Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wettbewerbsfähigkeit von Industrienationen: Die USA und Europa bleiben Erfolgsmodelle

13.07.2000


Deutschland kann sich im internationalen Standortwettbewerb um die Ansiedlung sogenannter "Zukunftsindustrien" sehr gut behaupten und seine Position sogar festigen - das ist eines der Ergebnisse einer internationalen Expertenbefragung, die an der Universität Erlangen-Nürnberg im Jahr 1999 am Lehrstuhl für Unternehmensführung von Prof. Dr. Harald Hungenberg durchgeführt wurde. 257 Politiker, Spitzenmanager und Professoren aus 34 Ländern gaben im Detail Auskunft über ihre Einschätzung der Wettbewerbsfähigkeit ausgewählter Nationen in den kommenden 10 bis 15 Jahren und des Wachstumspotentials bestimmter "Zukunftsbranchen". So erstaunlich es für viele klingen mag, das Urteil der Experten lautet: "Die neue Welt wird wohl weiterhin die alte Welt sein."

Riesen im Dornröschenschlaf

Die Ergebnisse der Untersuchung von Dipl.-Kfm. Stefan Lackner und Dr. Torsten Wulf zeigen eine eindeutige Rangfolge der zehn analysierten Länder: Die USA besitzen das größte Potential im Bereich der wissensbasierten Branchen, gefolgt von Großbritannien und Deutschland. Ein vereintes Europa kommt nahe an die als Einzelland dominierenden USA heran. Japan ist eher mittelklassig einzuordnen, und die "schlafenden Riesen" China, Indien und Rußland bleiben auch in Zukunft, was sie sind - nämlich schlafende Riesen.

Diese Untersuchung bestätigt damit den dramatischen Wandel, der in den letzten 10-15 Jahren in der Weltwirtschaft stattgefunden hat: Noch in der zweiten Hälfte der 80er Jahre galt die Wirtschaft der USA als rückständig. "Japan Inc." wurde als das zukunftsträchtige Erfolgsmodell gepriesen. In Europa beobachtete man mit Sorge die Abwanderung von industriellen Großinvestitionen in die Schwellenländer, und speziell in Deutschland befaßte man sich seit 1990 überwiegend mit den Problemen der Wiedervereinigung. Ganze Industriesegmente wie die Unterhaltungselektronik oder der Großschiffbau existierten in den USA und Europa praktisch nicht mehr, kurz: Die Angst um die Zukunftsfähigkeit der alten Industrienationen griff um sich.

Die 90er Jahre brachten jedoch die Wiedergeburt des Erfolgsmodells USA, und auch Europa zeigt sich spürbar erholt, wie beispielsweise ein Blick auf die Entwicklung der Automobilindustrie verdeutlicht. Der schleichende Niedergang Japans gipfelte dagegen in der Asien-Krise, die seit 1997 immer weitere Kreise zieht und auch Rußland erfaßt. Diese globalen Trends werden nach Meinung der befragten Politiker, Manager und Professoren auch die Zukunft bestimmen.

Branchen der Zukunft

Die für die Untersuchung ausgewählten Experten wurden jedoch nicht nur danach gefragt, wo die Spitzenbranchen der Zukunft reifen werden, sondern es wurde auch ermittelt, welche Industrien überhaupt zu den wissensbasierten Branchen gezählt werden und welche von diesen das größte Wachstumspotential besitzen. Die Untersuchungsergebnisse zeigen drei Segmente, die zukünftiges Wachstum bestimmen. Rund um den Bereich "Mikroelektronik" bildet sich ein Cluster von Industriesegmenten wie Telekommunikation, Software, Multimedia, Entertainment und Satellitentechnik, denen das höchste zukünftige Wachstum zugetraut wird. Ein weiterer Wachstumsbereich wird von den Segmenten Biogenetik, Pharma und Medizintechnik gebildet. Mikromechanik könnte der Nukleus für eine ganze Reihe weiterer neuer Zukunftsmärkte werden.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht ganz so überraschend, daß die USA und Europa einen großen Vorsprung vor Japan und dem Rest der Welt halten. In keiner der Zukunftsindustrien wird die Spitzenposition von einem japanischen Unternehmen eingenommen, während beispielsweise im Softwarebereich die zehn besten und größten Unternehmen US-amerikanisch sind - mit Ausnahme von SAP. Die europäische Telekommunikationsindustrie besitzt mit ihren inzwischen deregulierten nationalen Telefongesellschaften und Unternehmen wie Nokia, L.M. Ericsson oder Siemens gute Voraussetzungen, eine Spitzenposition zu behaupten, zumal von hier einige grundlegende Innovationen und Standards wie z. B. GSM ausgegangen sind. Im Pharmabereich wurde und wird die Welt US-amerikanisch-europäisch bedient. In der Umwelttechnologie ist Deutschland führend.

Damit zeichnet diese Studie insgesamt ein positives Zukunftsszenario für die Industrieländer: "Die wichtigsten Wachstumsmärkte der Zukunft - Telekommunikation, Mikroelektronik, Software, Biogenetik, Multimedia - werden von den USA dominiert; mit etwas Abstand folgt Europa. Japan spielt in diesem Feld eine Nebenrolle, und der Rest der Welt bleibt eher ein entfernter Zuschauer oder potentieller Nachfrager."

Eine ausführliche Dokumentation der Studie einschließlich weiterer Einzelergebnisse ist auf Anfrage beim Lehrstuhl erhältlich.

Kontakt:
Dipl.-Kfm. Stefan Lackner, Dr. Torsten Wulf


Lehrstuhl für Unternehmensführung, Lange Gasse 20, 90403 Nürnberg
Tel.: 0911/5302 -293, Fax.: 0911/5302 -474
E-Mail: stefan.lackner@wiso.uni-erlangen.de, torsten.wulf@wiso.uni-erlangen.de,

Hungenberg@wiso.uni-erlangen.de

Gertraud Pickel |

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Aufwärtstendenz setzt sich fort
21.02.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das 4. Quartal 2016: Anhaltend hohes Niveau offener Stellen
21.02.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie