Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Altkleider-Verarbeitung zu neuen Textilien möglich

07.12.2009
Spektrometer bestimmt Farbe und Material zur Wiederverwertung

Alte, nicht mehr verwendbare Kleidung soll in Zukunft zu neuen Textilien wiederverwertet werden. Dieses Ziel verfolgt das europäische Projekt "Textiles for textiles" (T4T), an dem auch das Laser Zentrum Hannover (LZH) beteiligt ist.

Das von den Forschern entwickelte System verspricht sowohl ökonomische als auch ökologische Vorteile. "Altkleider, die sonst entsorgt werden müssten, werden zu neuem Garn verarbeitet" , berichtet der am Projekt beteiligte LZH-Wissenschaftler Johannes Stein im pressetext-Interview.

Die Hälfte aller Textilien, die in den Kästen der Altkleidersammlungen landen, können wegen ihres guten Zustandes problemlos weiter getragen werden. "Zwei Prozent kommt in die Second-Hand-Läden, der Rest geht nach Afrika oder Osteuropa", so Stein. Die verbleibende zweite Hälfte der bereits beschädigten Kleider wird zur Zeit noch zu niederwertigen Recycling-Materialien wie etwa Dämm- und Füllstoffe im Automobilbau wiederverwertet oder ganz entsorgt. "Ziel des Projektes ist es, aus diesen ungenutzten Alttextilien wieder neue Textilien entstehen zu lassen. Teilweise ist das bereits mit Erfolg gelungen", erklärt der Forscher.

Gerät vor Etikettenschwindel gefeit

Den ersten Schritt beim hochwertigen Recycling von Textilien aus Altkleidersammlungen stellt die Sortierung in Materialfraktionen dar. Hierzu soll eine automatische Textilsortieranlage aufgebaut werden, deren Herz eine vom LZH Hannover mit entwickelte Identifikationseinheit ist. Mit Hilfe des Reflektionsspektrums im sichtbaren und nahinfraroten Bereich werden dabei Farbe und Zusammensetzung der Stoffe erkannt. "Das erübrigt den Blick auf die Etiketten, die ohnehin nicht immer zuverlässig sind. Je nach Zielsetzung können so reine Textilien wie etwa 100-prozentige Baumwolle herausgefiltert und der Rest anderwärtig sortiert werden, oder man erlaubt eine gewisse Ungenauigkeit zugunsten der Schnelligkeit", so der LZH-Forscher.

Ist dieser Sortierprozess gelungen, kann die Weiterverarbeitung zu Rohmaterial für neue Textilien erfolgen. "Dabei wird das Ausgangsmaterial gewaschen, in einzelne Fasern aufgerissen, zu neuem, hochwertigen Garn versponnen. Dieses entfärbt man und färbt es je nach Bedarf neu ein", erklärt Stein. Die Qualität des auf diese Weise gewonnenen Garns liege etwas unter dem Ausgangsmaterial. "Die Fasern werden bei jedem Recycling-Prozess kürzer. Deshalb lassen sich neue Textilien möglicherweise nicht zu 100 Prozent aus Alttextilien fertigen. Unter ökologischen Gsichtspunkten wäre es aber schon ein großer Erfolg, wenn neue Textilien einen hohen Anteil Fasern aus Alttextilien enthalten".

Recycling spart Kosten und schont die Umwelt

Der Hannoveraner Forscher betont, dass das von der EU geförderten Projekt marktorientiert ist. "Die im Rahmen des Projekts entwickelte Sortieranlage,

soll einen wichtigen Baustein in der Prozesskette des Textilrecylings darstellen." Nach Projektende strebt das Konsortium eine gemeinsame Vermarktung der Technologie an. Der Mehrwert dieses Verfahrens zeigt sich besonders auch in ökologischer Hinsicht. "Die Herstellung von Baumwolle ist ein sehr energieaufwändiger Prozess. Eine Wiederverwertung von Alttextilien ist daher ein großer Schritt im Sinne der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes."

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.lzh.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Verfahrenstechnologie:

nachricht Staubarmes Recycling wertvoller Rohstoffe aus Elektronikschrott
16.11.2016 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT

nachricht Mikrostrukturen mit dem Laser ätzen
25.10.2016 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops