Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schlüsselloch-Chirurgie – Fortschritt mit Grenzen

05.10.2012
Operationen in der Gynäkologie werden immer weniger eingreifend vorgenommen. Welche Technik dabei im Einzelfall die am besten geeignete ist, hängt von vielen Faktoren ab. Der aktuelle Wissensstand wird auf dem 59. Kongress für Gynäkologie und Geburtshilfe diskutiert, der vom 9. bis 12. Oktober 2012 in München stattfindet.

Die Möglichkeiten der Schlüsselloch-Chirurgie scheinen grenzenlos zu sein. Und tatsächlich: In fast allen Gebieten der Frauenheilkunde setzt sich die endoskopische, mikroinvasive Operationstechnik mehr und mehr durch, löst herkömmliche Techniken ab oder konkurriert mit klassischen Techniken wie dem Bauchschnitt.

Dies ist eine Entwicklung, von der Patientinnen sehr profitiert haben. Die Patientin, welche aufgrund des medizinischen Notfalls einer Eileiterschwangerschaft etwa in eine Klinik eingewiesen wird, benötigt in der Regel keinen Bauchschnitt mehr. Nur kleine Narben erinnern nach überstandener Operation an den meist nur kurzen Krankenhausaufenthalt.

Gleiches gilt für die Therapie von Myomen, aber auch für eine Gebärmutterentfernung aufgrund gutartiger Erkrankungen, oft auch für die Therapie von Senkungszuständen des Genitale, z.B. die Gebärmuttersenkung. Hier hat die Schlüsselloch-Technik ihren festen Platz. Auch größere Operationen bei der Therapie einer Endometriose etwa oder bei Gebärmutterschleimhautkrebs können laparoskopisch durchgeführt werden. In endoskopischen Techniken erfahrene Operateure werden dabei auch erweiterte Krebsoperationen, z.B. bei Gebärmutterhalskrebs, Entfernung von Lymphknoten im Becken- und Bauchbereich, ohne Einschränkungen der Sicherheit für die Patientin durchführen können.

„Damit sind wir allerdings bei dem vielleicht wichtigsten Aspekt operativer Medizin angelang, der Sicherheit der Patientin“, so Priv.-Doz. Dr. med. Christian Dannecker, Kongresssekretär des 59. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), bei der Eröffnungs-Pressekonferenz am 4. Oktober 2012 in München. „Gerade bei der Therapie von Krebserkrankungen darf der Zugang – Schlüsselloch oder Bauchschnitt – nicht über die richtige Operationstechnik und Radikalität entscheiden. Wichtiger als der operative Zugang sind die operative Erfahrung und das chirurgische Können des Arztes“, so Dannecker. Ganz grundsätzlich aber gelte: Wer laparoskopisch operiert, muss das genau so gut machen, wie wenn es offen durchgeführt werden würde. Und diese Forderung macht auch die möglichen Grenzen der Schlüsselloch-Technik deutlich: Bei einem Eierstockkrebs etwa, der typischerweise den gesamten Bauchraum, oft bis über die Leber, befällt, muss möglichst jeder Tumorrest operativ beseitigt werden.

Hierzu muss man den gesamten Bauchraum einsehen können; dies ist über eine Schlüsselloch-Operation in der Regel nicht möglich, so dass hier nach wie vor der Bauchschnitt als Standard gilt. Auch in anderen Situationen ist gegenüber der laparoskopsichen Technik Zurückhaltung geboten: Bei einer wachsenden Gebärmuttergeschwulst nach den Wechseljahren etwa kann es sich auch um eine bösartige Variante eines Tumors handeln, etwa ein Gebärmutter-Sarkom, und nicht – wie meist – ein gutartiges Myom vorliegen. Eine Zerkleinerung der Gebärmutter zur Entfernung aus der Bauchhöhle, wie dies oft bei den endoskopischen Techniken erforderlich ist, wäre in diesem Fall unbedingt zu vermeiden. Ein Bauchschnitt wäre in diesem Fall möglicherweise das sicherere Vorgehen.

Der 59. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, der vom 9. bis 12. Oktober 2012 in München stattfindet, spiegelt den aktuellen Stand der Diskussion der Möglichkeiten und der Grenzen laparokopischer Operationstechniken wider. Zahlreiche Sitzungen und eine eintägige Live-Surgery-Session mit simultaner Übertragung aus mehreren Operationssälen bieten eine Diskussionsplattform, um die wichtigen Fragen moderner gynäkologischer Operationstechnik zu erörtern.

Eines aber ist sicher: Die Entscheidung über das operative Vorgehen, Schlüsselloch oder Bauchschnitt, ist nur in einem guten Gespräch zusammen mit der Patientin individuell zu treffen. Dabei haben die zugrundeliegende Erkrankung der Patientin und ihr Sicherheitsbedürfnis, nicht zuletzt aber auch die Erfahrung des Operateurs die größte Bedeutung.

DGGG 2012

Ansprechpartner für die Medien:
Priv.-Doz. Dr. med. Christian Dannecker
Leitender Oberarzt
Klinikum der Universität München
Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe – Campus Großhadern
Marchioninistr. 15
81377 München
christian.dannecker@med.uni-muenchen.de

Dr. Susanna Kramarz | idw
Weitere Informationen:
http://www.dggg2012.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018
21.02.2018 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen
21.02.2018 | Deutsche Leberstiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics