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Neues Forschungsprojekt: Kapazitäten besser nutzen und Güterverkehr auf Straße und Schiene reduzieren

31.01.2008
Sie sehen aus wie unvollständige Lkw-Anhänger und fallen zumeist in Industriegebieten auf: Mit ausgeklappten Beinen stehen sie an der Straße und warten auf neue Fracht oder darauf, ihre alte loszuwerden.

"Wechselbrücke" heißen diese austauschbaren Ladungsträger, mit denen Güter per Lkw oder Zug transportiert werden können. Mit dem Problem, wie, wann und wo Wechselbrücken am besten be- und entladen werden und welche optimalen Wege sie über Straße oder Schiene nehmen können, beschäftigen sich Wissenschaftler des Bremer Instituts für Produktion und Logistik GmbH (BIBA) an der Universität Bremen nun in dem neuen Forschungsprojekt "INWEST" (Intelligente Wechselbrückensteuerung).

Initiiert wurde das zweijährige Vorhaben von der Deutschen Post AG (Bonn) und dem BIBA, das auch die Gesamtleitung hat. "INWEST" wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI) im Rahmen des Förderschwerpunktes "Intelligente Logistik" unterstützt und umfasst 2,4 Millionen Euro. 460.000 Euro davon fließen an das BIBA. Weitere Projektpartner sind die DHL Solutions GmbH (Essen), die Micromata Objects GmbH (Kassel) und die OHB Teledata GmbH (Bremen).

Die Mehrzahl der produzierenden Unternehmen richtet sich bei seinen logistischen Planungen fast ausschließlich nach den Rahmenbedingungen seiner Fertigung. Nach deren Vorgaben wird der Warentransport zum Kunden terminiert. Weniger optimal gestalten sich dabei in der Regel die Zeit- und Kostenplanungen. Zudem sind die logistischen Prozesse oft nur wenig transparent und schlecht nachvollziehbar, denn in einigen Bereichen der Prozessketten sind die Daten nicht zuverlässig genau oder nicht aktuell. So haben die ausführenden Logistiker häufig nur wenig Planungssicherheit. Die Folge sind zu geringe Fahrzeugauslastungen oder auch lange Umwege. Sie rauben Zeit, kosten viel Geld und belasten die Straßen sowie die Umwelt. Die modernen Kommunikationstechniken und Computerprogramme sollen hier künftig Abhilfe schaffen.

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Verknüpfung mehrerer Technologien

Die Wissenschaftler setzen auf einen Technologie-Mix aus und Identifikations- und Ortungstechnologien für die Wechselbrücken. In Zusammenarbeit mit den Entwicklern der Bremer OHB GmbH suchen sie nach einer effizienten Verknüpfung von beidem und entwickeln ein Programm zur Handhabung der Wechselbrücken. Mit Hilfe der Radio Frequency Identification (RFID) wird die Wechselbrücke identifiziert und ihr Standort über eine satellitengestützten Ortung ermittelt (Global Positioning System (GPS) bzw. Galileo). Darüber hinaus entwickeln die BIBA-Wissenschaftler zusammen mit der Micromata Objects GmbH eine Software, die transportlogistischen Zielgrößen sowie die Reihenfolgeplanung und -steuerung berücksichtigt. Sie wird mit der Tourenplanung verknüpft und bezieht Verkehrsinformationen mit ein. In abschließenden Feldtests werden die Technologieverknüpfungen auf ihre Eignung im Praxiseinsatz geprüft.

Das ganze System nennt sich "Intelligente Wechselbrückensteuerung". Eine besondere Bedeutung kommt darin dem kleinen Modul zu, das in die Wechselbrücke eingebaut wird. Der kleine, unauffällige Kasten ist nicht größer als ein Backstein und enthält ein Ortungs- und Kommunikationsmodul. Erst wenn es zuverlässig Daten liefert, kann das komplexe System arbeiten. Praktisch kann das so aussehen - vereinfacht dargestellt:

In Bremen steht eine Wechselbrücke, nur halb beladen mit Waren für einen Kunden in Kassel. Das Modul in der Wechselbrücke sendet seinen Namen (Identifikation) und seinen Standort (Ortung) an einen Rechner in der Spedition. Eine Software liest die Daten in eine Datenbank ein, gleicht sie mit den Bestandsdaten ab und präsentiert dem Disponenten die aktuelle Auftragslage sowie eine neuen Routenberechnung. Zum Beispiel, dass an anderer Stelle in Bremen noch Waren für Hannover bereit liegen und in Bielefeld welche für Bremen. Statt halb beladen Bremen-Kassel geht es nun gut ausgelastet über Hannover nach Kassel und von dort aus über Bielefeld zurück nach Bremen. Optimale Route, keine Leerfahrt. Das bedeutet: Kosten reduziert, Zeit gespart, Verkehr vermieden und die Umwelt weniger belastet.

"Wir wollen die Planungssicherheit im kombinierten Verkehr erhöhen und Transporteinheiten besser nutzen", sagt BIBA-Wissenschaftler und Projektleiter Christian Gorldt. Ziel des Projektes sei es, das Güterverkehrsaufkommen auf Straße und Schiene durch die Verbesserung der Zulaufsteuerung in der Logistik zu reduzieren. "Die effektivere Bündelung der Transporte führt zu einer höheren Auslastung und damit zu einer Zeit- und Kostenersparnis in der gesamten Lieferkette", sagt Gorldt. Durch die neuen Soft- und Hardware-Lösungen werde zudem mehr Transparenz in der Informations- und Materialflusskette geschaffen. So könne die Planung des kombinierten Verkehrs Straße/Schiene optimiert werden.

Ihre Ansprechpartner:

Prof. Dr.-Ing. Bernd Scholz-Reiter (Geschäftsführender Institutsleiter des BIBA)
Telefon: 0421 218-55 76
E-Mail: bsr@biba.uni-bremen.de
Christian Gorldt (BIBA, Projektleiter)
Telefon: 0421 218-55 80 oder 0177 412 44 75
E-Mail: gor@biba.uni-bremen.de

Sabine Nollmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.biba.uni-bremen.de

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