Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Preis für Ressourcen schonende Prozesse, Plenarvortrag über neue Rohstoffquellen

23.07.2009
Das Wissenschaftsforum Chemie 2009 ist die größte deutschsprachige Chemikertagung in diesem Jahr.

Nach der Nacht der Chemie am 29. August, zu der die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und die Frankfurter Goethe-Universität Schüler, Abiturienten und alle naturwissenschaftliche Interessierte einladen, und der Eröffnungsveranstaltung am 30. August, bei der GDCh-Präsident Professor Dr. Klaus Müllen zahlreiche der über 2.000 erwarteten Teilnehmer und Prominenz aus Wissenschaft und Politik begrüßt, beginnt am Montag, dem 31. August, das wissenschaftliche Programm unter dem Motto "Mit Chemie sicher leben".

Die ersten beiden Programmpunkte machen bereits einen Aspekt des Mottos deutlich: Die Chemie will helfen, Ressourcen zu schonen und neue Rohstoffquellen zu erschließen. Sie will also dazu beitragen, dass auch für künftige Generationen Lebensstandard und Lebensqualität erhalten bleiben und sich noch verbessern. Und für diese moderne, nachhaltige Chemie stehen einzelne Personen, Arbeitskreise an Hochschulen und Unternehmen der chemischen Industrie.

So wird Professor Dr. Walter Leitner, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Technische Chemie und Makromolekulare Chemie der RWTH Aachen, externes wissenschaftliches Mitglied des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim sowie Wissenschaftlicher Direktor des gemeinsam von der RWTH und der Bayer AG gegründeten "CAT - Catalytic Center", in Frankfurt mit dem Wöhler-Preis für Ressourcenschonende Prozesse ausgezeichnet - in Anerkennung seiner innovativen Forschungsarbeiten zur Entwicklung nachhaltiger chemischer Prozesse. Im Zentrum seiner Arbeiten steht die Katalyseforschung von den molekularen Grundlagen bis zu reaktionstechnischen Ansätzen. Leitner erforscht neue Katalysatoren und katalytisch aktive Materialien und versucht, neue Methoden der Stoffumwandlung zu etablieren. Dazu gehört die Nutzung von Kohlendioxid (CO2) als Synthesebaustein. Auf der Suche nach neuartigen Lösungsmitteln für katalytische Prozesse befasste er sich mit dem vielfältigen Potenzial von überkritischem Kohlendioxid als "Green Solvent". Bei der Entwicklung reaktionstechnischer Konzepte für die homogene Katalyse realisierte Leitner mehrphasige Reaktionssysteme aus überkritischem Kohlendioxid in Kombination mit Wasser, ionischen Flüssigkeiten oder Polyethylenglykol.

Leitner, 1963 in Pfarrkirchen geboren, studierte Chemie bis zur Promotion an der Universität Regensburg, wohin er nach einem einjährigen Postdoc-Aufenthalt an der Universität Oxford als Liebig-Stipendiat zurückkehrte. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter wechselte er an die Universität Jena, wo er sich 1995 habilitierte. Nach knapp sieben Jahren in leitenden Positionen am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim nahm er den Ruf an die RWTH Aachen an. Leitner wurde vielfach wissenschaftlich gefördert und hat bereits zahlreiche wissenschaftliche Auszeichnungen erhalten. Neben seiner Tätigkeit im Vorstand der GDCh-Fachgruppe Nachhaltige Chemie nimmt er etliche weitere ehrenamtliche Tätigkeiten wahr, die alle dem Ziel dienen, die Prinzipien der "Green Chemistry" weiterzuentwickeln. So ist er wissenschaftlicher Herausgeber der Zeitschrift "Green Chemisty" der Royal Society of Chemistry.

Nach der Preisverleihung folgt der Plenarvortrag "Neue Rohstoffquellen in der chemischen Industrie" von Professor Dr. Rainer Diercks, President Chemicals Research and Engineering der BASF SE in Ludwigshafen. Diercks studierte Chemie an der Universität Hamburg. Im Anschluss an einen Postdoc-Aufenthalt an der U.C. Berkeley begann er 1986 seine berufliche Karriere in der BASF. Nach Tätigkeiten in Forschung, Entwicklung, Produktion und verschiedenen Management-Positionen übernahm er 2004 die Leitung des Ammoniaklaboratoriums. Er ist innerhalb der BASF für das Thema Rohstoffwandel zuständig. Neben Mandaten in Tochterunternehmen der BASF hat er eine Reihe weiterer Positionen, wie den Vorstandsvorsitz bei der Deutschen Gesellschaft für Katalyse, inne. Diercks ist Honorarprofessor an der Universität Mainz.

Die Wertschöpfung der chemischen Industrie basiert auf der Umwandlung von Rohstoffen in höherwertige Produkte. Zum Erfolg tragen der langfristige Zugang zu kostengünstigen Rohstoffen und der Einsatz der wirtschaftlichsten Technologien bei. Diercks wird in seinem Vortrag die Alternativen zum heute wichtigsten Rohstoff Erdöl aufzeigen, der ca. 75 % des Rohstoffbedarfs der chemischen Industrie deckt, wobei allerdings mehr als 90 % des geförderten Erdöls energetisch und nicht stofflich genutzt werden. Begrenzte Erdölreserven, immer schwerer zu erreichende Vorkommen und die geopolitischen Unsicherheiten legen die Entwicklung alternativer Technologien zur verstärkten Nutzung der anderen fossilen Kohlenstoffquellen - Erdgas und Kohle - sowie zum Einsatz nachwachsender Rohstoffe nahe.

Die wichtigsten Ausgangsstoffe für die Mehrzahl der Wertschöpfungsketten in der chemischen Industrie, Olefine und Aromaten, werden hauptsächlich durch Cracken und Reformieren von Naphtha (Rohbenzin) erzeugt. Demgegenüber erfordert eine alternative Erdgas-basierte Chemie die Entwicklung neuer Technologien, mit denen Kohlenstoffverbindungen aufgebaut werden können. Kohle ist der fossile Rohstoff, der uns am längsten zur Verfügung steht. Seiner industriellen Nutzung stehen derzeit das schwierigere Feststoffhandling und vor allem die schlechteste CO2-Bilanz entgegen. Nachwachsende Rohstoffe bieten Vorteile wie eine günstige CO2-Bilanz oder die praktisch unbegrenzte Reichweite. Ihre großflächige Nutzung kann aber im Wettbewerb mit der Nahrungsmittelproduktion stehen. Welchen Beitrag CO2 als Chemierohstoff leisten und wie die Chemie zur langfristigen Lösung des CO2-Problems beitragen kann, zeigt Diercks abschließend auf.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Alle zwei Jahre veranstaltet sie an wechselnden Orten in Deutschland das Wissenschaftsforum, bis 2005 unter dem Namen Jahrestagung. Auf dieser bedeutendsten deutschen Chemiker-Tagung werden von der GDCh zahlreiche Ehrungen vorgenommen, so u.a. die Verleihung des mit 7.500 Euro dotierten Wöhler-Preises für Ressourcenschonende Prozesse, der seit 1998 fünfmal vergeben wurde. Zu den weiteren Höhepunkten der Wissenschaftsforen zählen die Plenarvorträge. Die finanzielle Unterstützung durch Unternehmen der chemischen Industrie - in diesem Jahr neben dem Hauptsponsor BASF SE auch die Bayer AG, die Merck KGaA, die Sanofi Aventis Deutschland GmbH und die Wacker AG - und durch Verlage wie Thieme und Wiley-VCH trägt wesentlich zum Gelingen der Tagung bei.

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen
29.05.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft
29.05.2017 | Universität Mannheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise