Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Mär von hohen Lohnnebenkosten

25.09.2002


Die Behauptung, die Lohnnebenkosten in Deutschland seien zu hoch und würden weiter steigen, ist laut Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichem Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung als Mär widerlegt.



"Unsere aktuelle Studie zeigt, dass die immer wieder genannten Zahlen auf fragwürdigen Rechenkonzepten basieren," sagt Dr. Claus Schäfer im WSI. Tatsächlich lägen die Lohnnebenkosten seit 1988 trotz der deutschen Einigung fast unverändert bei ca. 46 Prozent - und nicht wie insbesondere von Arbeitgeberbeseite behauptet bei 82 Prozent.

... mehr zu:
»Lohnnebenkosten »WSI


Die genannten 82 Prozent, die als "zweite" Lohnlast bei den Unternehmen ausgegeben werden, beruhten auf einem "rechnerischen Konstrukt, das so weder in der betrieblichen Kostenstatistik noch in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung in Gebrauch oder von Belang ist," sagt Claus Schäfer. Dieses komme zustande, indem von dem an die Beschäftigten ausgezahlten Arbeitseinkommen alle Bestandteile für Zeiten von Urlaub, Krankheit, gesetzliche Feiertage abgezogen und zu den Nebenkosten gezählt werden - und zwar zusätzlich zu gesetzlichen Sozialversicherungsbeiträgen, tariflichen Sonderzahlungen und betrieblichen Sozialleistungen im engeren Sinne. Im Ergebnis mache das so gekürzte "Entgelt für geleistete Arbeitszeit" nur noch 80 Prozent des tatsächlich ausgezahlten Lohnes aus und nur noch 55 Prozent aller faktisch angefallenen Lohnkosten zusammen. Gleichzeitig aber wachsen automatisch die Anteile aller echten und "unechten" Lohnnebenkosten, wenn dieses "bereinigte" Entgelt als Referenzbasis zu 100 Prozent gesetzt wird. Wähle man dagegen den an die Beschäftigten ausgezahlten laufenden Monatslohn (ohne anteilige Sonderzahlungen) als Grundlage, so machen die Lohnnebenkosten nur 46 Prozent aus.

Zwar stamme die letzte amtliche Erhebung der Nebenkosten aus dem Jahr 1996. Doch gebe es für eine spürbare Veränderung der Kostenniveaus bis heute keine Anzeichen. "Stattdessen aber wachsen die Bedenken gegen das Erhebungs- und Berechnungskonzept," erklärt Schäfer. "Die dem "Entgelt für geleistete Arbeitszeit" zugrunde liegende internationale Konvention, die auch vom Statistischen Bundesamt genutzt wird, ist vor Jahrzehnten getroffen worden, um Arbeitskosten international vergleichbar zu machen. Aber schon von Anfang an krankte die Vergleichbarkeit daran, dass nur beitragsfinanzierte, nicht aber steuerfinanzierte öffentliche Sozialleistungen erfasst werden können." In Ländern, die einen hohen oder sogar überwiegenden Teil ihrer Sicherungssysteme mit Steuern finanzieren, würden die Lohnnebenkosten systematisch zu niedrig ausgewiesen.

Schließlich leide die Aussagekraft der deutschen Arbeitskosten, weil sie nur auf Basis von rund 10 Prozent aller Beschäftigten aus überwiegend industriellen Bereichen erhoben werden. Die meisten Dienstleistungsbereiche würden mit dem Konzept nicht erfasst.

All dies seien Gründe, nach einem neuen Erhebungs- und Berechnungskonzept für Lohnnebenkosten zu suchen. In der vorgelegten Studie werden einige Vorschläge für ein solches neues Konzept gemacht. "Mit ihm würde sich auch die irreführende Polemik unterbinden lassen , die mit dem alten Konzept bis heute betrieben wird," so der WSI-Forscher.

Karin Rahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/baktuell/index.cgi?pdienstsingle=1&pid=247

Weitere Berichte zu: Lohnnebenkosten WSI

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Aufwärtstendenz setzt sich fort
21.02.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Ergebnisse der IAB-Stellenerhebung für das 4. Quartal 2016: Anhaltend hohes Niveau offener Stellen
21.02.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie