Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unkonventionelle Modelle in der Forschung

02.11.2011
Am 3. und 4. November 2011 findet am Wiener Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie das neunte Internationale VBC PhD-Symposium statt. Unter dem Titel “Think Alternative: Insights from Unconventional Model Organisms” stellen Biowissenschaftler neue und ungewöhnliche Modellorganismen vor.

Als Modellorganismen bezeichnen Forscher Tiere und Pflanzen, an denen sie zentrale Lebensvorgänge studieren, um die Erkenntnisse dann auf den menschlichen Organismus zu übertragen. Aus der Fülle der Arten hat es nur eine kleine Zahl zu Model-Ehren in der Wissenschaft gebracht.

Schönheit ist dabei kein Kriterium, eher schon leichte Verfügbarkeit, genügsame Lebensweise, kurze Entwicklungszeiten - und möglichst auch ein durchsequenziertes Genom, also die genaue Kenntnis der Erbinformation. Ist ein Modellorganismus erst einmal gut bekannt und in zahlreichen Labors zu Hause, so steigert allein dies seine Beliebtheit bei den Forschern.

Doch gängige Modellorganismen sind nicht immer die idealen Forschungsobjekte für eine bestimmte Fragestellung. „Think Alternative“ möchte den Kreis erweitern und Arten vorstellen, die derzeit nur von wenigen Forschern genutzt werden. Achtzehn Wissenschaftler werden an zwei Tagen die Modellorganismen ihrer Wahl präsentieren und begründen, was sie für die Forschung interessant macht. Hier eine Auswahl:

John Bowman (Monash University, University of California Davis) etwa hat das Lebermoos Marchantia als Modellsystem in die Biologie eingeführt. Dieser ursprüngliche Organismus besitzt noch zahlreiche molekulare Gemeinsamkeiten mit wasserbewohnenden Grünalgen, den Vorläufern der Landpflanzen. Anhand dieses Modells möchte John Bowman einen der folgenreichsten Schritte in der Evolution rekonstruieren: den Übergang von Wasser- zu Landpflanzen und damit die Eroberung des Festlandes durch das Leben.

Ueli Grossniklaus leitet eine Arbeitsgruppe am Institut für Pflanzenbiologie der Universität Zürich. Neben der unvermeidlichen Ackerschmalwand dient ihm auch die Gauklerblume Mimulus als Forschungsobjekt. Eine Mimulus-Art, die er studiert, hat in Kalifornien innerhalb weniger Jahre einen spektakulären Entwicklungsschritt vollzogen. Aus großen, gelben Blüten, die von Insekten bestäubt werden, entstanden kleine, rote Blüten, deren Pollen von Kolibris übertragen wird. Diese Veränderung wird auf epigenetische Einflüsse zurückgeführt.

Elly Tanaka ist Professorin am Zentrum für Regenerative Therapien in Dresden (CRTD). Sie untersucht die Regenerationsfähigkeit von Geweben am Beispiel des Axolotl. Nach Verletzungen wachsen diesem Salamander Gliedmaßen, Schwanz, Rückenmark, Kiefer und sogar die Augen nach. Elly Tanaka konnte ihre Methodik so weit verfeinern, das sie einzelne Zellen bei der Regeneration beobachten kann. In einer viel beachteten Publikation wies sie 2009 nach, dass die Regeneration nicht, wie angenommen, von plutipotenten Stammzellen ausgeht, sondern von wesentlich spezialisierteren Zellen.

Ralf Sommer, Direktor der Abteilung für Evolutionsbiologie am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie (Tübingen), beschäftigt sich mit evolutionärer Entwicklungsbiologie. Dieser Zweig der Biologie, im Englischen salopp als „evo-devo“ bezeichnet, untersucht, wie Veränderungen in der Entwicklung von Organismen zu Änderungen der Gestalt und zum Erwerb neuer Funktionen führen. Neben dem gut untersuchten Fadenwurm Caenorhabditis elegans hat Sommer Pristionchus pacificus als Modellorganismus eingeführt, der wegen seiner engen Beziehung zu einer Mistkäfer-Art auch für ökologische Studien interessant ist.

Auch Nipam Patel (University of California, Berkeley, Howard Hughes Medical Institute) ist auf dem Gebiet der evolutionären Entwicklungsbiologie aktiv. Zu seinen Modellorganismen zählen Rinder, Hühner, Heuschrecken und Krebse. Gemeinsam mit vier weiteren Autoren verfasste er Evolution, ein beliebtes Lehrbuch und Standardwerk der Biologie, in dem zahlreiche Zweige der Evolutionsforschung zusammengeführt werden.

Das Symposium endet mit der Prämierung der besten Dissertationen am Campus Vienna Biocenter.

Die Internationalen VBC PhD Symposien werden seit acht Jahren von den Doktoratsstudenten am Vienna Biocenter organisiert. Mit Unterstützung der Institute IMP, IMBA, GMI und MFPL bestreiten die Studenten sämtliche Vorbereitungen als Teil ihrer umfassenden Ausbildung.

“Think Alternative: Insights from Unconventional Model Organisms”
Ort: Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie, IMP Hörsaal, 4. Stock
Dr. Bohr-Gasse 7 1030 Wien
Zeit: 3. November 10.00 - 18.15 Uhr, 4. November, 10.00 - 17.30 Uhr
Kontakt:
Dr. Heidemarie Hurtl
IMP-IMBA Communications
Tel. 79730-3625
mobil: 0664/8247910
E-mail: hurtl@imp.ac.at

Dr. Heidemarie Hurtl | idw
Weitere Informationen:
http://www.imp.ac.at
http://www.vbc-phd-symposium.at/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht NRW Nano-Konferenz in Münster
07.12.2016 | Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW

nachricht Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht
05.12.2016 | Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie