Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das schlanke Unternehmen ist noch lange nicht fit

07.04.2003


Institut Arbeit und Technik untersuchte Dezentralisierung in der deutschen Investitionsgüterindustrie


Viele deutsche Unternehmen sind in den letzten Jahren der Mode zur "Verschlankung" gefolgt, fit für den Wettbewerb sind sie damit noch lange nicht. Im Vordergrund der Unternehmensstrategien stand meist lediglich die Einsparung von Kosten durch "Abspeckung" - die Abschaffung oder Auslagerung von Funktionen -, nicht die Verbesserung von Produktivität, Qualität, Flexibilität oder Kundennähe. Das zeigt der aktuelle Report des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) zur Dezentralisierung in der deutschen Investitionsgüterindustrie. Ausgewertet wurden dafür Daten, die vom Fraunhofer Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung bei Unternehmensbefragungen 1997 und 1999 erhoben wurden.

Strategische Dezentralisierung durch Hierarchieabbau, Aufteilung zentraler Bereiche und damit "Verschlankung" betreiben 37,5 Prozent der befragten Unternehmen, 1997 waren es erst 22 Prozent. Dagegen werden die arbeitsorientierten, auf Teilautonomie und Kompetenzentwicklung ausgerichteten Gestaltungsmöglichkeiten auf operativer Ebene insgesamt seltener genutzt. Eine ganzheitliche Dezentralisierung, die gemeinsam strategische wie operative Möglichkeiten nutzt, stellt in der deutschen Investitionsgüterindustrie mit knapp 11 Prozent immer noch die Ausnahme dar. Die große Masse (46,3 Prozent) der Unternehmen verhält sich nach wie vor organisatorisch eher inaktiv, immerhin ist ihr Anteil im Vergleich zu 1997 - 68 Prozent - beträchtlich gesunken.


"Bei der umfassenden Dezentralisierung bleiben die meisten Unternehmen auf halbem Wege stehen", so der IAT-Experte Dr. Erich Latniak. Defizite gibt es bei der Verlagerung der Auftragsplanung und -steuerung in die Fertigung sowie bei der Integration dieser Aufgaben in das Tätigkeitsspektrum der Arbeiter. Derartig angereicherte Tätigkeitsprofile sind nur in Ausnahmefällen entstanden.

Der Grad der Dezentralisierung wirkt sich positiv auf marktbezogene Leistungsindikatoren wie Termintreue und Durchlaufzeit aus. "Aktive" Unternehmen, die sowohl strategisch (auf Ebene der Organisation des Unternehmens als Ganzes) als auch auf operativer Ebene (bei der Arbeitsorganisation) dezentralisiert haben, konnten knapp 90 Prozent aller Aufträge termingerecht ausliefern. Unternehmen, die wenig oder gar nicht dezentralisiert hatten, erreichten deutlich schlechtere Werte zwischen 84 und 86 Prozent. Die Fertigungsdurchlaufzeit ist umso kürzer, je mehr in Unternehmen operativ dezentralisiert und Fertigungsprozesse umgestaltet wurden. Maßnahmen zur strategischen Dezentralisierung brachten demgegenüber hier keine Verbesserungen.

Viele Unternehmen versuchen offenbar, die gestiegenen Marktanforderungen allein durch die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit ihrer Beschäftigten zu bewältigen, ohne dass dafür immer die nötigen organisatorischen Voraussetzungen geschaffen wurden. "Der Hierarchieabbau führt eher zu einer höheren Belastung des verbleibenden Managements, denn offensichtlich wurde auf entsprechende Gestaltungsmaßnahmen und die Verlagerung von Kompetenzen in die ausführenden Bereiche verzichtet", so Dr. Erich Latniak.

Angesichts dieser Befunde bleiben Zweifel, ob die "schlankeren" Unternehmen auch tatsächlich leistungsfähiger für schwierige Wettbewerbsbedingungen geworden sind. Die Chancen, die eine operative Dezentralisierung gerade für die kundenbezogenen Leistungsfähigkeit der Unternehmen bietet, werden in der vorherrschenden Veränderungspraxis offenbar nicht genutzt. Latniak: "Es bleibt zu beobachten, ob sich diese Tendenz fortsetzt, oder ob die Unternehmen in der derzeitigen Krise die Zeichen der Zeit erkennen!"

Weitere Fragen an:

Dr. Erich Latniak
Telefon: 0209 - 1707-240

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://iat-info.iatge.de/iat-report

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Wert fest „im grünen Bereich“ - IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr sinkt auf nur 5,1 Prozent
14.09.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Konjunkturprognose: Deutsche Wirtschaft nähert sich der Hochkonjunktur
07.09.2017 | Institut für Weltwirtschaft (IfW)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie