Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Innovationsdynamik durch Finanzierungsbedingungen und Fachkräftemangel beeinträchtigt

29.05.2008
Expertenkommission der Bundesregierung fordert Änderungen in der Innovationspolitik

Mit den Finanzierungsbedingungen für Innovationen steht es in Deutschland nach wie vor nicht zum besten.

Innovationsfeindliche Regelungen des Steuersystems erweisen sich immer noch als Hemmschuh für eine dynamische Entwicklung. Zudem macht Fachkräftemangel den Unternehmen zunehmend zu schaffen. Darauf hat die von der Bundesregierung im Zuge der Neuordnung der Innovationsberatung eingesetzte Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) anläßlich des jüngst vorgelegten Bundesberichts Forschung und Innovation hingewiesen. Der Bundesbericht wurde am 21. Mai 2008 vom Bundeskabinett beschlossen und wird heute dem Bundestag vorgestellt.

Was Forschung und Innovation angeht, steht Deutschland unverändert vor einem Berg von Aufgaben. Politik, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen, so der Bundesbericht, können sich mit dem Erreichten nicht zufrieden geben. "Die Bundesregierung hat deshalb angekündigt, alle Rahmenbedingungen zu prüfen, mit denen das Innovationsklima in Deutschland weiter verbessert werden kann.

Aus Sicht der EFI sollte den Finanzierungsbedingungen für Innovationen dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Hier besteht unverändert erheblicher Verbesserungsbedarf", so Professor Dietmar Harhoff, Vorsitzender der Expertenkommission.

Der Entwurf des Modernisierungsgesetzes Wagniskapital (MoRaKG) bringt nach Ansicht der EFI nur marginale Verbesserungen. Die Situation von Business Angels, Wagniskapitalfinanzierern und wachstumsorientierten Gründungen in Deutschland bleibt weiterhin unbefriedigend. Deutschland verfügt zwar inzwischen über ein leistungsstarkes System der staatlichen Frühphasenfinanzierung neuer Unternehmen. Die Anreize für private Akteure, in die riskante Entwicklung von Technologien zu investieren, werden aber durch innovationsfeindliche Bestimmungen des Steuersystems konterkariert.

Die EFI hatte schon in ihrem Ende Februar dieses Jahres vorgelegten Gutachten kritisiert, dass das deutsche Steuersystem die Finanzierungsmöglichkeiten insbesondere für junge, innovative Unternehmen erheblich einschränkt. Die unterschiedliche Behandlung von Eigen- und Fremdkapital sowie die beschränkte Nutzung von Verlustvorträgen wirken als Innovationsbremse. "Steuerpolitik ist immer auch Innovationspolitik. Eine Steuerpolitik, die Innovation nicht fördert oder sogar behindert, ist fehlgeleitet", betont Harhoff. Das Steuersystem in Deutschland muss Forschung und Innovation besser unterstützen. Zugleich müssen die Rahmenbedingungen für Wagniskapital verbessert werden. Die Kommission empfiehlt außerdem die Einführung einer steuerlichen FuE-Förderung.

Auch in der Bildung sieht die EFI Nachholbedarf. Das traditionelle deutsche Bildungssystem hat sich lange Zeit bewährt, fällt aber im internationalen Vergleich seit etwa einem Jahrzehnt sichtbar zurück.

Fachkräftemangel ist bereits jetzt in vielen Sektoren ein Hemmnis und könnte das Innovationssystem dauerhaft belasten. Deutschland muss seine gesamtstaatlichen Aufwendungen für Bildung deutlich erhöhen, um wirksam gegensteuern zu können. Maßnahmen zur Verbesserung des Bildungssystems müssen schon in frühen Lebensphasen ansetzen, betont die Kommission.

Die unabhängige Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) ist im August 2006 von der Bundesregierung eingesetzt worden. Sie bündelt den interdisziplinären Diskurs zur Innovationsforschung von Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Bildungsökonomie, Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie der Technikvorausschau. Die Kommission leistet wissenschaftliche Politikberatung für die Bundesregierung und legt regelmäßig Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands vor. Wesentliche Aufgabe der EFI ist es dabei, die Stärken und Schwächen des deutschen Innovationssystems im internationalen und zeitlichen Vergleich zu analysieren und die Perspektiven des Forschungs- und Innovationsstandorts Deutschland zu bewerten. Auf dieser Basis entwickelt die EFI Vorschläge für die nationale Forschungs- und Innovationspolitik.

Dr. Nicolai Hammersen | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.e-fi.de

Weitere Berichte zu: EFI Innovationspolitik Steuersystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index weiter aufwärts gerichtet
23.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht RWI erhöht Konjunkturprognose für 2017 leicht auf 1,3 Prozent
15.03.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Impfstoffe zuverlässig inaktivieren mit Elektronenstrahlen

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Darmkrebs: Wenn die Wachstumsbremse fehlt

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Riesensalamander, Geckos und Olme – Verschwundene Artenvielfalt in Sibirien

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie