Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Klimaanlagen in Pkw und Klimaschutz

14.12.2011
Fachtagung fordert effiziente Technik und einheitliches Messverfahren des Mehrverbrauchs von Autoklimaanlagen

Klimaeffekt von hochwirksamen Kältemitteln der globalen Pkw-Flotte übertrifft schon in wenigen Jahren die Belastung des gesamten deutschen Straßenverkehrs bei weitem - Fachtagung fordert Ausweisung des Kraftstoffmehrverbrauchs für Autokäufer - Neue Kältemittel sollen effizient arbeiten, eine geringe Klimawirksamkeit aufweisen und weder brennbar oder gesundheitsgefährdend sein - Von den Autoherstellern favorisiertes Kältemittel 1234yf wird wegen seiner Gefährlichkeit im Brandfall abgelehnt

Die Klimawirksamkeit von Autoklimaanlagen muss angesichts des weltweit rasant wachsenden Pkw-Bestands und der inzwischen standardmäßigen Ausstattung von Pkw mit solchen Anlagen dringend begrenzt werden. Dazu sollen die Autohersteller die jeweils wirksamste Klimatechnik sowie klimaschonende und auch im Brandfall ungiftige Kältemittel einsetzen. Ein EU-weit einheitliches Messverfahren soll darüber hinaus den Kraftstoffmehrverbrauch für Autokäufer transparent machen. Das sind die Kernforderungen der Fachtagung "Prima Klima im Auto: Wie wird die Klimaanlage zukunftsfähig?", die am Dienstag in den Räumen der Vertretung der EU-Kommission in Berlin stattfand. Veranstalter des Treffens mit rund 70 Experten aus dem In- und Ausland waren die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) und der ökologische Verkehrsclub VCD im Rahmen der gemeinsamen und von der EU geförderten Kampagne PRO KLIMA.

Die Tagungsteilnehmer waren sich einig, dass nach dem Ersatz von Kältemitteln auf Basis von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) in den 1990er Jahren durch den Fluorkohlenwasserstoff Tetrafluorethan (R134a) nun die Beschleunigung der Klimaerwärmung durch Kältemittel aus Autoklimaanlagen im Vordergrund der zukünftigen Technologieentwicklung stehen muss. R134a heizt die Atmosphäre 1.430mal stärker auf als Kohlendioxid (CO2). Ohne Gegenmaßnahmen erwartet das UN-Umweltprogramm UNEP, dass die Atmosphärenbelastung aus Pkw-Klimaanlagen das Weltklima wegen des rasanten Anstiegs der globalen Pkw-Flotte schon in wenigen Jahren wesentlich stärker belasten wird als der gesamte deutsche Straßenverkehr. Nikolaus Steininger, der Vertreter der EU-Kommission (Generaldirektion Unternehmen und Industrie) erläuterte die Strategie der EU zur Eindämmung des Problems. Nach dem seit dem Jahresbeginn 2011 EU-weit geltenden Verbot von hoch klimawirksamen Kältemitteln, will die EU in einem nächsten Schritt effiziente Klimaanlagen forcieren, die den Kraftstoffmehrverbrauch eindämmen. Im Zuge der im kommenden Jahr beginnenden Revision der Pkw-CO2-Regulierung sollen ineffiziente Klimaanlagen mit einem CO2-Zuschlag belegt und effiziente mit einem CO2-Abschlag gefördert werden. Bereits 2013 soll die Kraftstoffeffizienz von Autoklimaanlagen Eingang in die Euro 6-Abgasnormen finden.

Gefordert wurde von mehreren Referenten auch ein EU-weit geltendes einheitliches Messverfahren über den Kraftstoffmehrverbrauch durch Autoklimaanlagen. Der bleibt beim derzeitigen offiziellen europäisches Prüfzyklus (NEFZ) und den von den Autoherstellern angegebenen Normverbräuchen völlig unberücksichtigt, kann aber im Extremfall bis zu einem Fünftel des Verbrauchs ausmachen. In Zukunft sollen Autokäufer die Möglichkeit erhalten, bei ihrer Kaufentscheidung auch den Kraftstoffmehrverbrauch der Klimaanlage zu berücksichtigen. Werner Stadlhofer von der Technischen Universität Graz erläuterte ein entsprechendes EU-weit standardisierbares Messverfahren, das derzeit in Österreich entwickelt und getestet wird.

Einen großen Stellenwert während der Tagung nahm die Strategie der Autohersteller ein, R134a durch die Chemikalie 2,3,3,3-Tetrafluorpropen (HFO-1234yf) zu ersetzen. Aus der Chemikalie entsteht bei Unfällen mit Bränden Fluorwasserstoff, der in Kontakt mit Wasser zu ätzender und hochgiftiger Flusssäure (HF) reagiert. Der Chemiker Professor Andreas Kornath von der Ludwig-Maximilians-Universität in München erläuterte die ausgehenden Gefahren von HF: es kann nach dem Einatmen nicht wie andere Atemgifte schnell im Körper wieder abgebaut werden, deshalb ruft es bleibende Schäden hervor und wirkt in hoher Konzentration tödlich. Außerdem entstünden im vielstufigen Synthetisierungsprozess der Chemikalie hoch klimawirksame Zwischenprodukte, die nach dem Kyotoprotokoll nicht in die Atmosphäre gelangen dürften. Auch wegen der energieintensiven Synthese des Stoffs sei die Herstellerangabe eines Klimafaktors von nur 4 eine "Milchmädchenrechnung", erläuterte Kornath.

Als Mittel der Wahl favorisierten mehrere Referenten das natürliche Kältemittel Kohlendioxid (CO2) mit einem Klimafaktor 1.

Die Technik stehe bereit. Die deutschen Autohersteller hatten sich vor wenigen Jahren bereits für CO2 als natürliches Kältemittel entschieden, waren dann aber doch auf das von den Chemiekonzernen Dupont und Honeywell angebotene 1234yf umgeschwenkt. CO2-Klimaanlagen können auch zum Heizen genutzt werden - besonders interessant für Hybrid- und Elektrofahrzeuge. Allerdings kann CO2 nicht in die bestehenden Klimaanlagensysteme gefüllt werden, weshalb eine Umkonstruktion erforderlich ist, die in der Produktion gewisse Mehrkosten verursacht.

Die Vorträge der Tagung finden Sie auf der Kampagnenhomepage unter:
http://www.autoklimaanlage.info/de/aktivitaeten/veranstaltungen.html
Pressekontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer DUH; Hackescher Markt 4,
10178 Berlin; Mobil: 0171 3649170, E-Mail: resch@duh.de
Eva Lauer, Projektleiterin PRO KLIMA; Hackescher Markt 4,
10178 Berlin; Tel.: 030 2400867 -76, E-Mail: lauer@duh.de
Dr. Gerd Rosenkranz, Leiter Politik und Presse DUH Hackescher Markt 4, 10178 Berlin; Tel.: 030 2400867-0,

Mobil: 0171 5660577, E-Mail: rosenkranz@duh.de

Anja Smetanin, Pressesprecherin Verkehrsclub Deutschland e. V. (VCD) Rudi-Dutschke-Str. 9, 10969 Berlin; Tel.: 030 280351-12,

E-Mail: anja.smetanin@vcd.org

Jürgen Resch | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.duh.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern
08.12.2017 | Swiss Tropical and Public Health Institute

nachricht Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter
07.12.2017 | Deutsche Gesellschaft für Pathologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Im Focus: Successful Mechanical Testing of Nanowires

With innovative experiments, researchers at the Helmholtz-Zentrums Geesthacht and the Technical University Hamburg unravel why tiny metallic structures are extremely strong

Light-weight and simultaneously strong – porous metallic nanomaterials promise interesting applications as, for instance, for future aeroplanes with enhanced...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Papstar entscheidet sich für tisoware

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

Natürliches Radongas – zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

„Spionieren“ der versteckten Geometrie komplexer Netzwerke mit Hilfe von Maschinenintelligenz

08.12.2017 | Biowissenschaften Chemie