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Im Trend: Unternehmenskooperationen und Netzwerke

08.07.2002


FH Bielefeld und IHK Ostwestfalen zu Bielefeld untersuchen Unternehmenskooperationen



Steigender Kosten-, Innovations- und Wettbewerbsdruck zwingt Unternehmen heute immer stärker, sich strategisch neu zu orientieren. Allerdings können viele Unternehmen nicht alle Markt- und Wettbewerbsanforderungen selbst abdecken. Deshalb verstärken sie ihre Zusammenarbeit zunehmend durch Netzwerke. Wie Unternehmen in Ostwestfalen den neuen Herausforderungen am Markt begegnen und Kooperationsformen nutzen, hat Professor Dr. Thomas Rautenstrauch vom Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule (FH) Bielefeld in Zusammenarbeit mit der Industrie und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen zu Bielefeld in einer empirischen Studie untersucht.



"Das Ziel dieser Untersuchung war es", so Professor Dr. Rautenstrauch zu der empirischen Untersuchung, "neben dem gegenwärtigen Stand und der Verbreitung von Kooperationsvereinbarungen produzierender Unternehmen, auch Unternehmensnetzwerke und deren Erfolgsfaktoren näher zu betrachten." Zu diesem Zweck wurden insgesamt 1.487 produzierende Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern im Zeitraum von November 2001 bis Januar 2002 schriftlich befragt.

Bei einer Betrachtung der teilnehmenden Unternehmen fällt auf, dass diese mit einem Anteil von 92% zu der Gruppe der Klein- und Mittelunternehmen (KMU) gehören und dabei vorwiegend aus den Branchen Metallverarbeitung, Maschinenbau und der Möbelherstellung stammen.

Die Ergebnisse der Untersuchung lassen erkennen, dass nahezu zwei Drittel aller befragten Unternehmen bereits über Erfahrungen mit Unternehmensnetzwerken oder bilateralen Kooperationsvereinbarungen verfügen. Als Netzwerk wird dabei im Rahmen der Untersuchung ein Verbund von drei oder mehr Unternehmen angesehen.

Die Untersuchung kommt im Vergleich zu weit verbreiteten Ansichten zu einer Reihe neuer Erkenntnisse: So kann die vielfach gefundene Behauptung widerlegt werden, dass insbesondere kleinere Unternehmen vergleichsweise häufiger zwischenbetriebliche Kooperationen eingehen. Das Gegenteil ist der Fall, da die Untersuchung einen stärkeren Trend zur Kooperation vor allem bei den vergleichsweise größeren Unternehmen aufzeigt.

"Vor allem für kleinere Betriebe", analysiert Dr. Rautenstrauch weiter, "ergibt sich dennoch ein wichtiges Motiv zur Unternehmenskooperation aus der wirtschaftlichen Notwendigkeit, Größenvorteile zu erzielen. Diese können sich durch die partnerschaftliche Bündelung von gemeinsamen Ressourcen in den Bereichen Vertrieb, Beschaffung, Service und Produktion ergeben, um so bestehende Markteintrittsbarrieren zu überwinden."

Dass Unternehmenskooperationen keine Angelegenheit erfolgloser Unternehmen ist, zeigen die Untersuchungen auf. So verfügen mit einem Anteil von zwei Dritteln vor allem erfolgreiche Betriebe, die in den letzten fünf Jahren im Verhältnis zur Branche stärker oder sogar viel stärker gewachsen sind, über erheblich mehr Kooperationserfahrungen als diejenigen mit nur unterdurchschnittlichem Wachstum.

Die an der Befragung teilnehmenden Unternehmen, die bisher noch über keine Kooperationserfahrung verfügen, haben sich mit überwältigender Mehrheit positiv dazu geäußert, zukünftig Kooperationen eingehen zu wollen. Hierbei wird deutlich, dass auch kleinere Unternehmen die wachsende Bedeutung und Notwendigkeit von Kooperationen erkennen und somit ein hohes Interesse an einer zukünftigen Partnerschaft besitzen.

Hohe Bedeutung von Netzwerken

Auf die Frage nach der Existenz und Verbreitung von Unternehmensnetzwerken wurden durch die Untersuchung vor allem folgende Antworten gefunden:

Die Anzahl der Kooperationspartner liegt überwiegend zwischen zwei und fünf. Damit ist ein klarer Trend zum Unternehmensnetzwerk zu erkennen, da weniger als ein Drittel der befragten Unternehmen angaben, ausschließlich bilaterale Kooperationsbeziehungen zu führen.

Bei näherer Betrachtung der Unternehmensnetzwerke lässt sich beobachten, dass solche Unternehmen, die vor mehr als 10 Jahren gegründet wurden, Netzwerke den bilateralen Kooperationsvereinbarungen vorziehen, während dieses bei den jüngeren Unternehmen so nicht der Fall ist. Als eine mögliche Ursache hierfür kann aus Sicht der Untersuchung vor allem das Fehlen von langjährigen und vertrauensvollen Geschäftsbeziehungen angesehen werden. So ist es insbesondere der Faktor Vertrauen, der den Erfolg oder auch Misserfolg einer Kooperationsbeziehung ausmacht. Weiterhin wurde festgestellt, dass es die Funktionsbereiche Beschaffung bzw. Einkauf, Fertigung sowie Marketing und Vertrieb sind, die vergleichsweise häufig den Gegenstand eines Unternehmensnetzwerkes bilden.

Insgesamt kann festgestellt werden, dass die Organisationsform des Unternehmensnetzwerkes zunehmend an Popularität gewinnt.

Die Ergebnisse der Untersuchung stellt Professor Dr. Thomas Rautenstrauch im Rahmen einer Informationsveranstaltung der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld zu dem Thema "Kooperationen und Neztwerke für KMU" vor am Dienstag, 9. Juli 2002, 15:00 Uhr, Ostwestfalen-Saal der Industrie und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld, Elsa-Brändström-Straße 1-3; 33602 Bielefeld.

Kontakt:
Professor Dr. Thomas Rautenstrauch
Fachhochschule Bielefeld
Fachbereich Wirtschaft
Universitätsstraße 25
33615 Bielefeld
fon 0521/106-3755
e-mail thomas.rautenstrauch@fh-bielefeld.de

Petra Werdin | idw

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