Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Süße Päckchen aus Afrika

15.12.2003


Eine gegenwärtige Form des Kolonialismus funktionierte so: Ein Unternehmen schickt Forscher in den tropischen Urwald und lässt dort nach neuen und Erfolg versprechenden Substanzen fahnden. Wurde eine gefunden, meldet sie das Unternehmen zum Patent oder als Marke an und verdient damit Geld. Noch effektiver ist die modernste Variante: Sie nutzt nicht die Pflanze, sondern lediglich das Gen. In einen einzelligen Organismus wie Hefe oder Bakterium verpflanzt, produziert er den interessanten Stoff in einem Fermenter der im Mutterland steht. Die Nachteile dieser Vorgehensweise sind bekannt: Das Kolonialland geht leer aus.


Aus den Früchten des afrikanischen Katemfe-Strauchs wird der Süßstoff Thaumatin gewonnen
© Samartex


Wenn die süßen Früchte des Katemfe-Strauchs bereits im Ursprungsland aufbereitet werden, entstehen dort neue Arbeitsplätze
© Samartex



Natürlich gibt es Regulative, wie ein Fall im westafrikanischen Ghana zeigt. Im April 2001 startete dort das Oda-Kotoamso Community Agroforestry Project OCAP. Die Ziele: Brachflächen des massiven Holzeinschlags nachhaltig bewirtschaften, die Artenvielfalt erhalten und neue Einkommensquellen für die heimische Bevölkerung erschließen. Dazu verpflichteten sich die Holz verarbeitetende Firma Samartex, Grundbesitzer, Pächter und staatliche Behörden; der Deutsche Entwicklungsdienst hilft bei technischen Fragen.

... mehr zu:
»Kolonialland


Eine Nutzpflanze, die sich gut unter Plantagenbäumen anbauen lässt, ist der im afrikanischen Regenwald heimische Katemfe-Strauch. Dass aus seinen Früchten Thaumatin - einer der stärksten bekannten Süßstoffe - gewonnen werden kann, ist nicht neu. Ebenso wenig, dass ihn die US-amerikanische Behörde FDA als unbedenklich einstuft und dass er auch in der EU als E 957 in Kaugummis, Desserts oder Suppen landet. Das kalorienarme Proteingemisch wird bereits vermarktet und Versuche für gentechnisch produziertes sind im Gange. Damit das ehemalige Kolonialland nicht leer ausgeht, entsteht derzeit in Ghana eine Produktionsanlage, die natürliche Ressourcen nutzen soll. Die finanzielle Förderung kommt von der Deutschen Investitions- und Entwicklungs-GmbH.

»Die komplette Aufbereitung von der Frucht bis zum fertigen Pulver haben wir bewusst einfach gehalten«, betont Dr. Wolfgang Krischke vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart. »Die einzelnen Verfahrensschritte haben wir so ausgelegt und kombiniert, dass die bei uns geschulten ghanaischen Fachleute bei Wartung und Reparatur möglichst allein zurechtkommen.« Ein Mitarbeiter von Samartex führt derzeit in Deutschland Marktanalysen durch und knüpft bereits Kontakte zu potenziellen Abnehmern. Eine Arbeitsgruppe von der Universität Hohenheim untersucht, wie höhere landwirtschaftliche Erträge erzielt werden können.

Ansprechpartner für Verfahrenstechnik:
Dr. Wolfgang Krischke
Telefon 07 11 / 9 70-42 66
Fax 07 11 / 9 70-42 00

Dr. Hans Weber
Telefon 07 11 / 9 70-42 45

Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB
Nobelstraße 12
70569 Stuttgart

| Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/german/press/pi/index.htm
http://www.undp.org/sgp/cty/AFRICA/GHANA/pfs5522.htm
http://www.igb.fraunhofer.de/

Weitere Berichte zu: Kolonialland

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Aufwärtstendenz setzt sich fort
21.02.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das 4. Quartal 2016: Anhaltend hohes Niveau offener Stellen
21.02.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie