Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine Schule für alle. Tagung zum Thema demokratisch-inklusive Schulentwicklung

16.02.2012
Die Universität Passau und das Staatliches Schulamt suchen mit Pädagoginnen und Pädagogen nach Wegen, wie Schulen alle (besonderen) Kinder – von Behinderten bis Hochbegabte – in einem Haus integrieren können. Die Tagung weist mit Praxisbeispielen und einem Manifest für die Region in die Zukunft – und zur Entwicklung einer demokratisch-inklusiven Schule, in der Menschen schon in der Schule lernen, dass die Gesellschaft „bunt“ ist.

Die Universität Passau lädt in Kooperation mit dem Staatlichen Schulamt Passau vom 1. bis 3. März zu einer Impulstagung zur demokratisch-inklusiven Schulentwicklung. Modellschulen aus der Region und auch internationale Schulhäuser präsentieren ihre Konzepte, wie sie alle Schülerinnen und Schüler – von Hochbegabten bis zu behinderten Kindern – in den Alltag einer Regelschule integrieren.

Schulleitungen, Lehrkräfte, Verantwortliche in der Schulaufsicht und Schulverwaltung sowie Fachwissenschaftler diskutieren verschiedene Lösungen, wie Pädagoginnen und Pädagogen eine (Grund-)Schule organisieren, die Kinder sowohl mit ihren Begabungen als auch ihren besonderen Bedürfnissen annimmt und nicht nur ihr Schulleben sinnvoll gestaltet, sondern auch Wege in eine gemeinsame Gesellschaft aufzeigt.

Am 2. März stellen etwa Vertreter der Modellschulen Grundschule Landau und Mittelschule Vilshofen in einem Dialogkreis von 10:30 bis 12 Uhr ihre Arbeit vor - unter dem Motto „Inklusion konkret – Umsetzung in Bayern“ (Seminarraum 26). In einem weiteren Dialogkreis zur gleichen Zeit spricht und moderiert Karl Bischof, Leiter des privaten Förderzentrums K-Schule Passau/Salzweg zu „individuelle Förderung und Behinderung“ (Seminarraum 27).

Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der einzelnen Modelle präsentieren die Beteiligten am 3. März um 9:15 Uhr im Hörsaal 2, Innstr. 27.

Die Ergebnisse analysieren ab 10:30 Uhr am gleichen Ort in einer Podiumsdiskussion Vertreterinnen und Veertreter des Kultusministeriums, der Regierung Niederbayern, des Schulamts Passau, des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB), der Projektschulen, der Universität Passau und deren Zentrum für Lehrerfortbildung unter dem Motto Zukunft der demokratisch-inklusiven Schule und der Moderation von Dr. Axel Schenz (Universität Erlangen-Nürnberg).

„Wir wollen den Verantwortlichen in der Region und darüber hinaus konkret aufzeigen, dass Inklusion mehr ist, als ein barrierefreier Zugang für Behinderte“, erklärt Christina Schenz, Inhaberin des Lehrstuhls für Grundschulpädagogik und -didaktik der Universität Passau. „Wir verstehen darunter, dass Pädagoginnen und Pädagogen Kinder mit all ihren Besonderheiten individuell fördern und gleichzeitig Wege finden, dass jede Schülerin und jeder Schüler von der Erfahrung von Vielfalt profitieren. Wir spannen den Bogen dabei bewusst von Hochbegabung bis Behinderung, von Migrationshintergrund bis Aufmerksamkeitsstörungen.“ Die Tagung solle Impulse geben, wie man diese Zukunft gemeinsam gestaltet.

Als Ergebnis der Tagung planen die Beteiligten daher eine gemeinsame Erklärung zur Gestaltung nachhaltiger Schulentwicklung für die Region.

Wissenschaftlicher Hintergrund:

Pädagogische Begriffsbestimmung – Inklusion umfasst als Idee viele verschiedene Reformvorhaben, die von der Gesellschaft als Anforderungen an die Akteure im Umfeld Schule gestellt werden. Sie nimmt die Schule als Ort gemeinsamen Lernens in den Blick und tangiert im Moment nachhaltig die schul- und bildungspolitische Entwicklung in Europa.

In wissenschaftlichen Veröffentlichungen wird Inklusion im schulischen Kontext meist als gemeinsame Beschulung aller Kinder, unabhängig von bzw. mit Würdigung ihrer unterschiedlichen Merkmale (Migrationshintergrund, Hochbegabung, Geschlecht, Bildungshintergrund, Behinderung) im Sinne einer positiven Vielfalt verstanden. Damit liegt ein weites Verständnis von Inklusion vor. In vielen anderen Publikationen und in der Auffassung des Kultusministeriums wird jedoch ein Verständnis deutlich, welches sich ausschließlich auf die Inklusion von Menschen mit Behinderung bezieht und welches damit als enges Verständnis von Inklusion gefasst ist.

Demokratisch-Inklusive Schule
Jedes Kind, jede(r) Jugendliche darf „ohne Angst verschieden sein“ (Adorno 1972, S. 6) und Gemeinsamkeit erfahren. Eine demokratisch-inklusive Schule versteht sich in der Überführung des inklusiven und gleichzeitig individualisierenden Umgangs mit der Vielfalt im System Schule und im Unterricht in eine pädagogisch reflektierte Schulkultur. Der Fokus einer demokratisch-inklusiven Schule liegt daher in der Suche nach Antworten, wie Kinder und Jugendliche mit all ihren Begabungen, aber auch all ihren Schwächen oder Problemen ihr Leben sinnvoll gestalten können. Die Gestaltung eines sinnvollen Lebens ist aber nur in Beziehung zu der Gesellschaft, in der diese Menschen leben, denkbar (vgl. Schenz, A. 2011).
Verhältnis der Inklusion zur Sonderpädagogik
Inklusion braucht Sonderpädagogik! Die Notwendigkeit eines sonderpädagogischen Beitrages zu einer inklusiven Pädagogik ist völlig unstrittig. Es geht nicht um die Frage, ob Sonderpädagogik gebraucht wird, sondern darum, welche Sonderpädagogik gebraucht wird. Aber auch die Regelpädagogik muss sich verändern. Bei der Umsetzung von demokratisch-inklusiver Pädagogik geht es nämlich nicht darum, einen ansonsten unveränderten Unterricht mit sonderpädagogischen Maßnahmen zu ergänzen. Eine solche Herangehensweise führt nämlich, wie in vielen Integrations- oder Stützlehrerklassen oft zu sehen, zu einem Nebeneinander und zu häufigen Trennungen der Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen, anstatt zu einem wirklich inklusiven Unterrichtsgeschehen.
Umsetzung in Bayern bzw. Niederbayern:
Partnerklassen (= ehemalige Außenklassen): Es handelt sich hierbei meist um eine Förderschulklasse mit Schwerpunkt geistiger Entwicklung an einer allgemeinen Regelschule, welche mit einer Klasse dieser Schule zusammenarbeiten. Daneben existieren auch Regelschulklassen an Förderschulen.
Einzelinklusion
Ein Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf besucht eine allgemeine Regelschulklasse.
Förderschwerpunkte
Es wird zwischen folgenden Förderschwerpunkten differenziert: Sehen, Hören, körperliche und motorische Entwicklung, geistige Entwicklung, Sprache, Lernen, emotionale und soziale Entwicklung. Der Förderschwerpunkt Lernen ist die häufigste Form des sonderpädagogischen Förderbedarfs (49,1 % in Bayern, Quelle: StMUK)
Förderzentrum
Bayern erachtet die im Schuljahr 2011/12 existierenden 404 Förderzentren als Kompetenzzentren, mit sieben verschiedenen Förderschwerpunkten.
Kooperationsklassen
Klassen der allgemeinen Regelschule für Kinder mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf, welche eine zusätzliche Förderung durch Lehrkräfte des MSD erfahren.
Offene Förderschulklassen
Förderzentren, die nach den Lehrplänen der allgemeinen Schulen unterrichten (Hören, Sehen, körperliche und motorische Entwicklung) und Kinder ohne sonderpädagogischem Förderbedarf aufnehmen.
Schulprofil „Inklusion“
(vgl. die an der Tagung teilnehmenden Schulen Grundschule Landau und Mittelschule Vilshofen)
Diese Schulen entwickeln und arbeiten an inklusiven Bildungs- und Erziehungskonzepten.
Derzeit gibt es hiervon drei Schulen in Niederbayern (GS Landau, MS Vilshofen, GS Abensberg).

Im Schuljahr 2011/12 gibt es 41 solcher Profilschulstandorte in Bayern, welche im nächsten Schuljahr ausgeweitet werden.

UN-Behindertenrechtskonvention
Diese fördert und fordert die Chancengleichheit von Menschen mit Behinderung und verpflichtet zu einem inklusiven Schulwesen.

Steffen Becker | idw
Weitere Informationen:
http://www.demokratisch-inklusive-schule.uni-passau.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Von Batterieforschung bis Optoelektronik
23.06.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht 10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge
22.06.2017 | Haus der Technik e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften