Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Traffic-Sensor kann Bodenverkehr auf Flughäfen überwachen - Erste Ergebnisse im Pilotprojekt

04.03.2005


Erste Ergebnisse im Pilotprojekt für neuartiges Bodenverkehrs-Leitsystem an Flughäfen. Noch in diesem Jahr Start der Arbeiten an einem Prototyp für den Flughafen Frankfurt.


Magnetfeldprofil einer Boeing 737, aufgenommen mittels eines Sensors, der in einem Meter Tiefe unter der Mitte eines Taxiways installiert wurde. Die Messung wurde mit dem auf dem Flughafen Saarbrücken-Ensheim kurz vor Weihnachten installierten Sensorsystem durchgeführt. Man erkennt deutlich die spezifische Signatur - den magnetischen Fingerabdruck des Flugzeugs, die in der Hauptsache durch Teile des Fahrwerks hervorgerufen wird. Die magnetischen Signaturen aller Flugzeuge des entsprechenden Typs sind einander sehr ähnlich, während Flugzeuge eines anderen Typs zum Teil signifikant andere Signaturen besitzen. Dies macht eine Identifikation des Flugzeugtyps möglich. Grafik: Lehrstuhl Prof. Uwe Hartmann



Knapp drei Monate nachdem auf dem Flughafen Saarbrücken-Ensheim eine Teststation für ein neues Boden-Leitsystem eingerichtet worden ist, kann die Forschergruppe um den Saarbrücker Experimentalphysiker Professor Uwe Hartmann erste Testerfolge vermelden: "Das Projekt verläuft sehr vielversprechend. Die bisherigen Messungen und Modellrechnungen zeigen, dass sich die Traffic-Sensoren auch zur sicheren Überwachung und Regelung des Bodenverkehrs an Flughäfen eignen", fasst Hartmann zusammen.



Die hochsensiblen, nur wenige Zentimeter kleinen Messgeräte, die der Magnetosensorik-Experte entwickelt hat, machen intelligente und vernetzte Verkehrsleitsysteme zu Lande, Wasser und - wie sich jetzt zeigt - auch im Bodenverkehr der Luftfahrt möglich; bis hin zum kartenfreien Parkhaus wird ihr Einsatz derzeit erforscht. Die Magnetfeldsensoren erfassen alles Metallische - vom PKW, LKW, Motorrad bis hin zum Zug und Flugzeug - und sind dabei kostengünstig, robust und nicht anfällig für Störungen. Und: Das System funktioniert bei jeder Witterung, ob Eis und Schnee, Nebel oder Hitze.

"Jedes Fahrzeug mit metallischen Bauteilen erzeugt ein schwaches Magnetfeld um sich und stört so das Erdmagnetfeld", erklärt Professor Hartmann. Die Sensoren messen, wie sich das Magnetfeld verbiegt und wieder entzerrt, wenn das Fahrzeug vorbeifährt. "Unsere bisherigen Tests auf dem Flughafen Ensheim haben belegt, dass viele Fahrzeuge spezifische Magnetfeldmuster hinterlassen, quasi wie einen eigenen Fingerabdruck. Die Eigenart der Störung des Magnetfeldes lässt also sogar erkennen, welche Art von Fahrzeug erfasst wird, auch die Flugzeugtypen sind unterscheidbar", erläutert der Physiker.

Es spricht also alles dafür, dass der Plan der Forscher aufgeht: ein Magnetosensoren-Leitsystem zu entwickeln, das den unfallträchtigen Bodenverkehr mit einigen hundert oder tausend Sensoren - je nach Größe des Flughafens - sicher und reibungslos leiten und überwachen kann.

Versuche hatten bereits im Vorfeld darauf hingedeutet, dass Flugzeuge auf ihrem gesamten Weg am Boden bis hin zur Startbahn oder zur Parkposition exakt überwacht werden können. Die ersten Tests waren noch neben der Landebahn durchgeführt worden.

In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 2004 war dann auf dem Ensheimer Flughafen die Rollbahn "taxi way alpha" in einem Meter Tiefe untertunnelt und Magnetfeldsensoren samt Verkabelung unter dem Rollfeld angebracht worden. Seither erfassen die Saarbrücker Forscher permanent Messdaten und werten sie in Modellrechnungen aus.

Die Testmessung findet im Rahmen des rund vier Millionen schweren EU-Projekts ISMAEL ("Intelligent Surveillance and Management Functions for Airfield Applications Based on Low Cost Magnetic Field Detectors") statt, das Prof. Hartmann koordiniert. Bei diesem Großvorhaben arbeiten der Experimentalphysiker und sein Team u.a. mit Fraport, der Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens, und dem Flughafen Thessaloniki (Griechenland) zusammen.

Die beteiligten Flughafenbetreiber, -ausstatter und Experten für integrierte Verkehrssysteme, Elektronikfirmen und Grundlagenentwickler planen bis 2007 in Frankfurt und Thessaloniki erste Prototypen für ein Bodenüberwachungssystem basierend auf Magnetosensoren zu installieren.

Die Vorarbeiten auf dem Flughafen Frankfurt sollen noch in diesem Jahr beginnen, wo zunächst in großem Umfang Daten erfasst und in Modellrechnungen ausgewertet werden sollen.

Sie haben Fragen? Dann setzen Sie sich bitte in Verbindung mit
Prof. Dr. Uwe Hartmann Tel: 0681 302-3798 oder -3799;
Email: secretary.hartmann@mx.uni-saarland.de

Claudia Ehrlich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de/

Weitere Berichte zu: Bodenverkehr Magnetfeld Traffic-Sensor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht Verkehrsmanagement in Ballungsgebieten
08.12.2017 | Technische Hochschule Mittelhessen

nachricht Projekt RadVerS – Welcher Radfahrtyp sind Sie?
24.11.2017 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Goldmedaille für die praktischen Ergebnisse der Forschungsarbeit bei Nutricard

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Nachwuchs knackt Nüsse - Azubis der Friedhelm Loh Group für Projekte prämiert

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen

11.12.2017 | Medizin Gesundheit