Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

WOC-Kongress: Neues Verfahren zur Hornhauttransplantation: schnellere Heilung, weniger Komplikationen

05.05.2010
World Ophthalmology Congress 2010
(incl. AAD und DOG-Kongress), 3. bis 9. Juni 2010, ICC Berlin

Erkrankungen der Hornhaut des Auges sind eine der häufigsten Erblindungsursachen. Ist die Hornhaut getrübt, hilft oft nur eine Transplantation.

Eine neue Operationstechnik erlaubt es Ärzten jetzt, statt der gesamten Hornhaut nur eine hauchdünne Schicht zu übertragen. Davon erholen sich die Augen wesentlich schneller als bei dem herkömmlichen Vorgehen. Zudem treten Hornhautverkrümmungen und andere Komplikationen seltener auf.

Die Fortschritte auf dem Gebiet der Hornhauttransplantation sind ein Schwerpunkt auf dem World Ophthalmology Congress (WOC 2010), der im Juni in Berlin stattfindet. Das von US-Augenärzten entwickelte Operationsverfahren DSAEK (Descemet Stripping Automated Endothelial Keratoplasty) kommt zunehmend auch an deutschen Augenkliniken zum Einsatz. „Wir transplantieren dabei nur eine 100 bis 200 Mikrometer dünne Scheibe der Hornhaut, die aus Teilen der Stromaschicht und aus dem Endothel besteht. Dabei handelt es sich um eine dünne Zellschicht, die die Hornhaut innen auskleidet und sie von der Flüssigkeit der vorderen Augenkammer trennt“, erklärt Professor Dr. med. Friedrich E. Kruse, Direktor der Universitäts-Augenklinik Erlangen. Das Endothel wird mit einem automatisierten Präzisionsmesser, dem Keratom, von der Hornhaut des Spenderauges abgetrennt. Nachdem der Operateur das erkrankte Endothel des Empfängers entfernt hat, schiebt er die feine Lamelle des Spenders durch einen kleinen Schnitt neben der Hornhaut in die Augenkammer. Dort platziert er sie auf der Innenseite der Hornhaut.

Das neue Operationsverfahren kommt für jene Patienten infrage, bei denen eine Erkrankung des Endothels die Hornhauttrübung verursacht. Das ist bei etwa 40 Prozent der Fall. „Der Anteil des Endothels an der Hornhaut ist minimal. Es ist deshalb gar nicht notwendig, bei diesen Patienten die gesamte Hornhaut zu ersetzen”, so Kruse.

Damit das neue Endothel an der Hornhaut haften bleibt, injiziert der Operateur nach der Transplantation eine Luftblase in die Augenkammer. Um sie in Position zu halten, müssen die Patienten zwei Tage in Rückenlage das Bett hüten. „Insgesamt ist die Erholungsphase jedoch deutlich kürzer als nach einer herkömmlichen Hornhauttransplantation“, erklärt Kruse im Vorfeld des WOC 2010. „Hier vergehen meist 18 Monate, bis die Patienten wieder gut sehen können. Bei der DSAEK sind es dagegen meist nur einige Wochen bis wenige Monate.”

Eine Weiterentwicklung der DSAEK ist die DMEK (Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty). Bei ihr überträgt der Operateur nur noch die Descemetsche Membran und das Endothel, also eine zehn Mikrometer dicke Schicht. Die Ergebnisse der ersten 100 mit dieser Technik operierten Patienten zeigen, dass die Sehschärfe deutlich besser ist als nach der DSAEK. Die Technik sei allerdings noch komplizierter, so Kruse.

Nach einer herkömmlichen Transplantation kommt es nicht selten zu Unregelmäßigkeiten in der Wölbung der Hornhaut. „Diese Hornhaut¬verkrümmung führt dazu, dass viele Patienten nach der Operation eine Brille oder Kontaktlinsen tragen müssen. Mit der DSAEK und der DMEK haben wir diese Probleme deutlich minimieren können“, berichtet Kruse, der aktuelle Ergebnisse beider OP-Techniken auch mit seinen Kollegen auf dem WOC 2010 diskutieren wird.

Mit dem World Ophthalmology Congress (WOC 2010) richtet Deutschland 2010 den größten internationalen Fachkongress zum Thema Augenheilkunde aus. Neben dem 32. International Congress of Ophthalmology (ICO) finden auch der 108. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) und die Augenärztliche Akademie Deutschland (AAD) unter dem Dach des WOC 2010 statt. Die AAD-Kurse werden vom 3. bis zum 6. Juni 2010 in deutscher Sprache abgehalten. Vom 5. bis zum 9. Juni schließt sich das internationale Programm in englischer Sprache an. Die Veranstalter erwarten mehr als 8 000 Teilnehmer aus etwa 120 Ländern.

Kontakt für Journalisten:

Silke Stark
Pressestelle WOC 2010
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: +49 (0)711 8931-572
Fax: +49 (0)711 8931-167
E-Mail: stark@medizinkommunikation.org

Silke Stark | idw
Weitere Informationen:
http://www.woc2010.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Ballungsräume Europas
26.04.2017 | Frankfurt University of Applied Sciences

nachricht 200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin
26.04.2017 | AiF Projekt GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie