Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Arbeitsmarkt und Wirtschaft der 16 Bundesländer im Vergleich

05.03.2001


Ergebnisse einer Untersuchung des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Tübingen

Ein Benchmarking, einen Leistungsvergleich, der 16 deutschen Bundesländer anhand ausgewählter Wirtschafts- und Arbeitsmarktindikatoren hat das Politikwissenschaftliche Institut der Universität Tübingen jetzt abgeschlossen. Durchgeführt wurde die Untersuchung von Susanne Blancke, Andrea Lindlohr und Josef Schmid von der Abteilung Innen- und EU-Politik und politische Theorie. Die Untersuchung wurde in drei Abschnitte gegliedert: Ein Benchmarking auf der Grundlage von Arbeitsmarktfaktoren, ein anderes auf der von Wirtschaftsindikatoren, in einem dritten wurden Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsbenchmarking kombiniert. Als Indikatoren des dritten Benchmarking dienten Arbeitslosenquote, Erwerbsquote, Bruttowertschöpfung pro Kopf der Bevölkerung, Investitionen pro Beschäftigten im produzierenden Gewerbe und Insolvenzen pro tausend Einwohner.

Anhand der standardisierten Einzelindikatoren wurden die Stärken und Schwächen der einzelnen Länder herausgearbeitet und ein Ranking nach ihrer sozio-ökonomischen Lage aufgestellt. Mit der Untersuchung sollen die Unterschiede in den Lebensverhältnissen der deutschen Bundesländer deutlich gemacht und eine Basis für künftige Untersuchungen der Landespolitiken und ihrer Wirkungsweisen geliefert werden. Dies wird von den Politikwissenschaftlern als Voraussetzung von Entwicklungs-
prozessen und Wettbewerb in den Ländern begriffen.

Das Benchmarking wurde für jedes Land zu zwei Zeitpunkten, 1993 und 1998, für den Arbeitsmarkt 1999, vorgenommen. Insgesamt weisen Bayern, Baden-Württemberg und mit leichten Abstrichen auch Hessen fast durchgängig besonders gute Leistungsdaten auf. Baden-Württemberg liegt ähnlich wie Bayern bei den meisten Werten an der Spitze, je nach Indikator leicht vor oder hinter Bayern. Im Vergleich zu anderen West-Bundesländern liegt die Erwerbsquote in Baden-Württemberg recht hoch, sie ist jedoch zu beiden Zeitpunkten spürbar schlechter als in Bayern (1993: 73,0 Prozent; 1999: 72,9 Prozent; Bayern 1993: 75,5 Prozent 1999: 74,8 Prozent). Deutlich schwächer als für Bayern sind auch die Werte für die Langzeitarbeitslosigkeit in Baden-Württemberg: 34,2 Prozent der Arbeitslosen waren 1999 in Baden-Württemberg ein Jahr und länger arbeitslos, in Bayern dagegen nur 29,7 Prozent. Auch ist Baden-Württemberg in der Bruttowertschöpfung mittlerweile von Hessen und Bayern überholt worden. Während im produzierenden Gewerbe eine besonders hohe Bruttowertschöpfung erzielt wird (Platz 1 vor Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen), scheint der Wandel zur hochproduktiven Dienstleistungsgesellschaft noch etwas zu stocken. Hier fällt Baden-Württemberg sehr deutlich hinter Hessen, aber auch hinter Bayern zurück.

Im Mittelfeld des Rankings der Bundesländer, in dem die Daten zu Arbeitsmarkt und Wirtschaft kombiniert wurden, liegen die anderen West-Bundesländer. Besonders schwach zeigen sich die neuen Bundesländer, aber auch das Saarland und, besonders bei den Arbeitsmarktdaten, Bremen. Von allen ostdeutschen Bundesländer nimmt Brandenburg die beste Position ein. Die Arbeitslosenquote schneidet im Ost-Vergleich zwar gut ab, im Bundesdurchschnitt ist sie jedoch sehr hoch. Das schwächste Bundesland ist Sachsen-Anhalt. Das Land zeigt die geringste Bruttowertschöpfung, die höchste Arbeitslosigkeit und nach Sachsen die meisten Insolvenzen.

Zusammenfassend zeigen sich sehr große Unterschiede in der wirtschaftlichen Lage der Bundesländer. Die Politikwissenschaftler führen dies nicht allein auf die Politik der Landesregierungen zurück. "Unterschiedliche ökonomische Strukturen und politische Strategien erzeugen gleichsam ein komplexes Laboratorium", lautet ihr Fazit.

Ergebnisse des kombinierten Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsbenchmarkings 1998:

1: Bayern
2: Baden-Württemberg
3: Hessen
4: Niedersachsen
5: Schleswig-Holstein
6: Rheinland-Pfalz
7: Nordrhein-Westfalen
8: Saarland
9: Brandenburg
10: Thüringen
11: Sachsen
12: Mecklenburg-Vorpommern
13: Sachsen-Anhalt

(im kombinierten Wirtschafts- und Arbeitsmarktbenchmarking wurden aus statistischen Gründen die Stadtstaaten nicht berücksichtigt)

Nähere Informationen: Susanne Blancke, Andrea Lindlohr und Josef Schmid, Institut für Politikwissenschaft, Melanchthonstraße 36, 72074 Tübingen, Tel. 0 70 71/ 29-72926.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Michael Seifert | idw

Weitere Berichte zu: Arbeitslosenquote Benchmarking

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Trotz Dämpfer auf gutem Niveau
25.04.2018 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig
24.04.2018 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Impfstoff-Kandidat gegen Malaria erfolgreich in erster klinischer Studie untersucht

25.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Erkheimer Ökohaus-Pionier eröffnet neues Musterhaus „Heimat 4.0“

25.04.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

25.04.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics