Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pendelverhalten in deutschen Großstadtregionen untersucht: Der Weg zur Arbeit wird immer länger – statt kürzer

06.10.2010
Arbeitsplätze verlassen die Städte – das ist in der Raumplanung seit Langem bekannt.

In Großstadtregionen verlagern sich Arbeitsplätze, genauso wie Wohnstandorte, mehr und mehr aus den Zentren ins Umland – Beschäftigungssuburbanisierung nennen die Forscher diese Entwicklung – und die Pendelwege werden kürzer, so eine gängige Theorie.

Vier Wissenschaftler von der Fakultät Raumplanung der TU Dortmund haben nun deutsche Großstadtregionen untersucht – und kamen zu einem anderen Ergebnis: Immer mehr Menschen verlassen auf dem Weg zur Arbeit ihre Wohngemeinde und legen dabei immer weitere Strecken zurück.

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts Räumliche Erreichbarkeiten und die Dynamik der Pendlerverflechtungen in Deutschland und der Schweiz haben Dennis Guth, Prof. Christian Holz-Rau, Markus Maciolek und PD Joachim Scheiner den Einfluss der Beschäftigungssuburbanisierung auf Berufswege in deutschen Agglomerationsräume untersucht.

Anhand von gemeindegenauen Daten aus den Volkszählungen 1970 und 1987 sowie den Beschäftigtenstatistiken 1999 und 2007 soll eine Zeitkette über 37 Jahre geknüpft werden. Das Team von der TU Dortmund liefert nun die Ergebnisse für den Zeitraum von 1999 bis 2007.

Und in diesen Jahren hat sich die Raumstruktur anders entwickelt als erwartet: Klassische Beschäftigungssuburbanisierung, also die Abnahme von Arbeitsplätzen in Zentren und die Zunahme in der Peripherie, findet anders als in den 1990er Jahren zumindest in den untersuchten deutschen Regionen gar nicht mehr statt. Stattdessen haben sich weiche Formen entwickelt: „In manchen Regionen wächst zum Beispiel die Zahl der Arbeitsplätze im Umland schneller als im Kern, in anderen schrumpft sie langsamer“, erklärt Dennis Guth. In einigen Agglomerationsräumen waren sogar Reurbanisierungstendenzen zu verzeichnen: Statt auf der „grünen Wiese“ entstehen Arbeitsplätze wieder verstärkt in der Stadt.

Auch die Wege verkürzen sich nicht – im Gegenteil: Sowohl die Zahl der Pendler als auch die Distanzen werden größer. „Immer mehr Menschen verlassen auf dem Weg zur Arbeit die eigene Gemeinde, selbst dann, wenn am Wohnort die Zahl der Arbeitsplätze steigt“, weiß Dennis Guth. „Es gibt weniger Binnenpendler und mehr Ein- und Auspendler.“ Dazu tragen zum Beispiel die Spezialisierung auf dem Arbeitsmarkt, Zweiverdienerhaushalte und die Selbstverständlichkeit bei, zur Arbeit weit zu fahren. Außerdem setzen gerade im Umland einige Gemeinden auf die Schwerpunkte Wohnen oder Arbeiten, wodurch zunehmendes Pendeln ausgelöst wird.

Bis jetzt sprechen diese Ergebnisse nur für die Entwicklung in einzelnen Großstadtregionen in Deutschland. Bis das DFG-Projekt im März 2011 endet, sollen gesamtdeutsche Daten ausgewertet werden, und zwar gemeindegenau. Im Anschluss sollen die Ergebnisse mit Befunden aus der Schweiz abgeglichen werden.

Kontakt:
Dennis Guth
Tel. (0231) 755-7862
E-Mail: dennis.guth@tu-dortmund.de
Weitere Informationen:
Dennis Guth, Christian Holz-Rau, Markus Maciolek, Joachim Scheiner: Beschäftigungssuburbanisierung, Siedlungsstruktur und Berufspendelverkehr: Ergebnisse für deutsche Agglomerationsräume 1999-2007.

Download: http://www.springerlink.com/content/l16u484824586112/fulltext.pdf

Ole Lünnemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-dortmund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa
22.02.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Zurück im Depot: AERO-TRAM schließt Messungen ab
13.02.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie