Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nordrhein-Westfalen in Europa: Den Strukturwandel ins Land holen

30.08.2000


Vorschläge aus dem Institut Arbeit und Technik für eine strukturpolitische Internationalisierungsstrategie - Potenziale globaler Arbeitsteilung gezielt ausschöpfen

Die Chancen, die sich aus der Internationalisierung der Produktion für den Strukturwandel in Nordrhein-Westfalen ergeben könnten, werden bisher kaum genutzt. Zwar ist das Land mit einem Volumen von 182,4 Milliarden DM 1999 immer noch Spitzenreiter im Export und liegt auch mit 26 Prozent Anteil an den ausländischen Direktinvestitionen vor den anderen Bundesländern. Die Außenwirtschaft spiegelt jedoch die traditionelle Industriestruktur wider - und damit auch die strukturellen Probleme des Landes. Auf den Wachstumsmärkten der Welt ist die Industrie des Landes mit ihrer Produktpalette kaum vertreten und von außen kommen relativ wenig Impulse zur Entwicklung der "neuen", forschungsintensiven Branchen.

Zu diesem Schluss kommen Forschungsarbeiten des Instituts Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) zum Zusammenhang von Strukturwandel und Internationalisierung. Chemie, Maschinenbau, Metallerzeugung und -verarbeitung und Automobilproduktion machten 1999 allein 65 Prozent des Exports aus. "Während die Exporte der Bundesrepublik in den vergangenen zehn Jahren um 53 Prozent zunahmen, wuchsen die Exporte aus NRW aber nur um 15 Prozent. Auch der deutliche Exportüberschuss signalisiert nur bedingt Stärke, da NRW zwar im mittleren (höherwertigen) Technikbereich stark ist, im wertschöpfungsintensiven Spitzentechnikbereich aber nicht mithalten kann" stellen die IAT-Wissenschaftler Dr. Wolfgang Potratz und Brigitta Widmaier fest.

Die ausländischen Direktinvestitionen in NRW stiegen seit 1990 um 117,5 Prozent auf 95,7 Mrd. DM und liegen mit dieser Zuwachsrate deutlich über dem Bundesdurchschnitt (86,5 Prozent). Nordrhein-westfälische Direktinvestitionen im Ausland beliefen sich 1997 auf 121,3 Milliarden DM, ein Plus von 106,7 Prozent seit 1990 (Bund: +126,7). Die mit Abstand begehrtesten Objekte ausländischer Investoren sind jedoch die "klassischen" Industrien, "neue" Branchen mit hoher F+E-Intensität sind nur schwach vertreten.

Handel führt zu einer Arbeitsteilung entlang von Faktorintensitäten (z.B.: kapital- und technologieintensive Güter in Westeuropa, ressourcen- und arbeitsintensive Güter in Osteuropa) und "erzwingt Strukturwandel", so die IAT-Wissenschaftler. Direktinvestitionen, längerfristig und strategisch angelegt, erlauben es, den Strukturwandel zu organisieren. Durch ihre Präsenz können die Unternehmen unmittelbar auf den jeweiligen Märkten agieren und die regionalen Potenziale des Gastlandes nutzen. Dabei geht es keineswegs immer nur um billige Produktionsstätten. Laut Statistik konzentrieren sich die Direktinvestitionen auf Europa und die USA, also auf Länder, in denen sich der Gewinn der Direktinvestitionen nicht aus Kosteneinsparungen, sondern aus innovativen Impulsen ergibt.

Direktinvestitionen ermöglichen also strategisches Handeln und machen damit den Strukturwandel beeinflussbar. Da "internationalisierte" Unternehmen stabiler und wachstumsstärker sind als andere, wie empirische Untersuchungen zeigen, plädieren Potratz und Widmaier für eine strukturpolitische Strategie, die ganz bewusst auf die Internationalisierung der nordrhein-westfälischen Wirtschaft und insbesondere ihrer kleinen und mittleren Unternehmen setzt. Wesentliche Komponenten einer solchen Strategie sind eine Reduktion der Transaktionskosten der Internationalisierung und die Einbindung der Unternehmen in internationale Netzwerke. Solche Netzwerke bieten den Vorteil, dass die damit einhergehende Arbeitsteilung selbst beeinflusst und organisiert werden kann. Damit erweitern sich zeitliche Spielräume und es können konkrete Trajekte entwickelt werden, um die heimische Produktion zu reorganisieren.

Aktuell sind aus der Erweiterung des europäischen Wirtschaftsraumes nach Mittel- und Osteuropa neue Impulse zu erwarten. Der NRW-Export in diese Länder verfünffachte sich in den letzten zehn Jahren. Allerdings hat der Handel mit den MOE-Ländern, der für NRW derzeit etwa 10 Prozent ausmacht, nur dann Wachstumschancen, wenn sich das Niveau der gehandelten Güter angleicht. Direktinvestitionen und Netzwerke bieten die Möglichkeit, die sich langsam spezialisierenden industriellen Kerne der EU-Beitrittskandidaten in bestehende oder neue Produktionsketten zu integrieren. Aufgrund des qualifizierten Arbeitskräftepotenzials und einiger durchaus weltmarktfähiger Branchen (Computertechnik, Software, Schiffsbau u.a.) könnten hier neue Produkte und Produktionssysteme entstehen, die auf Drittmärkten konkurrenzfähig sind. "Im Handel haben Deutschland und NRW zwar auf diesen Märkten eine dominierende Position, aber eine Ausschöpfung der innovativen Potenziale durch Kooperation und Arbeitsteilung, wie sie durch Direktinvestitionen ermöglicht werden, steht vorläufig noch aus", stellen die IAT-Wissenschaftler fest.

Für weitere Fragen stehen Ihnen zur Verfügung:

Dr. Wolfgang Potratz
Tel.: 0209/1707-177

Brigitta Widmaier
Tel.: 0209/1707-127

Claudia Braczko
Tel.: 0209/1707-176

Claudia Braczko |

Weitere Berichte zu: Direktinvestition IAT Strukturwandel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Beschäftigung legt weiter zu
29.05.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

29.05.2017 | Physik Astronomie

Deutschlandweit erstmalig: Selbstauflösender Bronchial-Stent für Säugling

29.05.2017 | Medizintechnik

Professionelle Mooszucht für den Klimaschutz – Projektstart in Greifswald

29.05.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz