Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Einfachsteuer - eine Chance für Bürger, Staat und Unternehmen

07.11.2002


Kapitalvermögen entstehen, wenn Menschen ihren privaten Verbrauch einschränken - also sparen - oder Entlohnungen aufgrund besonderer Arbeitsleistungen investieren. Damit spiegeln diese Vermögen so etwas wie die "geronnene Leistungsfähigkeit" und den "Konsumverzicht" eines Bürgers im Laufe seiner Lebenszeit wider. Aus dem angesammelten Kapital entstehen Gewinne und Zinsen. Soll ein Steuersystem die Entscheidung, ob gespart wird, ob investiert wird, nicht verzerren, müssen, wie dies die Einfachsteuer verwirklicht, Kapital- und Arbeitseinkommen letztlich gleich vom Fiskus belangt werden.



Dies erreicht der Heidelberger Steuerkreis auf folgendem Weg: Eine marktübliche Verzinsung (z.B. in Höhe des Zinssatzes einer zweijährigen Bundesanleihe) des Sparkapitals bleibt entweder steuerfrei oder das aus steuerfreien Einnahmequellen gebildete Sparkapital wird samt der Zinsen erst bei seiner Auszahlung besteuert (Prinzip der nachgelagerten Besteuerung). Dies soll für die Renten gelten.



Die Zahl der steuerlichen Einkunftsarten wird radikal verringert: Bei der Einfachsteuer setzt sich das zu versteuernde Einkommen nur aus den Einkünften aus nichtselbständiger Erwerbstätigkeit (Löhne), den Einkünften aus selbständiger Erwerbstätigkeit, zu denen auch Unternehmensgewinne gehören, und den Vorsorgeeinkünften (z. B. Renten) zusammen. Alle Arten persönlicher Einkünfte und Unternehmensgewinne werden nach einer einfachen kassenmäßig orientierten Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermittelt.

Ein weiterer wichtiger Pfeiler des Konzepts ist der einheitliche Steuersatz: Er soll in Zukunft 25 Prozent betragen. Gleichzeitig werden Steuervergünstigungen gestrichen. Hierbei handelt es sich u.a. um die Abschaffung von rund 70 Positionen des § 3 EStG, der Steuerfreiheit von Zuschlägen für Sonntags-, Feiertags- und Nacharbeit, des Abzugs von Rückstellungen für Zukunftsverluste bei der Gewinnermittlung, von Sonderabschreibungen und der Entfernungspauschale. Nicht abzugsfähig sind dann auch Spenden und die Kirchensteuer, denn an Stelle ihrer bisherigen Abzugsfähigkeit tritt das italienische Modell (s.u.). Einfache und nachvollziehbare Freibeträge für alle unterhaltenen Familienmitglieder schützen das Existenzminimum, z.B. langfristig 10 000 Euro im Jahr für jede unterhaltene erwachsene Person. Für ihre Kinder erhalten die Familien ein angemessenes Kindergeld.

Auch das Steueraufkommen aus der Einfachsteuer soll anders verteilt werden als derzeit das Aufkommen aus der Einkommen- und Körperschaftsteuer. Die Gemeinden erhalten das nach dem Grundgesetz schon jetzt mögliche Zuschlagsrecht auf den Anteil an der Steuerzahlung ihrer Bürger. Dem sogenannten italienischen Modell entsprechend fließt ein bestimmter Prozentsatz - z.B. 10 Prozent - der Steuerzahlungen nicht in die öffentlichen Kassen, sondern nach Angaben eines jeden Steuerbürgers in die Kassen gemeinnütziger Organisationen (Kirchen, gemeinnützige Stiftungen u.ä.).

Das Konzept der Einfachsteuer hat sich bereits praktisch bewährt: Unter anderem ist das Anfang der 90er Jahre erfolgreich reformierte Steuersystem in Kroatien nach den Grundprinzipien der Einfachsteuer ausgerichtet worden. In einem Teil von Bosnien-Herzegowina steht die Einführung der Einfachsteuer unmittelbar bevor.

Vorteile der Einfachsteuer

· die langfristige Bildung von Kapital und Ersparnissen und damit die Grundvoraussetzung für Wachstum, Investitionen, neue Arbeitsplätze und die private Altersvorsorge wird gefördert;
· der niedrige Steuersatz macht Schwarzarbeit uninteressant: "Ehrliche Arbeit lohnt sich wieder";
· die lästige Diskussion um das Ehegattensplitting entfällt, da bei einheitlichem Steuersatz keine Splitting-Vorteile entstehen;
· die einfache Struktur lässt keine Spielräume für Steuertricks und Steuerhinterziehung;
· die Steuererklärung wird drastisch vereinfacht;
· die Wahl der Rechtsform eines Unternehmens schlägt sich nicht mehr in der Steuerlast nieder;
· die Einfachsteuer leistet den erforderliche Beitrag zur Finanzierung der Staatsausgaben; basierend auf Simulationsmodellen wurde errechnet, dass die Einfachsteuer bereits 2005 das dann geltende Einkommenssteuersystem aufkommensneutral ersetzen könnte; der durch die Einführung der Einfachsteuer ausgelöste Wachstumsimpuls bringt weitere Staatseinnahmen, die den Bürgern durch Steuerlastsenkungen (z.B. durch Anhebung des Grundfreibetrags) zurückgegeben werden können;
· keine soziale Schieflage durch schrittweise Einführung der Einfachsteuer: 2005 bis 2010: Einkommenssteuersätze 15, 25, 35 Prozent; 2010 bis 2015: 20 und 30 Prozent und höherer Grundfreibetrag; ab 2015 ein einheitlicher Satz von 25 Prozent und nochmals Anhebung des Grundfreibetrags.

Das Einfachsteuerprojekt ist in der "Heidelberger Steuervilla" beheimatet:
Universität Heidelberg: Alfred Weber-Institut für
Wirtschaftswissenschaften - Forschungsstelle: Marktorientiertes Steuersystem
Manfred Lautenschläger Haus
Zeppelinstraße 151
69121 Heidelberg
Tel. (06221) 545091; Fax (06221) 545094
e-mail: einfachsteuer@urz.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz | idw

Weitere Berichte zu: Einfachsteuer Grundfreibetrag Steuersatz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Der Dauerläufer: Starke Binnennachfrage macht diesen Aufschwung robuster als seine Vorgänger
17.10.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Positiv für die Volkswirtschaft: Die Zahl der Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen steigt weiter
12.10.2017 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie