Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Fortschritte im Kampf gegen Tuberkulose

30.06.2014

Führende Immunologen rechnen mit deutlichen Fortschritten bei der Bekämpfung der weltweit verbreiteten Infektionskrankheit Tuberkulose.

Entsprechend äußerte sich heute der Direktor am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie Professor Stefan Kaufmann zum Start des wissenschaftlichen Programms der 64. Nobelpreisträgertagung in Lindau. „In den letzten zehn Jahren gab es zahlreiche Versuche, einen besseren Impfstoff zu entwickeln. Nun haben wir berechtigte Hoffnung, dass unser eigener Impfstoff wirksam ist“, erklärte Kaufmann.

Das von Kaufmanns Forschungsgruppe entwickelte Vakzin befindet sich bereits in Phase-IIa-Studien, in denen es an Studienteilnehmern auf Wirksamkeit und Verträglichkeit klinisch überprüft wird. Ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit dem Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis infiziert, jährlich sterben 1,3 Millionen Menschen an Tuberkulose.

Fortschritte wie diesen im Kampf gegen Infektionskrankheiten führt Kaufmann auf die tiefer gehenden Erkenntnisse über die körpereigene Immunabwehr zurück, die in den letzten Jahrzehnten gewonnen wurden. Gleich drei Nobelpreisträger, die daran maßgeblichen Anteil hatten, nehmen aktuell an der am Sonntag eröffneten Lindauer Nobelpreisträgertagung teil.

Der Franzose Jules Hoffmann, der US-Amerikaner Bruce Beutler und der Schweizer Rolf Zinkernagel widmen sich in ihren Vorträgen den Herausforderungen der modernen Immunologie, einem der Schwerpunktthemen des einwöchigen Programms. Insgesamt 37 Nobelpreisträger tauschen sich bis Freitag mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs aus: Aus 80 Ländern kommen die über 600 ausgewählten Studierenden, Doktoranden und Postdoktoranden im Bereich Physiologie und Medizin.

Stefan Kaufmann, Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie und Professor für Mikrobiologie und Immunologie an der Charité in Berlin, ist einer von zwei wissenschaftlichen Leitern der Tagung und damit maßgeblich für das Programm verantwortlich. Er hat ein klares Bild davon, in welche Richtung sich sein Forschungsgebiet weiter entwickeln wird: „Wir müssen das Immunsystem in den nächsten Jahren im systembiologischen Kontext verstehen.“ Ein Schlüssel dazu ist

die Erfassung der molekularen und funktionalen Diversität der Immunzellen. Ein weiterer ist die Untersuchung ihrer komplexen Interaktionen mit körpereigenen und körperfremden Zellen und Substanzen. Dieses Wissen wird neue Ansätze zur Prävention und Therapie von Infektionskrankheiten wie der Tuberkulose liefern und zu einem besseren Verständnis von Allergien, Autoimmunkrankheiten und der körpereigenen Überwachung von Krebs beitragen.

Die Komplexität der biologischen und biochemischen Grundlagen des menschlichen Immunsystems ist ein Grund dafür, dass die Jahrtausende alte Tuberkulose immer noch mit einem fast einhundert Jahre alten, erwiesenermaßen wenig wirksamen Impfstoff bekämpft wird und sechs Monate dauernde Antibiotikakuren notwendig sind, um Patienten zu heilen.

Der Erreger Mycobacterium tuberculosis entzieht sich geschickt den verfügbaren Waffen des Körpers und der Medizin. „Der Erreger nistet sich in Makrophagen ein und hemmt eine effiziente Immunantwort“, erklärt Stefan Kaufmann. Innerhalb dieser Fresszellen, die eigentlich die Immunabwehr unterstützen, können die Bakterien für lange Zeit inaktiv überdauern und den meisten Antibiotika entkommen. Die dicke, undurchlässige Fettschicht ihrer Zellwand trägt zusätzlich zum Schutz der Erreger bei.

„Der alte BCG-Impfstoff gegen Tuberkulose aktiviert in erster Linie nur Helferzellen. Der Trick unseres neuen Impfstoffs ist, dass er zusätzlich Killerzellen aktiviert, und wir dadurch eine bessere zelluläre Immunantwort auslösen können“, erläuterte Kaufmann. Ergänzend zur Impfstoffforschung werden auch innovative Therapieansätze untersucht, mit denen versucht wird, das Bakterium aus der Makrophagen-Deckung zu locken.

Die 64. Lindauer Nobelpreisträgertagung endet am Freitag, dem 4. Juli. Die Veranstalter sind das Kuratorium für die Tagungen der Nobelpreisträger in Lindau e.V. und die Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertagungen.

Weitere Informationen:

http://www.flickr.com/photos/nobellaureatemeeting Fotos
http://www.lindau-nobel.org → „Communications“: Pressemitteilungen & -informationen
http://www.mediatheque.lindau-nobel.org/meetings/2014 Videos & Forscherprofile
http://www.blog.lindau-nobel.org Blog

Christian Schumacher | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Von Batterieforschung bis Optoelektronik
23.06.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht 10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge
22.06.2017 | Haus der Technik e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften