Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

In Zeiten des Umbruchs suchen europäische Energiehändler ihre langfristige Positionierung

18.06.2003


Booz Allen Hamilton-Untersuchung zeigt interne Fokussierung großer Handelshäuser auf. Zukünftig steigt die Bedeutung als Absatzkanal. Vorerst kein Wandel zu klassischen Handelshäusern zu erwarten.

Der Energiehandel in Europa hat 2002 eine Zäsur durchlebt, die durch sinkende Handelsvolumina bei Rückzug fast aller US-Handelshäuser gekennzeichnet war. Energiehändler überdenken daher ihre Positionierung. Dies belegt eine aktuelle Umfrage der internationalen Management- und Technologieberatung Booz Allen Hamilton unter führenden europäischen Energieunternehmen. So betonen die Händler gegenwärtig ihre interne Rolle als Konzerndienstleister. Zukünftig wird mit der fortschreitenden Liberalisierung der Märkte die Bedeutung als Absatzkanal und damit als Marktbereich wieder steigen.

In einer europaweiten Umfrage hat Booz Allen Hamilton die aktuelle und zukünftige Positionierung führender Energiehandelshäuser untersucht. Diese nehmen nach dem zum Teil überstürzten Weggang amerikanischer Energiehändler wie Enron, TXU und Dynergy oft eine Neubewertung ihrer Geschäftsmodelle vor. So müssen sich die Handelsabteilungen der großen, von der Erzeugung bis zum Endkundenvertrieb integriert aufgestellten Energieunternehmen wie z.B. EnBW, E.ON, RWE oder Vattenfall Europe fragen, wie sie auf die veränderte Marktdynamik und zumindest vorübergehend gesunkene Liquidität im Großhandelsmarkt reagieren.

Kurzfristig haben die Konzerne eine verstärkte interne Fokussierung ihrer Handelsaktivitäten gezeigt. "Unsere Ergebnisse belegen: Der Handel dient momentan primär zur Vermarktung selbst erzeugter Energie", hält Karlheinz Bozem, verantwortlicher Partner der Energiegruppe des Beratungsunternehmens für den deutschsprachigen Raum fest. "Die Möglichkeit, über Eigenhandel zusätzliche Gewinnpotenziale zu erschließen, ist zur Zeit eher sekundär", führt Bozem weiter aus. So stehen ca. 70% des Handelsvolumens der befragten Unternehmen, die für den deutschsprachigen Raum immerhin über 2/3 des Handelsvolumens in 2002 abdeckten, in direktem Zusammenhang mit dem Absatz der eigenen Erzeugung bzw. dem Zukauf für den eigenen Vertrieb.

Den Handelseinheiten kommt bei der Ausnutzung der Gewinnpotenziale der Konzerne entscheidende Bedeutung zu. Sie helfen mit bei der angemessenen Allokation der Ergebnisse auf die einzelnen Wertschöpfungsstufen (Erzeugung, Handel, Vertrieb) durch die interne Verrechnung der Energie zu Großhandelspreisen. Zudem gehört es oft zu ihren Aufgaben, das Großhandelspreisniveau zu stabilisieren. So lassen sich auch die Vollkosten neuer Kraftwerke erwirtschaften und es wird langfristig die Profitabilität der Unternehmen gestützt.

Stark vereinfacht, werden diese Aufgaben durch vier unterschiedliche Geschäftsmodelle wahrgenommen:

  • Erzeugungsoptimierung
  • Zentrales Portfoliomanagement
  • Dezentrales Portfoliomanagement
  • Absatzoptimierung.

Während jedes dieser Modelle über Stärken und Schwächen verfügt, ist die Anwendung vom jeweiligen Marktumfeld abhängig. Mit der neu zu schaffenden deutschen Regulierungsbehörde und der dadurch weiter beschleunigten Liberalisierung der Märkte wird das dezentrale Portfoliomanagement weiter an Bedeutung gewinnen, um die internen Aufgaben zu organisieren.

Beim eigenständigen Agieren auf den Handelsmärkten müssen die Händler aber erneut beweisen, dass sie nach oftmals anfänglichen Einbußen profitables Wachstum für die Konzerne erwirtschaften können. Wachstumsfelder stellen zum einen die Funktion als Absatzkanal von großhandelsnahen Produkten an regionale Verteilungsgesellschaften und industrielle Großkunden dar. Laut Bozem "können die Händler hier ihr Handels-Know-how einbringen und die klassischen Vertriebseinheiten unterstützen. Zum anderen wird der Bedarf für Portfoliomanagement für Dritte im Zuge der Normalisierung der Preisstrukturen weiter steigen." Der Ausbau der Eigenhandelsaktivitäten zu klassischen Handelshäusern scheint zur Zeit nicht im Vordergrund der Unternehmensplaner zu stehen.

Mit rund 12.250 Mitarbeitern und Büros in mehr als 50 Ländern zählt Booz Allen Hamilton zu den weltweit führenden Unternehmensberatungen. Das Unternehmen befindet sich im Besitz seiner 250 aktiven Partner. Sechs Büros sind im deutschsprachigen Raum: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, München, Wien und Zürich. Im vergangenen Geschäftsjahr belief sich der Umsatz weltweit auf 2,2 Mrd. US$, im deutschsprachigen Raum auf 160 Mio. Euro.

Susanne Mathony | Booz Allen Hamilton
Weitere Informationen:
http://www.bah.com

Weitere Berichte zu: Absatzkanal Portfoliomanagement

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index setzt Anstieg fort
22.06.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Beschäftigung legt weiter zu
29.05.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie