Schwellenländer werden zum Innovationsmotor der Welt

Das Innovationsgeschehen verlagert sich mit rasantem Tempo aus den traditionellen Technologieschmieden USA, Europa und Japan in wachstumsstarke Schwellenländer wie China oder Korea.

Die Gruppe der „Aufhol-Länder“ konnte zwischen 1995 und 2005 ihren Anteil an den weltweit im Wirtschaftssektor angefallenen Forschungs- und Entwicklungsausgaben (FuE) verdoppeln. China, Indien, Korea, Taiwan, Singapur, die mittel und osteuropäischen EU-Mitglieder, Russland sowie Brasilien und Mexiko konnten ihren Anteil an den Welt-FuE-Aufwendungen der Wirtschaft von knapp 12 Prozent auf 24 Prozent steigern.

Von den weltweiten Ausgaben in Höhe von 653 Milliarden US-Dollar (bemessen in Kaufkraftparitäten) entfielen 158 Milliarden US-Dollar auf diese Schwellenländer. Sie liegen damit inzwischen deutlich vor Westeuropa (EU-15).

Die rasch zunehmenden FuE-Aktivitäten der Schwellenländer haben das weltweite Wissenspotenzial deutlich ausgeweitet: Mit 47 Prozent entfallen fast die Hälfte der seit 2000 in der Welt zusätzlich aufgebrachten FuE-Aufwendungen der Wirtschaft auf die Gruppe der Aufhol-Länder. Deutschlands FuE-Gewicht in der Welt hat in dieser Zeit von acht auf sechs Prozent abgenommen, nachzulesen in der Publikation „Forschungslandschaft Deutschland“ des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, die heute veröffentlicht wurde.

Global agierende Unternehmen verlagerten zunehmend FuE-Aktivitäten nach Asien, um von der stürmischen Ausweitung der wissenschaftlichen Forschung und des wachsenden Angebots an qualifiziertem Personal teilzuhaben, analysieren die Autoren. „Die weltweite Entwicklung bietet für Deutschland aber viel mehr Chancen als Risiken“, sagt Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbandes. Der steigende Wohlstand öffne der deutschen Wirtschaft neue Märkte für hochwertige Produkte, zugleich steige die Innovationskraft der Bundesrepublik dank einer wachsenden technologischen Arbeitsteilung mit den Schwellenländern, so Schlüter.

Damit Deutschland vom weltweiten Forschungsboom profitiere, müsse es aber seinen Fachkräftemangel in den Griff bekommen, mahnte Schlüter. Gerade die hohen Abbrecherquoten in naturwissenschaftlichen und Ingenieurstudiengängen sieht der Stifterverband mit Sorge. Zum anderen müssten deutsche Hochschulen deutlich mehr internationale Studierende anziehen.

„Inder oder Brasilianer, die bei uns studieren und später in ihr Heimatland zurückkehren, nehmen eine wichtige Brückenfunktion auch für deutsche Unternehmen ein“, sagte Schlüter. Das internationale Hochschulmarketing müsse hierzulande deutlich verbessert werden. Auch seien die Hochschulen aufgerufen, die Betreuung ausländischer Studenten zu intensivieren.

Stichwort Kaufkraftparitäten:
Kaufkraftparitäten (KKP) stellen einen Korrekturfaktor dar, um Verzerrungen durch Wechselkursschwankungen auszugleichen. Die KKP geben an, wie viel eine Ware, die in den USA einen US-Dollar kostet, in dem jeweiligen Land (ebenfalls in US-$) kosten würde. In Industrieländern sind in KKP angegebene Dollar-Werte in der Regel niedriger, in Entwicklungsländern dagegen höher als die mit offiziellen Wechselkursen umgerechneten Dollar-Beträge.
Die Veröffentlichung:
Harald Legler, Birgit Gehrke, Heike Belitz, Christoph Grenzmann:
Forschungslandschaft Deutschland – Dynamik, Struktur, Globalisierung und Regionalverteilung von FuE im internationalen Umfeld
Materialien der Stifterverband-Wissenschaftsstatistik, Heft 16
ISBN-10: 3-922275-24-9
Autoren aus dem Niedersächsischen Institut für Wirtschaftsforschung, dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und der Stifterverband-Wissenschaftsstatistik analysieren darin die Position Deutschlands im globalen Zusammenhang.
Bezug und Rückfragen:
Frank Stäudner
Telefon: 0201 8401-158
E-Mail: frank.staeudner@stifterverband.de

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Michael Sonnabend idw

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