Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutsche Autobahnen - Entwicklung und Flächenwirkung

20.10.2005


Im Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. (IÖR) wurde die Entwicklung und Umweltwirkung des deutschen Autobahnnetzes von 1935 bis 2000 analysiert. Autobahn-Anschlussstellen haben eine hohe Anziehungskraft für Siedlungsentwicklungen wie Gewerbe und Wohnen, die Flächeninanspruchnahme ist in diesen Bereichen erheblich höher. Die Arbeiten des IÖR ermöglichen Prognosen zur Siedlungsentwicklung um neue Anschlussstellen von Autobahnen. Sie stellen ein wichtiges Instrument für eine zukünftig umweltverträgliche, flächenschonendere und effizientere Planung dar sowohl für den Bundesverkehrswegeplan wie auch das transeuropäischen Verkehrsnetzwerkes Autobahnen sind Lebensadern moderner Staaten. Deutschland hat weltweit das dichteste Autobahnnetz. Mit einer Gesamtlänge von ca. 12 000 km ist es nach den USA das zweitlängste der Welt.


Im Bundesverkehrswegeplan werden die volkswirtschaftlichen Vorteile wie umweltorientierte Nachteile (Lärm, Schadstoffe usw.) berücksichtigt. Wenig Beachtung fanden bisher jedoch die Auswirkungen an den Zubringern der Autobahnen. Im Laufe von 10 und mehr Jahren siedeln sich dort Industrie und Gewerbe an, Wohnsiedlungen entstehen. Damit verbunden sind erhebliche Auswirkungen auf Umwelt und Landschaft. Bis 2015 sind weitere 1 730 km Autobahn in Deutschland geplant, zusätzlich entstehen transeuropäische Verkehrskorridore. Angesichts der Umweltauswirkungen und des mit 93 h pro Tag (2003) zu hohen Flächenverbrauchs in Deutschland sind Grundlagendaten für eine verbesserte Planung notwendig.

Im Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. (IÖR) wurde nun die Entwicklung und Umweltwirkung des deutschen Autobahnnetzes von 1935 bis 2000 analysiert. Dazu wurde der Verlauf und das Fertigstellungsdatum jedes der ca. 2 000 Autobahnabschnitte erfasst. Aus diesen Geodaten und unter Nutzung des Flächennutzungsdatensatzes CLC2000 wurden verschiedene räumliche Indikatoren berechnet. Dazu gehören die Entwicklung der Erreichbarkeit des Autobahnnetzes sowie die spezifische Flächennutzung um die Trassen.


Autobahn-Anschlussstellen haben eine hohe Anziehungskraft für Siedlungsentwicklungen wie Gewerbe und Wohnen. Dies konnte durch den Vergleich des Anteils bebauter Fläche um Anschlussstellen mit bundesdeutschen Durchschnittswerten nachgewiesen werden. So ist der Anteil von Siedlungsflächen im Umfeld der Anschlüsse um den Faktor 7, bei Flächen mit Wohnbebauung um das Dreifache höher als im bundesweiten Durchschnitt.

Den positiven Aspekten eines dichten Autobahnnetzes steht eine Reihe bedenklicher Umweltwirkungen gegenüber. Durch das Autobahnnetz sind über 10 000 km² der Bundesfläche stark verlärmt, und die Zerschneidungswirkung der Autobahn ist durch Wildfangzäune, Lärmschutzwände, Leitplanken, ihre Breite und Verkehrsdichte besonders stark.

Die Arbeiten des IÖR ermöglichen Prognosen zur Siedlungsentwicklung um neue Anschlussstellen von Autobahnen. Sie stellen ein wichtiges Instrument für eine zukünftig umweltverträgliche, flächenschonendere und effizientere Planung dar. Die Forscher um Dr. Gotthard Meinel schlagen vor, die ermittelten und nach Raumkategorien differenzierten Flächennutzungsbilanzen zukünftig für die Weiterentwicklung der Bundesverkehrswegeplanungen und des transeuropäischen Verkehrsnetzwerkes (TEN) zu nutzen.

Fachlicher Ansprechpartner:
Dr. Gotthard Meinel (IÖR)
0351-4679-254
g.meinel@ioer.de

Dr. Carsten Kolbe | idw
Weitere Informationen:
http://map.ioer.de/website/autobahn/index.htm
http://www.ioer.de

Weitere Berichte zu: Autobahnnetz IÖR Siedlungsentwicklung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Verkehrsmanagement in Ballungsgebieten
08.12.2017 | Technische Hochschule Mittelhessen

nachricht Projekt RadVerS – Welcher Radfahrtyp sind Sie?
24.11.2017 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rest-Spannung trotz Megabeben

13.12.2017 | Geowissenschaften

Computermodell weist den Weg zu effektiven Kombinationstherapien bei Darmkrebs

13.12.2017 | Medizin Gesundheit

Winzige Weltenbummler: In Arktis und Antarktis leben die gleichen Bakterien

13.12.2017 | Geowissenschaften