Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Viele Schilddrüsenoperationen in Deutschland vermeidbar

11.03.2013
56. Symposium der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), 13.-16.3.2013, Düsseldorf

Schilddrüse vergrößert: Nicht jeder Knoten bedeutet Krebs

In Deutschland werden Patienten häufiger an der Schilddrüse operiert als in allen anderen westlichen Ländern. Teilweise geht das zu Lasten von Patienten mit einem durch Jodmangel entstandenen Kropf, die vielleicht nicht hätten operiert werden müssen. Aber die Angst vor einem Schilddrüsenkarzinom in den damit entstandenen Knoten ist hierzulande weitaus größer als im Ausland, betont die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) im Vorfeld ihres 56. Symposiums in Düsseldorf.

Daher ist auch die Operationszahl wegen des Verdachts auf einen bösartigen Befund etwa 2 bis 4-fach höher als in den USA und in Großbritannien. Über therapeutische Möglichkeiten bei Schilddrüsenerkrankungen und die notwendige Spezialisierung an Kliniken diskutieren Experten auf der DGE-Pressekonferenz am 13. März 2013 in Düsseldorf.

Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 100 000 Schilddrüsen teilweise oder komplett entfernt. „Bezogen auf die Bevölkerung ist die Zahl der Operationen drei bis acht Mal höher als in Großbritannien oder den USA“, berichtet DGE-Tagungspräsident Professor Dr. med. Peter E. Goretzki, Chefarzt am Lukaskrankenhaus Neuss. „Doch Deutsche haben nicht mehr Schilddrüsenkrebs als Briten oder Amerikaner, weshalb wir hierzulande offensichtlich ein Missverhältnis zwischen derzeitigen Operationszahlen und tatsächlich notwendigen Eingriffen haben.“

Die meisten Operationen nehmen Ärzte wegen einer Vergrößerung der Schilddrüse vor, die Spätfolge eines Jodmangels ist. In der vergrößerten Schilddrüse bilden sich häufig Knoten. „Aufgrund der Befürchtung, dass sich daraus Krebs entwickelt, raten Kollegen hier mitunter voreilig zu einer Operation“, erläutert der Tagungspräsident im Vorfeld des 56. Symposiums der DGE in Düsseldorf. Nicht jeder Knoten bedeute jedoch Krebs, meint Goretzki und bemängelt, dass „die Entscheidung für eine Operation mitunter fällt, ohne die diagnostischen Möglichkeiten voll ausgeschöpft zu haben.“

Zudem bieten in Deutschland die meisten Krankenhäuser Schilddrüsenoperationen an – unabhängig von der Expertise der jeweiligen Klinik. Die DGE fordert daher Leitlinien für die Diagnose und klare Regeln für die Entscheidung zur Operation. Auch die Qualität der Operationen müsse überprüft werden, wie Holland und Schweden vorbildlich zeigen. Dort werden die Operationsergebnisse der einzelnen Kliniken stetig überprüft und bilden die Grundlage für die Genehmigung solcher Eingriffe. Eine freiwillige Zertifizierung, die eine leitliniengerechte Behandlung, Forschung und Weiterbildung umfasst, könnte die Qualität von Schilddrüsenbehandlungen in Deutschland künftig deutlich verbessern, meinen die DGE-Experten: „Wichtig für die Qualitätssicherung ist, dass die Entscheidung zur Operation nicht allein vom Chirurgen getroffen wird, sondern in gemeinsamer Absprache mit Endokrinologen, Internisten und Nuklearmedizinern geschieht“, empfiehlt Professor Goretzki. Bei vielen Patienten helfe eine Behandlung mit Jod und Schilddrüsenhormonen oder eine Radiojodtherapie – oft sind sie eine Alternative zur Operation. Über geeignete Behandlungsmethoden, fachärztliche Spezialisierungen und Qualitätssicherung in der Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen diskutieren die Experten am 13. März von 12 bis 13 Uhr auf der Pressekonferenz in Düsseldorf.

Terminhinweise:

Pressekonferenz:
Termin: Mittwoch, 13. März 2013, 12:00 bis 13:00 Uhr
Ort: CCD Congress Center Düsseldorf, Eingang Süd, Raum 15
Anschrift: Stockumer Kirchstr. 61, 40474 Düsseldorf
Symposium:
Qualitätssicherung in der endokrinen Chirurgie
Vorsitz: Wolfram Karges, Aachen und Thomas Musholt, Mainz
Termin: Mittwoch, 13. März 2013, 15:15 bis 16:40 Uhr
Ort: CCD Congress Center Düsseldorf, Eingang Süd, Raum 3
Anschrift: Stockumer Kirchstr. 61, 40474 Düsseldorf
Weitere Informationen zum 56. Symposium der DGE und dem Tagungsprogramm finden Sie unter http://www.dge2013.de
Kontakt für Journalisten:
DGE Pressestelle
Anna Voormann/Dagmar Arnold/Dr. Adelheid Liebendörfer
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380, Telefax: 0711 8931-984
arnold@medizinkommunikation.org

Anna Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.endokrinologie.net
http://www.dge2013.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht 11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"
22.09.2017 | BusinessForum21

nachricht Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg
22.09.2017 | DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie