Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gesundheitswirtschaft in der doppelten Modernisierungsfalle

10.07.2008
Neuerscheinung aus dem IAT beleuchtet Gestaltungs- und Qualifizierungsbedarf

Qualifizierte Arbeit ist die Achillesferse der prosperierenden Gesundheitswirtschaft. Denn der derzeitige und noch wachsende Fachkräfteengpass in zentralen Berufsgruppen der Gesundheitswirtschaft ist hausgemacht.

Arbeitsbedingungen und -organisation sind oft veraltet und das System der beruflichen Bildung aktuell nur bedingt auf die Modernisierung und Professionalisierung der Branche eingestellt. Diese Thesen stehen im Mittelpunkt einer Neuerscheinung aus dem Institut Arbeit und Technik (IAT) der Fachhochschule Gelsenkirchen. Ist die Gesundheitswirtschaft "große Hoffnung oder Sorgenkind"?

Die Gesundheitswirtschaft gilt mit ihren derzeit rund 4,5 Millionen Beschäftigten als Wachstumsbranche. Die Aufbruchstimmung darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Branche derzeit, wie die Untersuchungen der Sozialwissenschaftlerin Michaela Evans vom IAT zeigen, in einer "doppelten Modernisierungsfalle" befindet: Einerseits agieren Berufs-, Beschäftigungs- und Bildungssystem in zentralen Gesundheitsberufen weitgehend entkoppelt voneinander. Andererseits werden in den Unternehmen und Einrichtungen nur selten Organisations- und Personalentwicklung systematisch miteinander verknüpft.

... mehr zu:
»Gesundheitswirtschaft »IAT

Was auf der einen Seite als erfolgreiche Modernisierung interpretiert wird, erweist sich bei näherer Betrachtung nicht selten als Einstieg in die Deprofessionalisierung. Um neue Angebots- und Arbeitsfelder zu erschließen ist eine integrierte Organisations-, Qualifikations- und Berufsfeldentwicklung dringend nötig, diese steht jedoch vielfach erst am Anfang.

Der Anspruch, "einfach gute Arbeit" leisten zu wollen, erscheint angesichts der hohen Arbeitsbelastung für viele Beschäftigte nur noch bedingt einlösbar. Die Verdichtung des Leistungsgeschehens in den Einrichtungen wird zudem durch Strukturumbrüche in der Personalzusammensetzung begleitet. Handlungsorientierte Professionalisierungsstrategien im Sinne einer Verzahnung von Arbeit, Organisation und Kompetenzentwicklung werden bislang kaum berücksichtigt.

Dem Anspruch einer "neuen Arbeitsteilung" zwischen den Gesundheitsberufen stehen, so Evans, derzeit segmentierte Professionalisierungs- und Organisationsstrategien gegenüber. Der Perspektivwechsel vom Verwaltungs- zum Managementparadigma in Unternehmen der Gesundheitswirtschaft konnte zudem nur bedingt zur Professionalisierung der Personalarbeit selbst beitragen.

Ob in der Gesundheitswirtschaft der Schritt vom "Sorgenkind" zur "großen Hoffnung" gelingt, wird vor allem davon abhängen, dass qualifiziertes Personal zur Verfügung steht. Ebenso wichtig ist aber auch, dass die Beschäftigten möglichst lange und gerne in der "Zukunftsbranche" arbeiten möchten und können. Dazu gehören moderne Arbeitsorganisation und Arbeitszeitgestaltung ebenso wie Konzepte, die die spezifischen Lebens-, Berufs- und Arbeitssituationen von Frauen in den Blick nehmen, denn diese stellen in vielen Gesundheitsberufen derzeit die Mehrheit der Beschäftigten.

Weitere Informationen:

Evans, Michaela, 2008: Die große Hoffnung oder Sorgenkind der Dienstleistungsökonomie? Die Gesundheitswirtschaft als Gestaltungsfeld personenbezogener Dienstleistungsarbeit.

Saarbrücken: VDM Verl. Dr. Müller. ISBN 978-3-8364-4442-2

Für Fragen steht Ihnen zur Verfügung:
Michaela Evans, Durchwahl: 0209/1707-121, E-Mail: evans@iat.eu
Claudia Braczko
Institut Arbeit und Technik
der Fachhochschule Gelsenkirchen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Munscheidstraße 14, 45886 Gelsenkirchen
Tel.: +49-209/1707-176, Fax: +49-209/1707-110
E-Mail: braczko@iat.eu

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://iat-info.iatge.de/
http://www.iat.eu

Weitere Berichte zu: Gesundheitswirtschaft IAT

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht Der Dauerläufer: Starke Binnennachfrage macht diesen Aufschwung robuster als seine Vorgänger
17.10.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

nachricht Positiv für die Volkswirtschaft: Die Zahl der Betriebsgründungen von Hauptniederlassungen steigt weiter
12.10.2017 | Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise