Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bessere Diagnoseverfahren in Sicht - Tagung zur Ultrahochfeld-Magnetresonanz-Tomographie in Berlin

11.06.2012
Multiple Sklerose (MS) ist eine tückische Krankheit. Das körpereigene Immunsystem greift die Hüllen von Nervenbahnen an und zerstört sie langsam. Bis erste Symptome auftreten, ist die Zerstörung oft schon fortgeschritten.
Zur Früherkennung könnte die Ultrahochfeld-Magnetresonanz-Tomographie (UHF-MRT) beitragen, denn sie ermöglicht Einblicke ins Körperinnere von bisher unerreichter Genauigkeit. „Diese neue Spitzentechnologie wird bald reif für die Anwendung in der Klinik sein“, sagte Prof. Thoralf Niendorf, Leiter der Berlin Ultra high-Field Facility (B.U.F.F.) des Max-Delbrück-Centrums (MDC) in Berlin-Buch, zum Abschluss einer Tagung am Wochenende zu aktuellen Entwicklungen der UHF-MRT.

Niendorf und Kollegen aus dem Berliner Exzellenzcluster NeuroCure haben erst kürzlich in einer Studie an Mäusen gezeigt, dass Schädigungen des Hirns, wie sie bei MS typisch sind, lange vor Ausbruch der Erkrankung und dem Auftreten klinischer Symptome sichtbar gemacht werden können. Das bietet zwar keine unmittelbare Chancen auf Heilung, doch es könnte die Früherkennung und die Therapie der Multiplen Sklerose entscheidend verbessern.

Grundlage für derlei Erfolge sind Magnetfelder von immenser Stärke. Heute übliche MRT-Geräte erzeugen ein Magnetfeld mit Feldstärken von bis zu 3 Tesla, Ultrahochfeld-MRT-Geräte dagegen haben Feldstärken von 7 bis etwa 12 Tesla. Diese hohen Feldstärken stellen völlig neue Ansprüche an die Messverfahren. Beispielsweise können Aufnahmen des schlagenden Herzens nicht mehr wie üblich an das Signal des EKG gekoppelt werden, da das Magnetfeld die Aufzeichnung der Herzströme beeinflusst.

Niendorfs Gruppe am MDC nutzt deshalb das akustische Signal: das Pochen des Herzens gibt den Takt für die Aufnahmen vor. So fein sind die Magnetspulen des UHF-MRT abgestimmt, dass selbst die 600 Pulsschläge eines Mäuseherzens erfasst und verarbeitet werden können. Die Aufnahmequalität ist so gut, dass künftig womöglich auf die bisher üblichen Kontrastmittel verzichtet werden könnte. „In der Ultrahochfeld-MRT hat es in jüngster Zeit sehr viele Durchbrüche gegeben“, sagte Niendorf. „Wir haben große Hoffnung, dass diese Technologie in naher Zukunft Eingang in die klinische Anwendung finden wird.“

Neben den Ergebnissen von Prof. Friedemann Paul und Prof. Jan Sobesky vom Exzellenzcluster NeuroCure und dem Experimental and Clinical Research Center (ECRC) von Charité und MDC sowie von Prof. Niendorf und Dr. Jens Würfel aus der Berlin Ultra high-Field Facility gibt es weitere viel versprechende Resultate. So können mit der UHF-MRT neurodegenerative Erkrankungen besser als bisher voneinander unterschieden werden.

Läsionen im Gehirn von MS-Patienten beispielsweise zeigen durch die höhere Auflösung der Ultrahochfeld-MRT-Bilder ein deutlich anderes Muster als solche von Patienten mit der selteneren entzündlichen Gehirnerkrankung SUSAC. „Das kann man mit bisher in der Klinik üblichen 3-Tesla-MRT-Geräten nicht erkennen“, sagte Niendorf. „Nur wenn man weiß, mit welcher Erkrankung man es zu tun hat, kann man die Patienten adäquat behandeln.“ Auch kleinste Hirninfarkte vermag die UHF-Technologie aufzuspüren. So könnte in Zukunft eingegriffen werden, bevor es zu einem Schlaganfall großen Ausmaßes kommt.

Ein Problem ist allerdings die Vergleichbarkeit der Bilder. Um die UHF-Technologie reif für die Klinik zu machen, müsse sie gewisse Standards erfüllen, sagte Niendorf. Der Knackpunkt: Mit steigender Stärke des Magnetfelds entstehen immer mehr Bildfehler. Thoralf Niendorf und seine Kollegen am MDC setzen zur Lösung des Problems auf die so genannte Mehrkanaltechnologie. „Dabei wird das Bildsignal nicht wie bei üblichen Geräten nur von einem Radiosender erzeugt, sondern von bis zu 32 Sendern“, erläuterte Niendorf. Dadurch ist die zu untersuchende Körperregion einem gleichmäßigen Feld ausgesetzt. Das daraus entstehende Bild ist dann „von allen Seiten gut belichtet“, sagte Niendorf.

Veranstalter des eintägigen Symposiums mit über 200 Teilnehmern waren Prof. Niendorf, Prof. Jeannette Schulz-Menger (Charité - Universitätsmedizin Berlin) sowie Dr. Bernd Ittermann (Physikalisch-Technische Bundesanstalt, PTB), die in der interdisziplinären Kooperation B.U.F.F. zusammenarbeiten. Zu der Tagung waren Forscherinnen und Forscher aus aller Welt nach Berlin-Buch gekommen, darunter unter anderem renommierte MRT-Forscher wie Prof. Kamil Ugurbil (Minneapolis, USA), Prof. Siegfried Trattnig (Wien, Österreich), Prof. Oliver Speck (Magdeburg, Deutschland), Prof. Klaas Pruessmann (Zürich, Schweiz) und Prof. Rolf Grütter (Lausanne, Schweiz).

Kontakt:
Prof. Thoralf Niendorf
Berlin Ultra high-Field Facility
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
in der Helmholtz-Gemeinschaft
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 4504
e-mail: thoralf.niendorf@mdc-berlin.de

Barbara Bachtler | Max-Delbrück-Centrum
Weitere Informationen:
http://www.mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/en/research/research_teams/experimental_ultrahigh_field_mr/index.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Veranstaltungsnachrichten:

nachricht Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni
24.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet
24.05.2017 | Deutsche Diabetes Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Veranstaltungsnachrichten >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten