Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nanopartikel nicht nur für bessere Lacke: Neue Ideen – vom Rohstoff bis zur Anwendung

18.09.2013
Lackchemiker aus dem In- und Ausland haben sich vom 18. bis 20. September 2013 zur 78. Tagung Lacktagung in Schwäbisch Gmünd versammelt.

Unter dem Motto „Neue Ideen – vom Rohstoff bis zur Anwendung“ beleuchten die Vorträge die Schwerpunktthemen Nanotechnologie, Lackrohstoffe, funktionale Beschichtungen sowie Applikation und Prozesse.

Insbesondere Beiträge aus der Nanotechnologie verdeutlichen das zur Verfügung stehende innovative Potenzial. Dabei werden auch die Grenzen der klassischen Lackchemie überschritten und Entwicklungen für die Photovoltaik oder medizinische Anwendungen präsentiert. Die Tagung wird von der Fachgruppe Lackchemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) durchgeführt.

Nach der Eröffnung der Tagung und den Grußworten von Julius Mihm, Bürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd, und Dr. Michael Hilt, Forschungsgesellschaft für Pigmente und Lacke e.V., berichtet Professor Dr. Thomas Graule, Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, über „Flammspray-Synthese von Nanopartikeln mit erhöhter photokatalytischer Aktivität“. Photokatalytische Prozesse ermöglichen die Nutzung von Solarenergie zur abfallfreien Wasserstoff-Produktion.

Ein Haupthindernis für eine breitere Anwendung dieser Technologie ist jedoch der Mangel an effizienten Photokatalysatoren, die ein breites Lichtspektrum nutzen können. So kann das üblicherweise verwendete Titandioxid (TiO2) nur drei bis fünf Prozent der Sonnenergie nutzen. In seinem Vortrag geht Graule auf dieses Problem ein und zeigt, wie durch Flammspray-Synthese Wolfram-, Chrom- oder Eisen-dotierte TiO2-Nanopulver mit hoher Kristallinität erzeugt werden können. Diese Materialien können Sonnenlicht bis zu höheren Wellenlängen nutzen und zeichnen sich so durch gesteigerte Effizienz aus.

Welche Nutzen Nanotechnologie bietet, um umweltfreundliche wasserbasierte Lacke zu produzierten, beantwortet Dr. Detlef Burgard, Bühler PARTEC. In der Vergangenheit wurden Lacke vor allem auf der Basis organischer Lösungsmittel hergestellt. Die flüchtigen Lösungsmittel (VOC, volatile organic compounds) stellen jedoch ein massives Umweltproblem dar. Um vergleichbare Entwicklungen in aufstrebenden Industrieländern zukünftig zu vermeiden, sind neue, umweltfreundliche Methoden notwendig. Gleichzeitig müssen dabei die technischen Merkmale der erzeugten Lacke wie Resistenz gegen Feuchtigkeit oder Lösungsmittel, Kratzfestigkeit oder die Trocknungszeit vergleichbar bleiben, um konkurrenzfähig zu sein. Burgard zeigt, wie wasserbasierte Lacke mit hervorragenden Eigenschaften durch den Einsatz Nanopartikel-basierter Zusätze möglich sind.

Auch den Blick über den berühmten Tellerrand wagt die Tagung. Dr. Kerstin Lüdtke-Buzug vom Institut für Medizintechnik der Universität zu Lübeck berichtet in Schwäbisch Gmünd über magnetische Nanopartikel und ihre Anwendung im Bereich der medizinischen Bildgebung. Lüdtke-Buzug spricht über superparamagnetische Eisenoxid-Nanopartikel (SPIONs) und deren Nutzung beim Magnetic Particle Imaging (MPI). Im Vortrag wird zunächst das Verfahren des MPI vorgestellt und die daraus resultierenden speziellen Anforderungen an die SPIONs erläutert. Dabei stehen neben den klassischen auch neue Anwendungsgebiete im Fokus. Das betrachtete Spektrum reicht vom Wirkstofftransport über Hyperthermie als Therapieverfahren – dabei werden die SPOINs in Tumorgewebe durch magnetische Wechselfelder erhitzt und töten so das Krebsgewebe ab – bis zu bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie, in der SPIONs als Kontrastmittel eingesetzt werden.

Das wissenschaftliche Programm wird ergänzt durch den Begrüßungsabend auf Einladung von Schlenk Metallic Pigments mit einem Vortrag zur Historie der „Farblacke“ von Magdalene Gärtner, Schwäbisch Gmünd, und eine Führung durch das Forschungsinstitut für Edelmetalle und Metallchemie.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Lackchemie mit über 460 Mitgliedern, die seit 65 Jahren besteht. Die Fachgruppe sieht ihre Aufgaben u.a. in der aktiven Förderung der Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Beschichtungsstoffe und Pigmente und damit verbundener Rohstoffe, Produkte und Technologien sowie in der Mitarbeit bei technischen und politischen Fragestellungen der europäischen und deutschen Gesetzgebung.

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena
16.10.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer
13.10.2017 | InfectoGnostics - Forschungscampus Jena e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise