Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rentenmarkt: Vor einer Eintrübung am Zinshorizont?

09.07.2002


Während die internationalen Aktienmärkte in den vergangenen drei Wochen teilweise wilde Fahrten auf der Kursachterbahn vollführten, präsentierten sich die Festverzinslichen beidseits des Atlantiks überwiegend stabil. Die Rendite der als Euro-Benchmark fungierenden 10jährigen Bundesanleihe bewegte sich dabei in der Bandbreite von 4,88 und 5,0 Prozent, die Verzinsung der entsprechenden US-Treasury zwischen rd. 4,70 und 4,85 Prozent; angesichts der Vertrauenskrise an den Aktienbörsen konnten die Renditen der US-Staatstitel dabei im laufenden Jahr neue Tiefstände markieren.

... mehr zu:
»EZB »Zinshorizont

Insgesamt profitierten die Anleihen der als erstklassig eingestuften Staaten (im Gegensatz zu einer Vielzahl von Corporate Bonds und Emerging Market-Titeln) weiterhin von der Flucht in den "sicheren Hafen" angesichts zunehmender Bilanzmanipulationen sowie von widersprüchlichen Daten über die Konjunktur- und Unternehmensentwicklung. Wenn auch der Attentismus auf der Aktienseite deshalb zumindest bis zur Vorlage besserer US-Quartalsergebnisse in der zweiten Julihälfte gerechtfertigt scheint, spricht trotz gemischter Wirtschaftsindikatoren aus den Vereinigten Staaten und moderater Töne aus Europa vieles immer noch für das Szenario eines atlantikübergreifenden Aufschwungs. In dieses Bild passen u.a. die jüngsten Zahlen des amerikanischen Verbrauchervertrauens, der Wohnbaubeginne oder der Industrieaufträge. Auch Veröffentlichungen wie u.a. der US-Einkaufsmanager-Index (ISM) vom Juni (56,2 nach 55,7 Punkten) oder die Frühindikatoren vom Mai (plus 0,4 nach minus 0,3 Prozent) bestätigten einen gewissen Konjunkturoptimismus.

In Euroland sind die Aufschwungstendenzen nach wie vor verhalten. Dies signalisierte nicht zuletzt auch der Ifo-Geschäftsklimaindex vom Juni (91,3 nach 91,6 Punkten), wobei insbesondere die Zuversicht für die kommenden sechs Monate einen leichten Dämpfer erhalten hat. Positiver stellt sich dagegen die Lage an der Preisfront dar. Zwar hat sich das Geldmengenwachstum im Mai mit einer Jahresrate von 7,8 (April: 7,4) Prozent beschleunigt fortgesetzt, die Inflationsrate der Euro-Zone ist aber im Juni nach vorläufigen Berechnungen mit 1,7 (Mai: 2,0) Prozent auf den tiefsten Stand seit Dezember 1999 gesunken. Dabei müssen allerdings statistische Basiseffekte (die Vergleichspreise des vergangenen Jahres waren aufgrund höherer Lebensmittel- und Energiekosten stark gestiegen) berücksichtigt werden. Die EZB wird nach ihrem Null-Entscheid vom 4. Juli das Szenario weiter beobachten und bei einer Verschlechterung des stabilitätspolitischen Umfeldes (etwa durch die teilweise überzogenen Lohnerhöhungen) nicht vor einem Zinsschritt im Herbst (um 25 Basispunkte) zurückschrecken. Momentan wird den Währungshütern ihre Entscheidung aber durch Dollarabwertung und Konjunkturschwäche erleichtert.


Per saldo sollten Rentenanleger im späteren Jahresverlauf mit einer leichten Eintrübung des Zinshorizontes rechnen. Mit Ausnahme des Schreckensbildes "double dip" dürfte sich für Fed wie EZB kaum ein Grund ergeben, an der gegenwärtigen lockeren Geldpolitik festzuhalten. Als zusätzliche Belastung könnte eine stärkere Inanspruchnahme der Bondmärkte durch die beidseits des Atlantiks zunehmende Staatsverschuldung hinzukommen. Vorsichtige Neuengagements empfehlen sich deshalb momentan vor allem im kürzeren Laufzeitenbereich.

Ihre Ansprechpartner bei der LRP Landesbank Rheinland-Pfalz:

Bereich: Sparkassen-Privatkunden-Research

Hans Beth
Tel.: 06131 / 132616,
Fax: 06131 / 132574
E-Mail: hans.beth@LRP.de


Thomas Hollenbach
Tel.: 06131 / 132339,
Fax: 06131 / 132574
E-Mail: thomas.hollenbach@LRP.de

Hans Beth | LRP Landesbank Rheinland-Pfalz

Weitere Berichte zu: EZB Zinshorizont

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index sinkt nach März-Hoch
23.05.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt niedrig
19.05.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften