Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum die Deutschen ihr Auto (noch) nicht teilen

02.03.2001


... mehr zu:
»Sharing »Verkehrsbetrieb
Eingefahrene Gewohnheiten verhindern Umstieg auf Car Sharing. Zwischen Ökoprojekt und moderner Dienstleistung

Die Deutschen sind in ihrer Mehrheit noch längst nicht bereit, das eigene Auto abzuschaffen und sich gemeinsam mit anderen eines zu teilen. "Ein Grund dafür ist die Macht der Gewohnheit", sagt Sassa Franke. Solange das organisierte Autoteilen, englisch Car Sharing, so wie heute das Auto- oder Radfahren nicht als Routine fest zum Alltag gehört und wesentlich einfacher und flexibler zu nutzen ist, wird es nicht erfolgreich sein und sich auch nicht auf breiter Front durchsetzen, stellt Franke jetzt in einer Studie fest. Die Untersuchung wurde am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, einem Leibniz-Institut, angefertigt.

Franke hat frühere Autofahrer befragt, die auf Car Sharing umgestiegen sind. Deren Antworten zeigen, dass der Abschied vom eigenen Auto keineswegs leicht fällt. Denn das eigene Auto ist heute immer noch das bequemste Verkehrsmittel. Es ermöglicht jederzeit Mobilität, ohne bewusst planen oder überhaupt nachdenken zu müssen. "Dieses eingespielte Verhalten wirkt entlastend", erklärt Franke. "Gewohnheiten verringern den Zwang zu ständigen Entscheidungen im Alltag und tragen dazu bei, wiederkehrende Aufgaben schnell bewältigen zu können. Die Komplexität des Alltags wird vermindert". Erst wenn das Fahren mit dem Auto nicht mehr Alltagsgewohnheit ist, sondern die Mehrzahl der Wege mit Bus, Bahn oder Fahrrad zurückgelegt wird und der eigene PKW ergänzend nur noch für ganz bestimmte Fahrten gebraucht wird, sei ein Umstieg auf Car Sharing möglich, ist Leibnizforscherin Franke überzeugt. Damit die Dienstleistung Car Sharing für viele attraktiv wird, müssten die Unternehmen ihr Image als Ökoprojekt loswerden und sich zu modernen, professionellen Service-Anbietern entwickeln. Die Voraussetzung: Der Zugang zum Car Sharing-Angebot muss erleichtert, flexible Nutzungsmöglichkeiten müssen angeboten, die Zusammenarbeit mit öffentlichen Verkehrsbetrieben ausgebaut und das organisierte Autoteilen in das gesamte Verkehrssystem integriert werden.

Mit sieben Millionen potentiellen Kunden rechnen neuere Studien für Deutschland. Doch auch mehr als zehn Jahre nach Gründung der ersten Car Sharing-Unternehmen sind es hierzulande gerade einmal 40 000 Menschen, die sich Autos teilen. Ein Grund dafür liegt in dem zersplitterten und uneinheitlichen Angebot der mehr als 80 Anbieter. Zudem gibt es nur teilweise Kooperationen mit den öffentlichen Verkehrsbetrieben. Anders in der kleinen Schweiz, wo die Zahl der Kunden schnell wächst: Hier konnte sich Car Sharing, das in der Hand eines einzigen Anbieters mit mittlerweile 38.500 Kunden liegt, in Zusammenarbeit mit der Schweizer Bundesbahn und vielen Verkehrsbetrieben als professioneller Dienstleister etablieren.

Weitere Informationen: Dr. Sassa Franke, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB),Reichpietschufer 50, 10785 Berlin, Telefon: 030-25 49 12 05, E-Mail: Franke@medea.wz-berlin.de und im Internet unter http://www.wz-berlin.de
Die Studie ist unter dem Titel "Car Sharing zwischen Ökoprojekt und Dienstleistung" auch als Buch erschienen im Verlag edition sigma, Berlin 2001.

Das WZB gehört zu den insgesamt 77 außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Serviceeinrichtungen für die Forschung der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. (WGL). Das Spektrum der Leibniz-Institute ist breit und reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften und Museen mit angeschlossener Forschungsabteilung. Die Institute arbeiten nachfrageorientiert und interdisziplinär. Sie sind von überregionaler Bedeutung, betreiben Vorhaben im gesamtstaatlichen Interesse und werden deshalb von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. Näheres unter: http://www.wgl.de.

WGL-Geschäftsstelle, Postfach 12 01 69, 53043 Bonn, Tel.: 0228/30815-0,
Fax: 0228/30815-255, E-Mail: wgl@wgl.de

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. Frank Stäudner | idw

Weitere Berichte zu: Sharing Verkehrsbetrieb

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verkehr Logistik:

nachricht aCar - Der elektrische „Alleskönner“
21.08.2017 | Technische Universität München

nachricht Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb
21.08.2017 | Technische Universität Hamburg-Harburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie