Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gesammelte Vielfalt des Hafers im Dienste einer gesunden Ernährung

02.03.2009
Europäische Arbeitstagung im Rahmen des EU-Projekts AVEQ am Julius Kühn-Institut in Quedlinburg

Hafer (Avena sativa) ist ernährungsphysiologisch betrachtet unser wertvollstes Getreide. Er hat einen hohen Proteingehalt (bis zu 24%) und ist reich an Mineral- und Ballaststoffen.

Bis 2011 sollen in einem EU-Projekt 600 Genbankmuster und Sorten genauer untersucht werde. An dem EU-Projekt AVEQ "Genetische Ressourcen des Hafers im Hinblick auf Qualitätsmerkmale bei der Speisehafer-Erzeugung", das vom Julius Kühn-Instituts (JKI) koordiniert wird, beteiligen sich neun Länder aus allen Teilen Europas. Bei der von heute bis Mittwoch (2. - 4.3.2009) am JKI-Stammsitz in Quedlinburg stattfindenden zweiten Projekttagung werden erste Ergebnisse und das weitere Vorgehen diskutiert.

In Genbanken lagern viele alte und neuere Sorten des Kulturhafers sowie verschiedene Wildhaferarten. "Sie sind unsere Schatzkiste, wenn es gilt, durch Züchtung die Anbau- und Qualitätseigenschaften moderner Hafersorten zu verbessern", so Dr. Christoph Germeier vom Julius Kühn-Institut,. Allerdings sind die Qualitätseigenschaften der Sorten meist nicht bekannt. Das AVEQ-Projekt soll Licht ins Dunkel bringen. Es wird von der Europäischen Union, den Firmen Kölln Flocken (Deutschland), Emco, spol. s r.o. (Tschechische Republik) sowie von der Gemeinschaft zur Förderung der privaten deutschen Pflanzenzüchtung e.V. (GFP) gefördert.

In den neun beteiligten Ländern Europas werden 600 Haferformen (Wildformen, Landsorten, alte und moderne Zuchtsorten) angebaut und auf ihre Qualitätsmerkmale analysiert. Dabei wird auch untersucht, wie stark die einzelnen Formen mit Schimmelpilzen (Fusarien) oder Mykotoxinen verunreinigt sind. Alle Ergebnisse des Projekts fließen in eine bereits etablierte europäische Haferdatenbank ein. "Wir am JKI, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, betreuen die Haferdatenbank. Mit den Daten des Projektes wird diese erheblich vergrößert. Sämtliche derzeitigen und zukünftigen Daten stehen Züchtern, aber auch der interessierten Öffentlichkeit online zur Verfügung", so der JKI-Forscher.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Christoph Germeier
Institut für Züchtungsforschung and landwirtschaftlichen Kulturen des JKI
Erwin-Baur-Str. 27, 06484 Quedlinburg
Fon: 03946-47-702
christoph.germeier[at]jki.bund.de
Hintergrundinformation:
AVEQ = Avena Genetic Resources for Quality in Human Consumption
Anbau von Hafer:
Der Anbau von Hafer hat vor dem 19. Jahrhundert in Nord-Europa eine bedeutende Rolle als Grundnahrungsmittel und Viehfutter gespielt. Im Gegensatz zu Weizen wird Hafer bevorzugt in gemäßigten Klimaten mit hohen Niederschlägen angebaut. Seine Ansprüche an den Boden sind gering. In getreidereichen Fruchtfolgen stellt er eine wichtige Gesundungsfrucht dar, da sich viele Getreideschädlinge an ihm nicht vermehren. Gegenwärtig geht sein Anbau jedoch ständig zurück. So wurden in Deutschland 1970 noch auf 825.000 ha Hafer angebaut, 2004 hingegen nur noch auf 227.000 ha.
Ernährungsaspekte:
Die hohe Proteinqualität macht Haferprodukte auch für Zöliakie-Patienten verträglich. Auch die löslichen Ballaststoffe (sog. ?-Glucan) sind von besonderem Interesse. Die heilsame Wirkung des "Haferschleims" ist schon der Volksmedizin bekannt. Eine Absenkung von Cholesterin und Blutzucker durch Haferprodukte sowie günstige Auswirkungen auf den Verdauungstrakt konnten medizinisch nachgewiesen werden. So kann Haferkleie in kohlenhydratreichen Nahrungsmitteln eingesetzt werden, um den Insulinbedarf von Diabetikern zu senken. Diese Ergebnisse veranlassten bereits 1997 die US-Ernährungsbehörde, eine besondere Auslobung von Haferprodukten als gesundheitsfördernde Nahrungsmittel ("Health Claim") zuzulassen. Hieraus ergeben sich allerdings Anforderungen an das Rohmaterial. So sollten im Hafer Gehalte von mindestens 5 % ?-Glucan und 15 - 22 % Protein vorhanden sein. Auch in den Ländern der EU gibt es ähnliche Regelungen. Natürlich spielt für Gesundheits-Produkte auch die Freiheit von Schadstoffen wie Mykotoxinen, die beim Befall mit Schimmelpilzen entstehen, eine wichtige Rolle. In neuerer Zeit geraten auch Inhaltsstoffe mit antioxidativer Wirkung (sogenannte Avenanthramide) in den Fokus des Interesses. Ihnen werden entzündungshemmende Wirkungen gegen Arteriosklerose und Krebs zugeschrieben.

Dr. Gerlinde Nachtigall | idw
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de
http://www.eadb.bafz.de/CCDB_PHP/eadb/
http://www.jki.bund.de/nn_806770/DE/pressestelle/Presseinfos/Presseinfo__node.html__nnn=true

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen
24.03.2017 | Technische Hochschule Wildau

nachricht Lebenswichtige Lebensmittelchemie
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise