Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bedeutung von Arbeitsmarktfaktoren bei der Standortwahl wird oftmals überschätzt

12.09.2000


So lässt sich das Ergebnis einer Befragung zusammenfassen, die das RWI gemeinsam mit dem European Policies Research Centre, Glasgow, durchführte. Befragt wurden Unternehmen aus der Automobil- und der Chemischen
Industrie, die über Fabrikationsstätten sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland verfügen. Hintergrund war, dass Deutschland häufig als Land gilt, das sich schwer tut, ausländische Unternehmen für eine Ansiedlung zu gewinnen. Für Großbritannien wird genau das Gegenteil behauptet. Begründet wird diese "Musterrolle" zumeist mit den dort niedrigeren Löhnen und der geringeren Regulierung des Arbeitsmarktes.
Aus der Sicht von Unternehmen, die in Deutschland und in Großbritannien Direktinvestitionen vorgenommen haben, sind die Unterschiede zwischen den Investitionsstandorten offenbar keineswegs derart ausgeprägt, wie es angesichts der unterschiedlichen öffentlichen Wahrnehmung zu erwarten wäre. Jedenfalls differieren die geäußerten Motive für die Investitionsentscheidung erstaunlich wenig. Sowohl ausländische Investitionen in Deutschland als auch in Großbritannien wurden überwiegend von dem Wunsch nach Zugang zum Markt des betreffenden Landes geprägt. Andere Motive, und so auch Löhne und Unterschiede in der Arbeitsmarktregulierung, spielten hingegen bei der ursprünglichen Investitionsentscheidung eine untergeordnete Rolle
Allerdings weist die Befragung auf deutliche Unterschiede zwischen den Motiven der Anfangsinvestition und von möglichen Folgeinvestitionen hin. Bei letzteren, die aus einer Situation heraus getroffen werden, in der der Marktzugang bereits erreicht ist, erlangen die genannten Arbeitsmarktfaktoren eine deutlich größere Bedeutung. Folgeinvestitionen werden übrigens in den einschlägigen Statistiken nur unzureichende erfasst, da sie häufig durch Bankkredite und seltener durch Zahlungen der Muttergesellschaft - nur diese zählen zu den Direktinvestitionen - finanziert werden. Dies dürfte erklären, weshalb es in gesamtwirtschaftlichen Analysen häufig nicht gelingt, einen Einfluss der Löhne auf die Direktinvestitionen nachzuweisen.
Eine Besonderheit der Studie liegt darin, dass sie die Motive der Direktinvestitionen sowohl aus der Perspektive der Konzernzentralen als auch der Niederlassungen im Ausland beleuchtet. Dabei zeigen sich zum Teil deutliche Unterschiede in der Einschätzung. Offensichtlich werden die Entscheidungen in den Zentralen unter Erwägung eines weitaus breiteren Spektrums von Determinanten gefällt, als dies den Niederlassungen bewusst ist, wobei durchaus auch sprachliche und kulturelle Faktoren eine wichtige Rolle spielen. Was die Folgeinvestitionen angeht, so halten ausländische Niederlassungen ihre Vor- und Nachteile aufgrund von Lohnkosten und der Arbeitsmarktregulierung für bedeutsamer als die Konzernzentralen.

Ihre Ansprechpartner zu diesem Thema:
Dr. Roland Döhrn, Tel.: (0201) 8149-262
Joachim Schmidt (Pressestelle), Tel.: (0201) 8149-292

Joachim Schmidt |

Weitere Berichte zu: Arbeitsmarktfaktor Direktinvestition Folgeinvestition

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet
20.07.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Frühwarninstrument zeigt „grün“ - IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt gering
19.07.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops