Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Ingenieurmangel begegnen, durch besondere Förderung junger Menschen mit Migrationshintergrund

20.05.2010
Ingenieurwissenschaften - ein Sprungbrett für Menschen mit Migrationshintergrund

Auf der Tagung am 20. Mai 2010 von 10.00 bis 15.30 Uhr in der Katholischen Akademie in Berlin möchte 4ING über die Frage diskutieren wie Deutschland dem Fachkräftemangel begegnen und international konkurrenzfähig bleiben kann.

Im Auftrag von 4ING hat Prof. Dr. Susanne Ihsen eine Potenzialanalyse von Menschen mit Migrationshintergrund für die Ingenieurwissenschaften und Informatik erstellt. Die Ergebnisse der Studie „Ingenieurwissenschaften – Attraktive Studiengänge und Berufe auch für Menschen mit Migrationshintergrund“ werden erstmals in Berlin vorgestellt.

Die Bevölkerungsstruktur in Deutschland wird sich dramatisch verändern. Bereits heute hat nahezu jedes dritte Kind unter zehn Jahren einen Migrationshintergrund. Doch nur 13 % dieser Kinder besuchen ein Gymnasium. Zum Vergleich: In der Gruppe der Kinder ohne Migrationshintergrund sind es 44 %. An den Universitäten haben nur noch 11 % der Studierenden einen Migrationshintergrund.

Der Dachverein „Fakultätentage der Ingenieurwissenschaften und der Informatik an Universitäten (4ING) verfolgt diese Entwicklung mit Sorge. Schon heute leidet Deutschland an akutem Fachkräftemangel, der sich durch die demografische Entwicklung verstärken wird. Um den Wirtschafts- und Technologiestandort in Deutschland zukünftig aufrecht zu erhalten, müssen folglich neue Wege beschritten werden.

„Bildung, Begeisterung und der auf Innovation und Leistungsfähigkeit begründete gemeinsame Wohlstand schweißen unsere Gesellschaft zusammen“, sagt Professor Dr. Gerhard Müller, Vorsitzender von 4ING. „Wir können es uns weder wirtschafts- noch sozialpolitisch leisten, nicht die Begabungen aus allen Bevölkerungsgruppen zu erkennen, für ein Studium in den technischen Disziplinen zu animieren und durch die schulische Bildung darauf vorzubereiten.“

Im Auftrag von 4ING hat Prof. Dr. Susanne Ihsen, Technische Universität München, Fachgebiet Gender Studies in Ingenieurwissenschaften, die Studie „Ingenieurwissenschaften - attraktive Studiengänge und Berufe auch für Menschen mit Migrationshintergrund?“ erarbeitet. „Integrationsschwierigkeiten treten bereits sehr früh im Bildungssystem auf und lassen sich dort auch am ehesten beheben“, so Prof. Dr. Susanne Ihsen. „Kinder mit Migrationshintergrund besuchen weitaus seltener einen Kindergarten, bundesweit beträgt ihr Anteil etwa 30 Prozent. Nur durch den Zugang zu frühkindlicher Bildung kann eine frühe Förderung einsetzen, insbesondere hinsichtlich der sprachlichen Entwicklung und der sozialen Integration.“

„Mangelnde Deutschkenntnisse werden häufig mit mangelnder Schulfähigkeit verwechselt und können sogar zu fatalen Fehlentscheidungen hinsichtlich der Fähigkeiten und Interessen der Kinder führen“, kritisiert Prof. Ihsen. Gerade Fächergruppen wie die Ingenieurwissenschaften und die Informatik können hier eine positive Integration beflügeln. „Die Ingenieurwissenschaften und die Informatik können für junge Menschen, auch aus bildungsfernen Schichten, aufgrund ihres hohen Praxis- und späteren Berufsbezugs und der dort vermittelten spezifischen Kompetenzen im analytischen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich sehr attraktiv sein“, urteilt Susanne Ihsen. „Anders als beispielsweise in den Geisteswissenschaften, bei denen eine Bindung zur Sprache absolut erforderlich ist, speist sich in den Ingenieurwissenschaften der Bezug auch aus der Freude an technischen Abläufen und ist somit weit unabhängiger von der jeweiligen Sprachkompetenz.“ Ganz offensichtlich wird dieses Potenzial derzeit in Deutschland ungenügend ausgeschöpft.

Zu Verbesserung der Situation bietet die Studie vier Handlungsansätze an:

1. Bessere Integration durch eine Steigerung der Qualität der frühkindlichen Bildung und vorschulischen Angebote inklusive gezielter Sprachförderung, durch mehr Lehrer/innen und Erzieher/innen mit Migrationshintergund; die Brückenfunktion der Familien hinsichtlich der sprachlichen und kulturellen Integration spielt dabei eine wichtige Rolle.

2. Steigerung des Technikinteresses der Kinder durch ein kontinuierliches „Technik-Curriculum“ entlang der Bildungskette bis zum Alter von 12 Jahren. Die Darstellung erfolgreicher Ingenieure /innen – auch mit Migrationshintergrund - kann auch hier zu einer Identifikation mit Technik führen.

3. Kontinuierliche Unterstützung entlang der Bildungskette durch begleitende Sprachenbildung bei Kindern und Jugendlichen. Vor allem Jungen / junge Männer mit Migrationshintergrund benötigen mehr Unterstützung. Statistisch gesehen haben sie schlechtere Chancen auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt.

4. Sensibilisierung der Universitäten und ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten durch Einbindung des Themas „Migration“ als Querschnittsthema sowie durch finanzielle und berufspraktische Fördermöglichkeiten. Besonders in der Lehrerausbildung muss auf die Heterogenität der Schüler/innen vorbereitet werden. Unterrichtsinhalte und –materialien müssen die gesellschaftliche Realität abbilden. Gender- und Diversity-Konzepte und Erfahrungen von Unternehmen sind einzubeziehen. Die Wirkung von Maßnahmen muss verfolgt werden.

„4ING hofft“, so Prof. Müller, „mit der neuen Studie einen Beitrag zu einer in Deutschland zwingend erforderlichen Diskussion zu leisten. Es geht um die zentrale Frage, wie das Potenzial aller unserer jungen Menschen optimal aktiviert werden kann. Gefragt sind Konzepte, die an der Schnittstelle zwischen Schule und Familie ansetzen und über spezielle Formate, zugeschnitten auf den jeweiligen familiären und kulturellen Hintergrund, junge Talente fördern.“

Wir appellieren an Bund und Länder, unter Berücksichtigung der an vielen Stellen entwickelten Konzepte das Problem flächendeckend anzugehen.

Für Rückfragen: Andrea Weingart, mobil 0177 / 59 63 859

Weitere Informationen: www.4ing.net

Der Dachverein „Fakultätentage der Ingenieurwissenschaften und der Informatik an Universitäten“ (4ING) vertritt 130 Fakultäten, Fachbereiche und Abteilungen an Universitäten und Technischen Universitäten in Deutschland. Diese stellen mehr als 90% des universitären Studienangebotes bereit in den Fächern Bauingenieurwesen, Geodäsie; Maschinenbau, Verfahrenstechnik; Elektrotechnik, Informationstechnik sowie Informatik.

Heike Schmitt | idw
Weitere Informationen:
http://www.4ing.net

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli
26.06.2017 | Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS

nachricht Von Batterieforschung bis Optoelektronik
23.06.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie