politisch attraktiv macht. Ein Makel bleibt allerdings bestehen: Auch die duale Einkommensteuer vermag im Bereich der Unternehmensbesteuerung nicht zu einer durchgreifenden Steuervereinfachung führen. Zudem könnte die getrennte Besteuerung von Arbeits- und Kapitaleinkommen in Konflikt zu dem verfassungsrechtlichen Gebot einer Besteuerung nach der persönlichen Leistungsfähigkeit stehen, eine Frage, die unter Steuerjuristen nach wie vor kontrovers diskutiert wird.

Kontakt:

Prof. Dr. Christoph Spengel
Betriebswirtschaftslehre VI
Licher Straße 62
35394 Gießen
Tel.: 0641/99-22553
Fax: 0641/99-22559
e-mail: Christoph.Spengel@wirtschaft.uni-giessen.de

Christel Lauterbach | idw

Weitere Berichte zu: Einkommensteuer Steuerrecht Unternehmensbesteuerung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IMK-Indikator: Konjunkturampel schaltet von „gelb“ auf „grün“
16.05.2018 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das erste Quartal 2018
30.04.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

Tagung »Anlagenbau und -betrieb der Zukunft«

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Wie Immunzellen Bakterien mit Säure töten

18.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics