Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Manisch-depressive" Schwankungen der Finanzmärkte schädigen Wirtschaftsentwicklung

13.02.2008
Längsschnitt-Analyse in den WSI Mitteilungen

Die Kurse an den Finanz- und Rohstoffmärkten schwanken mit großen Ausschlägen um ihre realwirtschaftlich begründeten "Fundamentalwerte", ohne diese dauerhaft zu erreichen.

Dadurch setzen die Märkte "systematisch falsche" Preissignale und Anreize, die die Entwicklung der Realwirtschaft beeinträchtigen. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Stephan Schulmeister, Wissenschaftler am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) in Wien, in einem Beitrag in den WSI-Mitteilungen (Ausgabe 12/2007).

Der Wirtschaftsforscher untersucht die Mechanismen, nach denen sich die Kurse an den internationalen Märkten für Aktien, Devisen oder Rohstoffe bilden, seit den 80er Jahren. Schulmeister stützt sich auf umfassende Analysen historischer Kursdaten von unterschiedlichen Märkten.

... mehr zu:
»Finanzmarkt »Realwirtschaft

Seine Beobachtung ständig über- und unterschießender Kurse steht im Gegensatz zu den Annahmen der ökonomischen Theorie, die davon ausgeht, dass Marktpreise sich wie ein Pendel oder Mobile verhalten, also mit immer kleiner werdenden Ausschlägen auf ihr Gleichgewicht zusteuern.

Schulmeister charakterisiert die realen Entwicklungen an den Märkten dagegen als "manisch-depressive Schwankungen". Einen wesentlichen Grund sieht der Wirtschaftsforscher im Verhalten der Mehrheit der Börsenhändler: Kurzfristig orientierte Trader legten ihren Kauf- und Verkaufsentscheidungen keine Fundamentalanalysen zur Bestimmung wirtschaftlich gerechtfertigter Kursniveaus zugrunde. Stattdessen achteten sie nur darauf, ob sich Kurse tendenziell nach oben oder unten bewegen. Dieses "trending" destabilisiere die Kurse permanent, statt sie in Richtung Gleichgewicht zu bewegen.

Die "manisch-depressiven Schwankungen" von Wechselkursen, Aktien- und Rohstoffpreisen führen nach Schulmeisters Analyse regelmäßig zu starken Finanz-Turbulenzen. Diese seien eine "wichtige Ursachen für Rezessionen". Als Beispiele nennt der Forscher die Jahre 2000 bis 2003, als der Verfall der Aktienkurse und der Anstieg von Ölpreis und Eurokurs wesentlich zum Wirtschaftsabschwung in Europa beitrugen.

Die Tendenz zu irrational starken Kursausschlägen an den Märkten schwäche die Realwirtschaft auch noch aus einem zweiten Grund, so Schulmeister: In der Hoffnung auf höhere Renditen verzichteten Unternehmen zunehmend auf Investitionen in ihre realwirtschaftlichen Aktivitäten, um Geld an den Finanzmärkten anzulegen. Dieser "Megatrend" sei in Deutschland besonders ausgeprägt.

PM mit Ansprechpartnern
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/320_90133.html
Mehr im Böckler Impuls 2/2008
http://www.boeckler.de/pdf/impuls_2008_02_4-5.pdf
WSI-Mitteilungen 12/2007
http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/169_89940.html
Mit den Veränderungen der Finanzsysteme sowie den Hintergründen der Finanzkrise beschäftigt sich auch eine neue Studie des IMK. Mehr im Böckler Impuls 1/2008:

http://www.boeckler.de/cps/rde/xchg/hbs/hs.xsl/32014_90019.html

Rainer Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de

Weitere Berichte zu: Finanzmarkt Realwirtschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Wirtschaft Finanzen:

nachricht RWI/ISL-Containerumschlag-Index bleibt aufwärts gerichtet
20.07.2017 | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

nachricht Frühwarninstrument zeigt „grün“ - IMK-Konjunkturindikator: Rezessionsgefahr bleibt gering
19.07.2017 | Hans-Böckler-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Wirtschaft Finanzen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

Recherche-Reise zum European XFEL und DESY nach Hamburg

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Lupinen beim Trinken zugeschaut – erstmals 3D-Aufnahmen vom Wassertransport zu Wurzeln

24.07.2017 | Biowissenschaften Chemie