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Europäische Konferenz zu Wirbeltieren mit Schadpotenzial

27.09.2011
Was haben Ratten, Wildschweine und Eichhörnchen gemeinsam? Sie sind Wirbeltiere und spielen zusammen mit anderen Tierarten eine wichtige Rolle in unserer Umwelt.

Neben vielen positiven Effekten können einige Wirbeltierarten im Umfeld des Menschen, in landwirtschaftlichen Flächen, in Naherholungsgebieten oder im Forst Schwierigkeiten bereiten.

Vom 26. bis 30. September 2011 findet an der Humboldt-Universität in Berlin die 8. European Vertebrate Pest Management Conference statt. Circa 150 Wissenschaftler aus fast 40 europäischen und außereuropäischen Ländern machen die Relevanz des Themas deutlich.

Ziel der Konferenz-Teilnehmer ist es, Probleme durch Wirbeltiere durch geeignete Maßnahmen zu minimieren. Veranstalter sind das Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, und die Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät der Humboldt Universität Berlin.

„Die Spannbreite der Tierarten, um die es bei der Konferenz geht, reicht vom indischen Tiger über Haustauben bis zu unseren Siebenschläfern“, sagt Dr. Jens Jacob, verantwortlicher Wissenschaftler am JKI und Mitorganisator der Konferenz. Die Wissenschaftler zeigen die Problemfelder in den Bereichen Pflanzen-, Gesundheits- und Naturschutz auf. Die Ergebnisse aus grundlegenden und angewandten Forschungsarbeiten münden in Lösungsvorschlägen. Letztere müssen ökologisch verträglich und ökonomisch vertretbar sein.

Ein Tier, das die Tagungsteilnehmer beschäftigt, ist das Grauhörnchen. Diese Art wurde aus den USA und Kanada im 19. Jahrhundert nach Großbritannien und im 20. Jahrhundert nach Italien eingeschleppt. In diesen Ländern verdrängt es das heimische Eichhörnchen. Es besteht die Gefahr, dass sich die Grauhörnchen nach Mitteleuropa ausbreiten. Besonders halbwüchsige Grauhörnchen können massive Schäden an Bäumen verursachen, da sie die Rinde von den Bäumen abziehen. Weil sie Vogelnester plündern, werden sie auch für den Rückgang von Waldvogelpopulationen mitverantwortlich gemacht. Um die Grauhörnchenpopulation zu verkleinern und ihre Ausbreitung einzudämmen, versucht man ihre Fortpflanzung zu hemmen. Es werden u.a. Köder getestet, die einen Wirkstoff enthalten, der die Bildung von Fruchtbarkeitshormonen verhindert. So würde die Population verkleinert werden, ohne Tiere zu töten. Diese Vorgehensweise hat sich bei verschiedenen Vogelarten und Präriehunden bewährt. Auf der Tagung werden aktuelle Forschungsergebnisse präsentiert, die zeigen, ob der Ansatz auch geeignet ist, die Fruchtbarkeit weiblicher Grauhörnchen zu senken.

Weitere wichtige Themen der Konferenz:

- Widerstandsfähigkeit von Nagetieren gegen Rodentizide

- Einsatz von tierschutzgerechten Methoden beim Management von schädlichen Wirbeltieren

- Wirbeltiermanagement in Entwicklungsländern

Die Teilnehmer kommen von Universitäten, Forschungseinrichtungen, Industrieunternehmen, nationalen und internationalen NGO´s, Regierungseinrichtungen und anderen Institutionen. Die Konferenz findet alle zwei Jahre statt, zuletzt in Reading (England) und Lyon (Frankreich).

Dr. Gerlinde Nachtigall | idw
Weitere Informationen:
http://www.evpmc.org/

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