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Burn out: Unternehmensaufgabe oder Privatangelegenheit - Personalmanagement im Fokus

21.06.2012
Spannend, aktuell und kontrovers – die Themenpalette der zweiten Fachtagung „Business meets Science“ an der Hochschule Pforzheim lockte rund 100 Personalverantwortliche aus dem Bundesgebiet auf den Campus.
Ende des Sommersemesters 2012 wurden auf Einladung des TDS Instituts für Personalforschung an der Hochschule Pforzheim und des PERSONALER FORUM der TDS HR Services & Solutions GmbH die Personalstrukturen mittelständischer Unter-nehmen sowie das „Megathema“ Burn out diskutiert. Das Erfolgskonzept der Fachtagung: Wissenschaft und Praxis stellen die Themen jeweils aus ihrer Perspektive dar.

Auf die geänderte Rolle des Personalmanagements ging Professor Stephan Fischer ein. Als aktiver Part in der Geschäftsführung, der die strategischen Prozesse mitdenken und steuern soll, verlange Personalmanagement heute nach einer anderen Struktur. In wie weit diese Veränderungen auch von kleineren, meist familiengeführten Unternehmen nachvollzogen werden könnten, diskutierten Fischer, Direktor des Pforzheimer Instituts für Personalmanagement, und Meike Querengässer, Personalleiterin Bürkert Fluid Control Systems.

Mittelständische Unternehmen könnten in vielen Bereichen schnell und flexibel reagieren, die Aufgabenfelder seien abwechslungsreich und flach hierarchisch strukturiert. Standardisierte Prozesse, die vielfach die Grundlage für heute Personalmanagement-Modelle bildeten, fänden sich dagegen in diesen Unternehmen selten.

Mit Outsourcing und Kooperationen in Netzwerken sowie der ständigen Überprüfung der geänderten Aufgabenfelder sahen sowohl der Wissenschaftler als auch die Praktikerin eine Möglichkeit „moderne Personalmanagementstrukturen“ auf mittelständische Unternehmen zu übertragen. „Strategisch relevante Themenfelder benötigen eine Verankerung in der Firmenstruktur und in der Firmenkultur“, stellte Querengässer klar. Die Personalleiterin des global agierenden Familienunternehmens skizzierte, dass das Unternehmen Bürkert die Struktur der Personalarbeit immer wieder verändere und anpasse. Das Prinzip sei dabei: Die Struktur folgt der Strategie (und nicht einer aktuellen Mode).

Erweiterte Pupillen, starkes Schwitzen, Schlafstörungen – sichtbare Zeichen von Stress oder Überlastung kennen viele. Vier von fünf Krankheiten seien heute stressbedingt, stellte der Präventivmediziner Dr. Heinz Martens fest. Hörsturz, Herzinfarkt, Bluthochdruck, Magengeschwüre oder Depressionen – stressbedingte Krankheiten seien deutlich auf dem Vormarsch. Der finanzielle Schaden durch diese Krankheiten wird bundesweit auf 5 Milliarden Euro geschätzt. Der Verlust durch mangelnde Motivation müsse noch dazu gerechnet werden, so Martens. Die Zahlen bestätigte auch Dr. Anja Schmitz. Die Beraterin der O&P Consult AG und Lehrbeauftragte an der Hochschule Pforzheim sieht in diesem Zusammenhang Gesellschaft und Unternehmen in der Pflicht.
Das vielfach geforderte Gesundheitsmanagement bietet den Firmen eine Möglichkeit, gegen das ständig wachsende Phänomen Burn out vorzugehen. Mit unterschwelligen Angeboten für Mitarbeiter, Schulungen für Führungskräften und einem engen Netzwerk von Kooperationspartnern arbeiten sowohl die Wieland Werke in Ulm als auch der Stromkonzern RWE. Mit diesem Ansatz bestätigten die beiden Referenten – Dr. Natascha Behrens, RWE, und Florian Schoof, Wieland Werke – die Untersuchungen von Dr. Schmitz. Besonderes Highlight der Veranstaltung war die Möglichkeit, einen professionellen Stress Test vor Ort durch einen Mediziner und Stressfachmann durchführen zu lassen, dessen Ergebnis auch gleich noch besprochen wurde.

Wie könnte ein sinnvolles Weiterbildungsprogramm für ältere Mitarbeiter aussehen, Leitbilder für mittelständische Unternehmen als Beratungsaufgabe, Einblicke in nachhaltige Personalpolitik sowie die Untersuchung von Veränderungs-prozesse in diesem Bereich – vier Absolventen des Studiengangs Personalma-nagements gaben den Teilnehmer der Fachtagung Einblicke in zukünftige Aufgabenfelder. Die hervorragenden Abschlussarbeiten von Jan Gonell, Sven Leiske, Valentin Brose und Vanessa Hirsch fanden große Anerkennung.

„Angeregte Diskussionen, aktuelle Forschung und jede Menge Tipps“, so das Fazit der Teilnehmer, die sich bereits nach einer Fortsetzung der Fachtagung im November 2012 erkundigten. Die nächste Business meets Science Fachtagung findet im Rahmen des Personalkongresses am 28. und 29. November 2012 in Göttingen statt.

Sabine Laartz | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-pforzheim.de
http://www.hs-pforzheim.de/De-de/Forschung/tdsinstitut/tds-institut/Seiten/Inhaltseite.aspx

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