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Mittelständische Unternehmen nur unzureichend auf Rating vorbereitet

25.04.2001


Aktuelle Studie von PricewaterhouseCoopers: Nur 37 Prozent der Unternehmen sind bislang für die Anforderungen von Basel II gerüstet. Der Handel schneidet am besten ab.

Die Spielregeln im Firmenkunden-Kreditgeschäft der Banken werden sich in naher Zukunft radikal ändern: Das im Januar 2001 veröffentlichte Konsultationspapier des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel II) wird zu einem grundlegenden Wandel bei der Eigenkapitalunterlegung für Kreditrisiken führen. Künftig orientieren sich die Konditionen stärker an der Bonität der Kreditnehmer, die sich dazu einem Bewertungsverfahren (Rating) unterziehen müssen. Dies erfolgt entweder intern durch die kreditgebende Bank oder durch externe Agenturen.

Insbesondere mittelständische Unternehmen haben sich bislang nur in geringem Maße auf ein Rating und den damit verbundenen Prozess vorbereitet. Zu diesem Ergebnis kommt die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutsche Revision/PricewaterhouseCoopers in ihrer aktuellen Studie Fit für Rating? Wie gut ist der deutsche Mittelstand auf die neuen Anforderungen der Banken vorbereitet? Die Untersuchung von 135 deutschen Unternehmen wurde bei Jahresabschlussgesprächen durchgeführt und zeigt, dass die wenigsten Unternehmen für ein Rating gerüstet sind. Neben einer Selbsteinschätzung der Geschäftsführung nahmen die Wirtschaftsprüfer eine neutrale Einstufung anhand standardisierter Bewertungskriterien vor. Nur 37 Prozent der befragten Unternehmen fühlen sich nach eigener Einschätzung gut oder sehr gut vorbereitet. Dennoch plant lediglich ein Drittel in den nächsten zwölf Monaten Maßnahmen zur Vorbereitung auf ein Ratingverfahren. Die Analyse der Wirtschaftsprüfer ergab, dass nur knapp 50 Prozent der Befragten eine Analyse der Ertragslage bezüglich Erfolgs- und Risikofaktoren vornehmen, um die Qualität ihrer Einkünfte zu beurteilen. Kaum ein Unternehmen kann für alle Untersuchungskriterien ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen. Lediglich in Einzelbereichen genügen die Unternehmen den Anforderungen an eine gute Vorbereitung auf ein Rating. Den besten Vorbereitungsgrad haben Dienstleistungsunternehmen.

Inhabergeführte Betriebe schneiden schlechter ab

Die Unternehmen wurden hinsichtlich folgender Kriterien untersucht: Unternehmensorganisation, Zukunftsorientierung, Leistungsfähigkeit der Controllinginstrumente sowie Dokumentation der wirtschaftlichen Verhältnisse. Kaum einer der Mittelständler erzielte im Hinblick auf die genannten Kriterien zufriedenstellende Ergebnisse. Lediglich in einzelnen Bereichen genügen die Unternehmen den Anforderungen eines Ratings nach Basel II. Unternehmen mit Fremdgeschäftsführern schneiden insgesamt besser ab als inhabergeführte Betriebe. Insbesondere Unternehmen mit einem Umsatz über 250 Millionen Euro planen häufiger Maßnahmen als Mittelständler mit einem geringeren Umsatz.

Aussagekräftige Informationen an Kreditgeber unzureichend

Die Mehrheit der untersuchten Unternehmen nutzt bereits Planungsrechnungen und Liquiditätssteuerungsinstrumente, mit denen sich Aussagen treffen lassen, ob die prognostizierten Erträge erwirtschaftet werden können. Markt- und Wettbewerbsanalysen führen zwei Drittel der Befragten durch. Jedoch verfügt nur die Hälfte der untersuchten mittelständischen Unternehmen über ein Rechnungswesen, mit dem die Ertragslage hinsichtlich Erfolgs- und Risikofaktoren analysiert werden kann, um die Qualität der Einkünfte bzw. die Sicherheit des Cash Flow zu dokumentieren. Auch bei der Beurteilung der eigenen Position innerhalb der Branche sowie den Zukunftsaussichten weist die Mehrzahl der befragten Unternehmen Schwachstellen auf. Besonders negativ fällt ins Gewicht, dass bisher nur rund 40 Prozent regelmäßig aussagefähige und zeitnahe Informationen an ihre Kreditgeber weiterleiten.

Handlungsbedarf bei Transparenz der Unternehmensstrategie

Insgesamt zeigt sich, dass für den Mittelstand Handlungsbedarf insbesondere im Hinblick auf die Transparenz der Unternehmensstrategie besteht. "Gerade die zukunftsgerichtete Betrachtung innerhalb des Ratingverfahrens macht es erforderlich, die wesentlichen strategischen Erfolgsfaktoren plausibel darzustellen. Hierzu gehören die Dokumentation von Strategien und Personalkonzepten, eine Abbildung der Unternehmensorganisation sowie Vertretungs- und Nachfolgeregelungen. Notwendig ist auch eine gezielte Ausrichtung des Management-Informationssystems sowie des Rechnungswesens auf das Ratingverfahren hin, erläutern Rolf Göbel und Professor Dr. Norbert Winkeljohann, als Vorstände der PwC Deutsche Revision verantwortlich für den Bereich Neuer Mittelstand.

Ergebnisse des Ratingprozesses intern zur Steuerung nutzen

Welche Strategie ein Unternehmen beim Rating verfolgt, hängt eng mit der Finanzierungsstrategie zusammen. Hier muss die Unternehmensleitung grundsätzlich entscheiden, ob der Finanzbedarf durch eine Bank oder durch den Kapitalmarkt gedeckt werden soll. Besonderes Merkmal des Ratingprozesses ist die neue Qualität der Unternehmenstransparenz, die hierdurch entsteht. Denn für das Bewertungsverfahren wird eine Vielzahl von Informationen aufbereitet, die über das Maß der klassischen Unternehmensberichterstattung weit hinausgehen. Ein Rating ist dabei nicht als einmaliger Prozess zu sehen, sondern muss regelmäßig wiederholt werden.

Zwar befürchten viele Unternehmen, dass die Banken bei der Kreditvergabe an den Mittelstand wesentlich zurückhaltender sein werden, jedoch gerade für mittelständische Unternehmen kann die Beschäftigung mit den Anforderungen des Rating enorme Erfolgspotenziale aufdecken. "Der Ratingprozess beinhaltet eine selbstkritische Unternehmensanalyse. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse können auch unternehmensintern zur Steuerung herangezogen und zu einer Verbesserung der Führungsstrategie genutzt werden. Berater der Unternehmen wie zum Beispiel Wirtschaftsprüfer, Betriebswirtschaftliche Berater und Risikomanagementspezialisten sind gefordert, die mittelständischen Unternehmen in diesem Prozess zu unterstützen", so Professor Dr. Norbert Winkeljohann.

Für den Herausgeber:

Die Gruppe PwC Deutsche Revision/PricewaterhouseCoopers ist in Deutschland mit einem Umsatz von rund 2,4 Milliarden DM eines der marktführenden integrierten Dienstleistungsunternehmen im Bereich Prüfung und Beratung. Rund 10.000 Mitarbeiter arbeiten an über 40 Standorten in Deutschland für nationale und internationale Mandanten jeder Größe. Die breite Palette der Dienstleistungen umfasst die Wirtschaftsprüfung, die Unternehmensberatung, die Corporate Finance- sowie die Steuerberatung und die Human Resource-Beratung. Der Geschäftsbereich Mittelstand unterstützt Unternehmen bei der Bewältigung verschiedener Aufgabenstellungen wie beispielsweise der Vorbereitung auf das Bankenrating, steuerlicher Optimierung, Rechtsformwahl, Unternehmensnachfolge, Begleitung von Börsengängen, Internationalisierung oder E-Business.

Ergebnisse der Studie: Fit für Rating? Wie gut ist der deutsche Mittelstand auf die neuen Anforderungen der Banken vorbereitet?

  • PwC Deutsche Revision/PricewaterhouseCoopers hat die Untersuchung von 135 mittelständischen Unternehmen bei Jahresabschlussgesprächen durchgeführt. Neben einer Selbsteinschätzung der Geschäftsführung wurde eine neutrale Einstufung anhand standardisierter Bewertungskriterien durch die Wirtschaftsprüfer vorgenommen.
  • Die 135 untersuchten mittelständischen Unternehmen sind dem verarbeitenden Gewerbe (52 %), dem Handel (24 %), dem Dienstleistungssektor (13 %) sowie der Bauindustrie (11 %) zuzuordnen.
  • Auf Basis der Informationsanforderungen von Basel II wurden für die Studie vier Kriterien definiert, anhand derer sich der Vorbereitungsstand eines Unternehmens auf ein Rating ableiten lässt:
  1. Qualität der Dokumentation des Unternehmens

  2. Zukunftsorientierung des Unternehmens

  3. Leistungsfähige Controllinginstrumente

  4. Dokumentation der wirtschaftlichen Verhältnisse

Selbsteinschätzung der Unternehmen:

  • Über 60 % der Unternehmen glauben, nicht gut auf dieAnforderungen eines Ratings vorbereitet zu sein.

  • Trotzdem plant nur ein Drittel der Befragten vorbereitende Maßnahmen für die nächsten zwölf Monate.

  • Während der Handel bereits in naher Zukunft Maßnahmendurchführen will, ist die Baubranche mit 14 ProzentSchlusslicht.

  • Branchenunabhängig planen Unternehmen mit einem Umsatz über 250 Millionen Euro häufiger Aktivitäten als Unternehmen mitgeringerem Umsatz.

  • Unternehmen, die ihren Vorbereitungsstand als gut einschätzten, schneiden auch bei der Untersuchung in den verschiedenenBereichen gut ab.

Untersuchungsergebnisse der PwC Deutsche Revision: - Kaum ein Unternehmen kann für alle Untersuchungskriterien ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen. Lediglich in Einzelbereichen genügen die Unternehmen den Anforderungen an eine gute Vorbereitung auf ein Rating.

  • Unternehmen mit Fremdgeschäftsführern schneiden besser ab als inhabergeführte Unternehmen.
  • Den besten Vorbereitungsstand haben Dienstleistungsunternehmen; über zwei Drittel der untersuchten Unternehmen sind gut vorbereitet.
  • Branchenübergreifend sind insbesondere Unternehmen mit einem Umsatz unter 100 Millionen Euro noch nicht ausreichend auf das Rating vorbereitet.
  • Rund 60 % der Unternehmen verfügen über Controllinginstrumente, die die Fähigkeit unterstützen, prognostizierte Erträge zu erwirtschaften.
  • Nur knapp 50 % der Befragten nehmen eine Analyse der Ertragslage bezüglich Erfolgs- und Risikofaktoren vor, um die Qualität der Einkünfte zu beurteilen.
  • Nur rund 50 % der untersuchten Mittelständler haben ihre Unternehmensstrategie dokumentiert.
  • Bei 55 % gelten die Produkte als zukunftssicher.
  • Bei weniger als 50 % liegt eine gute Abbildung der Unternehmensorganisation vor.
  • Über ein schriftlich fixiertes Personalkonzept verfügen nur 30 % aller untersuchten Unternehmen.
  • Lediglich 40 % verfolgen ein regelmäßiges, aussagefähiges und zeitnahes Berichtswesen an die Kreditgeber.
  • Die Eignung der Geschäftsführung in Krisensituationen ist bei 68 % der mittelständischen Unternehmen als gut einzustufen.

Kurzinformation Rating: In ein Rating fließen sowohl quantitative als auch qualitative Faktoren ein, die für die Bewertung gewichtet, verknüpft und zu einer Kennzahl verdichtet und ausgewertet werden. Diese Kennzahl gibt die Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten wieder. Der Unterschied zur traditionellen Kreditwürdigkeitsprüfung liegt in der stärkeren Gewichtung qualitativer und zukunftsorientierter Aspekte wie zum Beispiel der Performance des Managements.

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