Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Functional Food verspricht Wachstumspotenziale für die Lebensmittelindustrie

16.11.2000


... mehr zu:
»Lebensmittelindustrie
Mehr als nur Nahrung / Aber noch keine Heilmittel / Funktionelle Lebensmittel sind ein Milliardenmarkt / Doch müssen die Produkte den Zielgruppen erst noch schmackhaft gemacht werden

"Funktionelle Lebensmittel", unter Wissenschaftlern Functional Food genannt, werden erhebliche Potenziale für den Erhalt und die Verbesserung der Gesundheit der Bevölkerung zugeschrieben. Sie eröffnen der Lebensmittelindustrie zugleich neue Wachstumsmöglichkeiten. Davon geht eine Untersuchung aus, die das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe, für das Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung beim Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat, Bern, durchgeführt hat.

Functional Food sind verarbeitete Lebensmittel, die nicht nur der Sättigung und Nährstoffzufuhr dienen. Sie versprechen dem Verbraucher gleichzeitig einen Zusatznutzen. Sie sollen das körperliche und seelische Wohlbefinden steigern und ernährungsbedingte Krankheiten vorbeugen. Functional Food bewegt sich somit in einer Übergangszone zwischen Lebensmitteln und Heilmitteln.

Aufgrund unterschiedlicher Definitionen und Abgrenzungen schwanken die Angaben zum Weltmarktvolumen für die funktionellen Lebensmittel zwischen 10 Mrd. und 20 Mrd. Euro. Wichtigster und dynamischster Markt sind die Vereinigten Staaten. Der europäische Markt wird auf 1,4 bis 1,7 Mrd. Euro geschätzt. Damit liegt der Anteil für Functional Food unter 1 Prozent des Lebensmittelmarktes in Europa. Doch beträgt das Umsatzwachstum in der Schweiz beispielsweise rund 20 Prozent. Und in Deutschland kann von einer ähnlich hohen Dynamik ausgegangen werden.

Bei den funktionellen Lebensmitteln dürfte es sich nach Ansicht der Fraunhofer-Forscher um einen nachhaltigen Trend handeln. Zum einen interessieren sich die Lebensmittelindustrie, der Handel und die Konsumenten für dieses Segment. Zum anderen begünstigt die Verschiebung der Altersstruktur der Bevölkerung sowie das steigende Interesse der Konsumenten für Fragen der Gesundheit und Ernährung die Nachfrage. Ein Massenmarkt wird jedoch nicht erwartet, eher ein Multinischenmarkt.

Eine wichtige Zielgruppe wären ältere Menschen, da gerade dort die gesundheitspolitisch relevanten, ernährungsbedingten Erkrankungen auftreten und diese Personengruppe in Zukunft zahlenmäßig überproportional zunehmen wird. Doch die Anbieter von Functional Food erreichen diese Gruppe bisher kaum. Sie hat zudem keinen hohen Stellenwert bei den in der Industrie verfolgten Produktentwicklungen und Marketingstrategien. Ähnliches gilt für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche.

Dennoch zeichnet sich mit der Entwicklung von Functional Food ein Paradigmenwechsel in der Ernährungsforschung ab. Die Wirkungen von Lebensmittelbestandteilen werden gezielt auf physiologische Funktionen hin erforscht, und das Wissen dazu genutzt, die Qualitätseigenschaften von Lebensmitteln systematisch zu optimieren. Auf diese Weise rückt die Ernährungsforschung enger an die medizinische und pharmazeutische Forschung heran. Neue wissenschaftliche und technische Ansätze dazu werden gegenwärtig überwiegend in der Industrie entwickelt und angewendet.

Die funktionellen Lebensmittel enthalten Inhaltsstoffe, die vor allem auf Körperfunktionen wirken wie das Wachstum, den Stoffwechsel, die Abwehr reaktiver Oxidantien, das Herz-Kreislauf-System, die Physiologie des Magen-Darm-Trakts sowie auf das Verhalten und die Stimmung oder auf die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit. Die wichtigsten Wirkstoffgruppen sind derzeit Pro-, Pre- und Synbiotika, Antioxidantien, sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, strukturierte Lipide, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Fettersatz- und -austauschstoffe, bioaktive Peptide sowie Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine. Aktuell werden Functional Food vor allem für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Osteoporose und die Magen-Darm-Gesundheit entwickelt. Viele funktionelle Lebensmittel zielen auf ernährungsbedingte Krankheiten. Immerhin zeigen Untersuchungen, dass rund zwei Drittel der Sterbefälle in Deutschland auf Ernährungskrankheiten zurückzuführen sind.

Die Analyse und Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit von Functional Food sind derzeit zentrale Aspekte der aktuellen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskussion. Abgrenzungsprobleme stellen sich für funktionelle Lebensmittel zur Gesundheitsförderung. Ihre Zuordnung hängt davon ab, ob ein Produkt für medizinisch definierte Krankheiten oder Krankheitssymptome eingesetzt wird. In diesem Falle unterstände es in der Schweiz beispielsweise der strengeren Heilmittelgesetzgebung.

Rechtliche Regelung spielen daher eine wesentliche Rolle. Die zurzeit vorhandene Unsicherheit, Functional Food als Lebens- oder Heilmittel zu bewerten, erschwert die Diskussion. Um dieser Unsicherheit zu begegnen, empfehlen die Autoren der Studie, zwischen den für die Lebensmittel- und für die Heilmittelkontrolle zuständigen Instanzen eine effiziente Prozedur zur Klärung von Abgrenzungsproblemen einzurichten. Die Öffentlichkeit sollte dabei regelmäßig über die geltende Rechtslage und die Zuordnung von Functional Food unterrichtet werden.

Die Studie "Functional Food" und die dazugehörige populärwissenschaftliche Kurzfassung in deutsch, französisch und englisch können kostenlos bezogen werden beim schweizerischen Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung, Inselgasse 1 in CH-3003 Bern
(Telefon: +41 31 322 99 63, Fax: +41 31 323 36 59, E-Mail: ta@swr.admin.ch).

Das Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung ISI erweitert das naturwissenschaftlich-technisch orientierte Fachspektrum der Fraunhofer-Gesellschaft um wirtschafts- und gesellschaftspolitische Aspekte. Dazu analysiert es technische Entwicklungen sowie deren Marktpotenziale und Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Die interdisziplinär zusammengesetzten Teams des Instituts konzentrieren sich insbesondere auf die Bereiche Energie, Umwelt, Produktion, Kommunikation und Biotechnologie sowie auf die Regionalforschung und Innovationspolitik.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dipl.-Phys. Gerhard Samulat | idw

Weitere Berichte zu: Lebensmittelindustrie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht IAB-Arbeitsmarktbarometer: Beschäftigung legt weiter zu
29.05.2017 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise